„Stadl“-Aus: verpokert und verschunkelt

„Tschüss, Stadl!“

Es war abzusehen und hinterlässt dennoch geschockte Gesichter: Der „Stadl“ wird abgesetzt. Lediglich an Silvester soll es noch Ausgaben geben. Damit wurde den Zuschauern ein Stück TV-Kultur genommen. Hatte das Kult-Format jemals eine reale Chance?

Stadlshow Aus
Der „Stadl“ wurde komplett umgekrempelt. Gebracht hat das nichts.

„Ohne Andy Borg werden wir den ‚Stadl‘ nicht anschauen!“ Drohende Worte, die monatelang über der Fernsehlandschaft lagen und sich nicht als leere Phrasen herausstellten. Die Zuschauer kündigten den Sendeverantwortlichen von ARD, SRF und ORF den Quotenflopp lautstark an, doch diese hörten einfach nicht zu. Mit halbleerem Tank fuhren sie konsequent an jeder Raststätte vorbei. So, als hätte auch niemand jemals geplant, überhaupt einen Versuch zu starten, den „Musikantenstadl“ zu retten.

Ungewünschte Veränderung

ARD, ORF und SRF haben hoch gepokert. Sie haben dem „Musikantenstadl“ eine Verjüngungskur verpasst und aus ihm die „Stadlshow“ gemacht, weil sie es können. Danach gefragt hatte nämlich niemand. Auch nicht die Quoten, wie argumentiert wurde. Diese erreichten zwar nicht immer Top-Zahlen aus Zeiten von Karl Moik, waren aber dennoch durchschnittlich zufriedenstellend. Den Zuschauern gefiel die Sendung genauso, wie sie war. Sie liebten Andy Borg, die kitschige Kulisse und das fröhliche Heilewelt-Geschunkel. Umso entsetzter waren sie dann, als aus der sanften Schunkelei eine holprige Achterbahnfahrt wurde. Auf diesen Zug waren die Zuschauer nicht aufgestiegen – und er gefiel ihnen auch nicht.

Miese Quoten

In den sozialen Netzwerken wurde lautstark protestiert. „Muss denn immer alles jünger werden?“, so das Credo. Verständlich, wurde mit dem neuen Konzept des „Musikantenstadls“ doch eine der letzten Sendungen in der TV-Landschaft begraben, die attraktiv für die ältere Generation war. Doch das Recht auf Mitsprache wurde den älteren TV-Zuschauern schlichtweg abgesprochen. Auf ihre Meinung wurde augenscheinlich kein Wert gelegt und das Gefühl vermittelt, man könne auf sie verzichten. Lieber wolle man die jüngere Generation an Land ziehen mit dem neuen Konzept, das war das Ziel. Und das Ergebnis? Ja, das ist ein offenes Geheimnis: Die mieseste Quote aller Zeiten! Quasi das Danke der Zuschauer für die Ignoranz der Sendeverantwortlichen.

Von Beginn der Planung aber, waren die Verträge der beiden neuen Moderatoren, Francine Jordi und Alexander Mazza, nur bis Ende 2015 gültig. Hallen für Sendungen für 2016 waren ebenfalls nicht gebucht. Es war also anzunehmen, dass dem neuen „Stadl“ selbst aus den eigenen Reihen nicht viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Haben ARD, SRF und ORF jemals einen Versuch gestartet den „Stadl“ zu modernisieren, oder wollten sie das Programm nicht etwa sterben lassen und haben sich deshalb selbst ein Grab geschaufelt?

Irrfahrt mit unbekanntem Ziel

Was genau das Ziel dieser Irrfahrt war, ist nicht ganz klar. „Wir tragen den Entscheid, die 'Stadlshow' in dieser Form nicht mehr weiterzuführen, partnerschaftlich mit. Die Erfolge in den drei Ländern waren unterschiedlich. In der Schweiz hat die Sendung funktioniert, wie die Quote von 34,4 Prozent an Silvester gezeigt hat“, so Christoph Gebel, Abteilungsleiter Unterhaltung im SRF. Am „Silvesterstadl“ wolle jedoch festgehalten werden. „Die Silvesterausgabe mit Publikumslieblingen und Stars der Branche hat jedoch gezeigt, dass das Format auf diesem Sendeplatz Potenzial hat.“ Wer diese moderieren soll, dazu ist bisher nichts bekannt. Damit würde der Sendung vielleicht nochmal eine ehrliche Chance gegeben werden, die sie zuletzt nicht hatte. Bleibt zu hoffen, dass die Wünsche der Zuschauer dieses Mal Gehör finden und nicht wieder verschunkelt werden, denn ansonsten erhält der „Stadl“-Motor wohl endgültig einen irreparablen Schaden und es heißt, wie Stefan Mross bereits einmal vorwarnte: „Tschüss, Stadl!“

Stefanie Rigling
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