Er holte Brigitte Bardot, Maria Callas und Sean Connery an die Costa del Sol und machte den Marbella Club zum Treffpunkt des internationalen Jetsets: Rudolf Graf von Schönburg-Glauchau, in Spanien liebevoll „Conde Rudi“ genannt, ist tot. Der deutsche Adlige starb im Alter von 94 Jahren in Marbella. Er war ein Onkel von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.
Marbella Club nimmt Abschied von „Count Rudi“
Bekannt gemacht hat den Tod das Marbella Club Hotel selbst. Auf Instagram trauert das Luxushotel am Sonntag, 18. Oktober 2026, um seinen „geliebten Count Rudi“ – den ersten Generaldirektor, „unseren Mentor und unseren Freund“. Fast sieben Jahrzehnte lang seien der Graf und der Club „untrennbar“ gewesen. Laut spanischen Medienberichten starb er bereits am Samstag, 17. Oktober. Zur Todesursache ist nichts bekannt.
„Er war so viel mehr als ein Teil unserer Geschichte; er war Teil unseres innersten Wesens.“
Marbella Club Hotel auf Instagram, 18.10.2026 (übersetzt aus dem Englischen)
In dem Post schreibt das Hotel außerdem, seine Gedanken seien bei Prinzessin Marie Louise, Sophie, Friedrich und der gesamten Familie Schönburg.
Auch Marbellas Bürgermeisterin Ángeles Muñoz meldete sich in den sozialen Netzwerken zu Wort. Laut der Nachrichtenagentur EFE verabschiedete sie „Conde Rudi“ mit „enormer Zuneigung“ als einen sehr geschätzten Menschen, der in Marbella eine „unauslöschliche Spur“ hinterlasse.
Flucht vor den Sowjets: Von Sachsen an die Costa del Sol
Geboren wurde Rudolf Graf von Schönburg-Glauchau am 25. September 1932 auf Schloss Wechselburg in Sachsen. Seine Familie gehört zum alten sächsischen Hochadel. Als die sowjetischen Truppen 1945 vorrückten, musste sie ihr Schloss verlassen und floh in den Westen Deutschlands – Rudi war damals zwölf Jahre alt.
Nach der Hotelfachschule in Lausanne und einer Station in einem Hamburger Hotel folgte er dem Ruf seines Verwandten Prinz Alfonso von Hohenlohe. Der hatte 1954 in Marbella ein kleines Hotel eröffnet: den Marbella Club. Ende Dezember 1956 kam Rudi in Málaga an und stieg als stellvertretender Direktor ein. Nach einem Zwischenspiel in Mexiko leitete er das Haus von 1961 bis 1983 als Generaldirektor, ab 1993 saß er im Verwaltungsrat.

Bardot, Callas, Connery: Das Jetset-Paradies des Grafen
Unter seiner Leitung wurde der Marbella Club zum Sehnsuchtsort der Reichen und Schönen. Zu den Gästen zählten laut dpa unter anderem:
- Gunter Sachs und Brigitte Bardot
- Maria Callas und Aristoteles Onassis
- Audrey Hepburn
- Sean Connery
- dazu Präsidenten und Könige
Langeweile kam dabei nicht auf. Weil viele Gäste damals bis zu drei Wochen blieben, ließ sich der Graf ständig etwas Neues einfallen. In einem Beitrag des Hotels zu seinem 90. Geburtstag erinnerte er sich:
„Jede Woche hatten wir mindestens drei Partys – eine Schatzsuche, eine Kostümparty am Strand und so weiter.“
Rudolf Graf von Schönburg-Glauchau im Blog des Marbella Club, 2022 (übersetzt aus dem Englischen)
2002 verlieh ihm König Juan Carlos das Großkreuz des Ordens Isabellas der Katholischen.
Die große Liebe: Prinzessin Marie Louise von Preußen
Privat fand der Hotelier sein Glück mit Prinzessin Marie Louise von Preußen, einer Urenkelin des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und Cousine der spanischen Königin Sofía. Gefunkt hat es laut dem spanischen Magazin „¡Hola!“ erst nach mehreren Begegnungen – entscheidend war ein Wiedersehen in Mogadischu, wo die Prinzessin als Krankenschwester arbeitete. Im Mai 1971 heiratete das Paar standesamtlich in Hechingen und einen Tag später kirchlich in der Schlosskapelle von Donaueschingen. Im Mai 2026 feierten die beiden noch ihren 55. Hochzeitstag.
Aus der Ehe stammen Tochter Sophie und Sohn Friedrich, das Paar hat drei Enkelkinder. Marbella blieb für den Grafen bis zuletzt Heimat. „¡Hola!“ zitiert ihn mit den Worten, die Stadt sei:
„… das Land, das mich eines Tages sterben sehen wird und in dem ich das Leben so sehr genieße.“
Rudolf Graf von Schönburg-Glauchau, zitiert von „¡Hola!“ (übersetzt aus dem Spanischen)

Conde Rudi im Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Name | Rudolf Graf von Schönburg-Glauchau („Conde Rudi“) |
| Geboren | 25. September 1932, Schloss Wechselburg (Sachsen) |
| Gestorben | 17. Oktober 2026 in Marbella, mit 94 Jahren |
| Ausbildung | Hotelfachschule Lausanne |
| Marbella Club | ab Dezember 1956, Generaldirektor 1961–1983, ab 1993 Verwaltungsrat |
| Ehefrau | Marie Louise Prinzessin von Preußen (Heirat 1971) |
| Kinder | Sophie und Friedrich |
| Bekannte Verwandte | Bruder Joachim Graf von Schönburg-Glauchau, Nichte Fürstin Gloria von Thurn und Taxis |
Fürstin Gloria verliert ihren Onkel
Mit Conde Rudi stirbt auch ein Stück Familiengeschichte von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Rudi war ein jüngerer Bruder ihres Vaters Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998), wie unter anderem das französische Adelsportal „Histoires Royales“ berichtet. Beide stammten aus der Ehe von Friedrich Carl Graf von Schönburg-Glauchau mit Maria Anna Baworowska. Für Gloria ist es ein weiterer schmerzlicher Verlust: 2021 trauerte sie um ihre Mutter Beatrix. Zuletzt sorgte die Fürstin mit ihrer Reaktion auf einen Auftritt von Peter Maffay für Gesprächsstoff.