Ein enger Hemdkragen, eine Autofahrt zur Arbeit – und plötzlich Panik: Prinz Harry (42) hat so offen wie selten über die dunkelsten Phasen seines Lebens gesprochen. In einem neuen Online-Kurs über Trauer schildert der Royal, wie er nach dem Abschied aus dem Königshaus in eine Depression rutschte – und warum ausgerechnet die Ruhe in Kanada der Auslöser war.
Prinz Harry spricht in Online-Kurs über seine Trauer
Der Anlass: Seit Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, ist auf der Lernplattform MasterClass der Kurs „Redefining Grief: Building Resilience Through Loss“ abrufbar. Harry gestaltet ihn gemeinsam mit der Trauerforscherin Mary-Frances O’Connor von der University of Arizona. Über die Inhalte berichteten unter anderem der britische „Telegraph“, das US-Magazin „People“, „Marie Claire“ und t-online.
Im Mittelpunkt steht Harrys Umgang mit dem Verlust seiner Mutter, Prinzessin Diana, die 1997 starb, als er zwölf Jahre alt war. Doch was er über die Jahre danach erzählt, lässt aufhorchen.
„Adrenalin-Crash“ nach dem Umzug nach Kanada
Um den Jahreswechsel 2019/2020 zog sich Harry mit Herzogin Meghan und dem kleinen Archie nach Kanada zurück, im Januar 2020 gab das Paar seinen Rückzug als arbeitende Royals bekannt. Man sei nach Kanada gegangen, um „etwas Abstand von allem zu bekommen, um überhaupt nachdenken zu können“, sagt Harry im Kurs.
Genau dieser Abstand wurde für ihn zum Problem. Weg von dem stressigen Umfeld, in dem sein Körper „vermutlich voller Adrenalin“ gewesen sei, habe er innerhalb von zwei, drei Tagen einen „Adrenalin-Crash“ erlebt – „etwas, das ich noch nie zuvor erlebt hatte“.
„Ich bin tatsächlich für etwa zwei Wochen in eine Depression gerutscht und hatte das Gefühl, ohne Adrenalin nicht funktionieren zu können.“
Prinz Harry im MasterClass-Kurs (aus dem Englischen übersetzt)
Es sei gewesen, als habe er Stress gebraucht, damit sein Gehirn überhaupt funktioniere, beschreibt der 42-Jährige.
Panikattacken auf dem Weg zur Arbeit
Schon in seiner Zeit als Vollzeit-Royal habe sich die Erschöpfung körperlich bemerkbar gemacht. Gemerkt habe er, dass er „ernsthaft ausgelaugt“ war, als schon das Anziehen eines einfachen Hemdes zur Belastung wurde. Das Enger-Werden des Kragens habe sich „buchstäblich angefühlt, als würde ich ersticken“. Und weiter:
„Ich hatte Panikattacken, schon im Auto auf dem Weg zur Arbeit.“
Prinz Harry im MasterClass-Kurs (aus dem Englischen übersetzt)
Ganz verschwunden ist das offenbar nicht: Es gebe einige öffentliche Termine, die bei ihm immer noch Adrenalin auslösten, räumt Harry ein – „da will ich nicht lügen“.

Die Armee als „perfekte Ablenkung“
Eine zentrale Rolle spielt im Kurs Harrys Zeit beim Militär. Den Eintritt in die Armee mit 20 Jahren bezeichnet er rückblickend als „die perfekte Ablenkung“ von der Trauer um seine Mutter. Jahrelang habe er auf die Frage, ob es ihm gut gehe, nur Taubheit gespürt: „Es war Taubheit, emotionales Abschalten.“ Ohne es zu wissen, habe ihn das Adrenalin angetrieben – bis hin zur Entscheidung für den Militärdienst.
Seine Einsätze in Afghanistan sieht Harry dabei nicht als eigentliche Ursache seiner Probleme, sondern als Auslöser für ältere Wunden. Über das, was er dort gesehen und erlebt habe, sagt er, es sei „ein Auslöser für andere Traumata“ gewesen.
Harrys Weg in Stationen
| Jahr | Station |
|---|---|
| 1997 | Tod von Prinzessin Diana – Harry ist zwölf Jahre alt |
| 2005 | Eintritt in die Armee mit 20 Jahren |
| 2007/08 und 2012/13 | Einsätze in Afghanistan |
| 2020 | Rückzug als arbeitender Royal, Umzug über Kanada nach Kalifornien |
| 2023 | Seine Memoiren „Reserve“ erscheinen |
| August 2026 | Rückkehr mit Meghan, Archie und Lilibet nach Großbritannien |
| 8. Oktober 2026 | Start des MasterClass-Kurses über Trauer |

Neues Leben in Großbritannien
Die offenen Worte fallen in eine Zeit des Neuanfangs. Nach rund sechs Jahren in den USA ist die Familie im August 2026 nach Großbritannien zurückgekehrt – der Umzug hatte sich schon im Sommer angekündigt. Eine Rückkehr ins Königshaus ist das allerdings nicht: In einem Schreiben, das der Lord Chamberlain im Namen von König Charles III. veröffentlichte, wurden Harry und Meghan als Privatpersonen mit geschäftlichen und karitativen Interessen bezeichnet, nicht als arbeitende Mitglieder der Royal Family.
Öffentlich zeigt sich Harry seit der Rückkehr dennoch – etwa bei den WellChild Awards in London, wo ihm bei seiner Rede die Stimme versagte. Auch innerhalb der Familie ist das Erbe von Diana weiter ein großes Thema: Bruder William sagte zuletzt eine Diana-Doku ab.
Warum Harrys Offenheit wichtig ist
Dass Harry über psychische Gesundheit spricht, ist nicht neu – schon in Interviews, Dokumentationen und in „Reserve“ hatte er über Therapie und Trauer berichtet. Neu ist, wie konkret er nun die körperlichen Symptome beschreibt. Seine wichtigsten Aussagen im Überblick:
- Depression: etwa zwei Wochen lang nach dem Umzug nach Kanada
- Auslöser: ein „Adrenalin-Crash“, als der Dauerstress plötzlich wegfiel
- Panikattacken: schon im Auto auf dem Weg zur Arbeit
- Körperliche Warnsignale: ein enger Hemdkragen fühlte sich an wie Ersticken
- Wurzel: die unverarbeitete Trauer um Mutter Diana – die Armee war „die perfekte Ablenkung“
Für viele Betroffene dürfte gerade das ein wichtiges Signal sein: Selbst ein Prinz brauchte Jahre, um zu erkennen, dass hinter seiner ständigen Anspannung eine nie verarbeitete Trauer steckte.
Hilfe bei Depressionen: Wer selbst betroffen ist, findet bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr anonym und kostenlos Unterstützung unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.