Er konnte mit einem einzigen Blick ganze Kinosäle in Angst versetzen. Am 18. Oktober 2026 wäre Klaus Kinski 100 Jahre alt geworden. Das Kino feiert ihn bis heute als Ausnahmeschauspieler – doch hinter der Leinwand-Legende stehen Wutausbrüche, Demütigungen und schwere Vorwürfe aus der eigenen Familie.
Als Vampir in „Nosferatu“ und als Besessener im Dschungel von „Fitzcarraldo“ schrieb er Filmgeschichte. Gleichzeitig hinterließ der Schauspieler im echten Leben drei gescheiterte Ehen und drei Kinder, von denen zwei ihm später Ungeheuerliches vorwarfen. Ein Rückblick auf ein Leben zwischen Genie und Zerstörung.
Vom Jungen aus Zoppot zum Schauspieler
Geboren wird Kinski am 18. Oktober 1926 als Klaus Günter Karl Nakszynski in Zoppot bei Danzig, dem heutigen Sopot in Polen. Der Vater ist Apotheker, die Mutter Krankenschwester. Als junger Soldat gerät er 1944 an der Westfront in britische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg beginnt er als Quereinsteiger auf kleinen Theaterbühnen – unter dem Namen, der später weltberühmt wird.
| Klaus Kinski | Steckbrief |
|---|---|
| Geburtsname | Klaus Günter Karl Nakszynski |
| Geboren | 18. Oktober 1926 in Zoppot (heute Sopot, Polen) |
| Gestorben | 23. November 1991 in Lagunitas, Kalifornien (65 Jahre) |
| Ehen | Gislinde Kühbeck (1952–1955), Brigitte Ruth Tocki (1960–1969), Minhoï Geneviève Loanic (1971–1979) |
| Kinder | Pola (*1952), Nastassja (*1961), Nikolai (*1976) |
| Bekannte Filme | „Für ein paar Dollar mehr“, „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Nosferatu – Phantom der Nacht“, „Fitzcarraldo“ |
Edgar Wallace, Winnetou und Italowestern
In den 60er-Jahren wird Kinski zum Gesicht des Unheimlichen: In zahlreichen Edgar-Wallace-Krimis wie „Der Zinker“ oder „Die toten Augen von London“ sorgt er für Gänsehaut, in Italowestern wie „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) spielt er Männer, denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte. Auch in „Winnetou 2. Teil“ (1964) steht er vor der Kamera – an der Seite von Pierre Brice. Der 2015 verstorbene Winnetou-Darsteller schilderte BILD später eine Szene vom Set, die kein gutes Licht auf seinen Kollegen wirft.
„Klaus Kinski war kein guter Mann. Er war wild und böse und feige.“
Pierre Brice gegenüber BILD
Laut Brice hatte Kinski seinen Frust an einem angebundenen Pferd ausgelassen. Brice habe ihm Prügel angedroht, falls er das Tier noch einmal schlage – woraufhin Kinski zu weinen begonnen habe.
Werner Herzog: „Weltwunder“ und „ultimative Pest“
1971 trifft Kinski auf Regisseur Werner Herzog (heute 84). Es wird eine der berühmtesten Hassliebe-Beziehungen der Filmgeschichte. Herzog nannte seinen Star laut der Deutschen Presse-Agentur mal ein „Weltwunder“, mal „die ultimative Pest“. Gemeinsam drehen die beiden fünf Filme:
- „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972)
- „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979)
- „Woyzeck“ (1979)
- „Fitzcarraldo“ (1982)
- „Cobra Verde“ (1987)

Die Dreharbeiten gelten als permanenter Ausnahmezustand. Herzog verarbeitete die gemeinsame Zeit 1999 in seiner Dokumentation „Mein liebster Feind“.
Der Eklat in der Deutschlandhalle
Wie unberechenbar Kinski auch vor Publikum war, zeigte sich am 20. November 1971. In der Berliner Deutschlandhalle will er vor rund 5000 Menschen seinen Monolog „Jesus Christus Erlöser“ aufführen. Es kommt zu Zwischenrufen und Wortgefechten, die Veranstaltung wird früh abgebrochen. Als ein Zuschauer einwirft, Jesus sei duldsam gewesen, brüllt Kinski laut BILD:
„Nein, er hat nicht gesagt: Halt die Schnauze. Er hat eine Peitsche genommen und hat ihm in die Fresse gehauen! Du dumme Sau!“
Klaus Kinski, Deutschlandhalle Berlin, 1971
Auch im Fernsehen sorgt er für Skandale: Eine ZDF-Reporterin beschimpft er, in der „NDR Talk Show“ kommentiert er vor laufender Kamera den Po von Moderatorin Alida Gundlach.
Die schweren Vorwürfe seiner Töchter
Lange wurde Kinski als „verrücktes Genie“ verklärt. 2013 bekommt dieses Bild tiefe Risse: Seine älteste Tochter Pola Kinski (heute 74) beschreibt in ihrer Autobiografie „Kindermund“ jahrelangen sexuellen Missbrauch durch ihren Vater, der begonnen habe, als sie noch ein Kind war. Auch Nastassja Kinski (heute 65) äußerte sich: Sie habe als Kind große Angst vor den Annäherungsversuchen ihres Vaters gehabt. Kinski selbst kann sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. Sohn Nikolai (heute 50) zeigte sich laut BILD schockiert über die Schilderungen seiner Halbschwestern.

Kurz nach Erscheinen des Buches legten Menschen in Berlin Teddybären an Kinskis Stern auf dem Boulevard der Stars ab. Nastassja Kinski stand übrigens bereits als Jugendliche vor der Kamera – Szenen aus dieser Zeit sorgen bis heute für Debatten, etwa um ihre „Tatort“-Rolle oder einen Wim-Wenders-Film, der nicht mehr gezeigt werden darf.
Einsamer Tod in Kalifornien
Seine letzten Jahre verbringt Kinski zurückgezogen in Kalifornien. Am 23. November 1991 stirbt er mit 65 Jahren in seiner abgelegenen Blockhütte in Lagunitas – laut BILD an einem Herzinfarkt, im Schlaf. Zwei Tage vor seinem Tod soll er seiner italienischen Agentin noch ein verzweifeltes Fax geschickt haben. Darin stand laut BILD: „Ich brauche Geld, Geld, Geld!!!“
Was von Klaus Kinski bleibt
100 Jahre nach seiner Geburt bleibt ein zwiespältiges Vermächtnis: Filme wie „Aguirre“ und „Fitzcarraldo“ gelten als Meilensteine des deutschen Kinos, seine Ausbrüche werden bis heute parodiert. Doch die Schilderungen seiner Töchter machen deutlich, dass die Erzählung vom wilden Künstler nichts entschuldigen kann. Und selbst sein letzter Ort ist zur Kuriosität geworden: Die Hütte mit seinem Sterbebett kann nach BILD-Angaben bis heute von Touristen gebucht werden.