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Giovanni Zarrella im Interview zu seinen Italo-Schlagern auf „La Vita È Bella“

Interview zum neuen Album

Giovanni Zarrella veröffentlicht 2019 sein Album „La Vita è bella“. Im Interview erklärte er uns, wie es sich anfühlt auf Italienisch zu singen, was seine Familie dazu sagt und wie er die Texte geschrieben hat.

Giovanni Zarrella veröffentlicht sein Italo-Schlager-Album „La Vita è bella“.
Giovanni Zarrella veröffentlicht sein Italo-Schlager-Album „La Vita è bella“. 

„La vita è bella“, also „Das Leben ist schön“, heißt das neue Album von Giovanni Zarrella, das er am 19. Juli 2019 veröffentlicht. Darauf hat sich der einstige Bro'Sis-Popstar seine Lieblings-Schlagersongs vorgenommen und diese mit neuen, italienischen Texten versehen. SchlagerPlanet traf den sympathischen Sänger zum Interview. Dabei erklärte Giovanni uns genau, wie es sich für ihn anfühlt auf Italienisch zu singen, wie er überhaupt auf die Idee kam, Schlager neu zu vertonen, worum es in den Texten geht und was seine Familie zu seinem Projekt sagt.

Giovanni Zarrella: „Italienisch geht ans Herz“

SchlagerPlanet: Am 19. Juli erscheint Dein neues Album „La Vita è bella“, auf dem Du auf Italienisch singst. Was ist denn der Unterschied zwischen Deutsch und Italienisch für Dich?

Giovanni Zarrella: Das ist schon ein Unterschied. Italienisch klingt vielleicht etwas runder und in sich harmonischer. Dazu kommt, dass es international besser funktioniert als Deutsch. Die großen Welthits sind eigentlich alle auf Englisch oder Spanisch und dann kommt auch schon das Italienische, weil es eine Sprache ist, die sehr melodiös ist und auch irgendwie immer romantisch klingt. Ich glaube eben auch, dass Italienisch eine Sprache ist, die sehr ans Herz geht und dadurch auch verstanden wird, ohne, dass man sie wirklich verstehen muss.

SchlagerPlanet: Fällt es Dir leichter auf Italienisch zu singen?

Giovanni Zarrella: Nein, mir gefällt beides, ich singe auch unglaublich gerne Deutsch. Ich glaube auf dem Album ist es die perfekte Mischung: Auch bei meinen Live-Shows, gerade im Sommer, habe ich immer schon gerne Lieder gesungen, die die Leute schon kennen. Da bin ich relativ uneitel. Es muss nicht zwingend mein Song sein, den die Leute mögen. Ich singe auch gerne mal etwas von Eros Ramazzotti zum Beispiel. Die Leute kennen das und feiern sofort mit.

Was jetzt auf dem Album passiert, ist die perfekte Kombination: Einen deutschen Hit zu nehmen und ihn in ein italienisches Gewand zu stecken. Genau diese Performance habe ich mir für die Bühne gewünscht, dass ich etwas habe, das die Leute kennen, aber es ist doch anders. Das ist für mich das Besondere daran.

Duett mit Ross Antony brachte die Idee

SchlagerPlanet: Wie kamst Du denn auf die Idee jetzt Italienisch zu singen?

Giovanni Zarrella: Meine letzte Veröffentlichung als Solo-Künstler war „Ancora Musica“ im Jahr 2010. Darauf war auch ein Duett mit Ross Antony, bei dem er Englisch gesungen hat und ich Italienisch. Und auch bei dem Lied „Wundervoll“ auf dem Album waren die Strophen auf Italienisch, der Refrain auf Deutsch. Da hatte ich zwar schon den Ansatz, habe mich aber noch nicht zu 100% getraut, weil ich mir dachte: Wenn die Leute es nicht komplett verstehen, dann fühlen sie meine Musik vielleicht nicht richtig. Doch dann dachte ich mir: Jetzt ist es die Zeit das zu tun und ich hatte mehr Lust denn je darauf.

Und ich wollte eben etwas Besonderes machen, nicht einfach ein Cover von zum Beispiel „Azzurro“ oder „Volare“. Deshalb habe ich auch knapp acht Jahre nichts veröffentlicht. Ich wollte etwas machen, was mich auch selbst beflügelt. Und das habe ich, was mich betrifft, auch geschafft. Das merke ich auch wenn ich auf der Bühne stehe und das, obwohl ich jetzt seit knapp 20 Jahren im Geschäft bin. Letztens zum Beispiel bei „Immer wieder sonntags“ hatte ich richtig Herzrasen, weil es sich für mich wirklich wie ein Neuanfang anfühlt.

Giovanni Zarrella: „Wir haben zu Hause immer viel Schlager gehört“

SchlagerPlanet: Was hat Deine Familie zu der Idee gesagt?

Giovanni Zarrella: Die Feiern das so sehr. Meine Frau sowieso, aber auch meine Eltern. Wir haben zu Hause auch immer viel Schlager gehört – das macht einfach direkt gute Laune. Wir sind auch sehr positive Menschen, die daran glauben, dass wenn man Gutes gibt und tut, auch viel Gutes zurückkommt. Dafür steht, finde ich, auch der Schlager. Der holt dich ab, nimmt dich mit und entführt dich in eine Welt, in der man miteinander gut umgeht und in der gute Laune herrscht.

Meine Frau hat es sofort gefeiert und meine Eltern auch. Meine Mama hört jeden Tag, wenn sie zum Catering fährt, die ersten Lieder, die es jetzt schon gibt, und ist so beflügelt und positiv wie ich. So geht es uns allen mit dem Album. Ich hatte ehrlich gesagt auch noch nie eine Platte, bei der ich nicht wusste was die nächste Single sein könnte. Ich habe eher Angst, dass die Leute nicht alle Lieder darauf hören.

SchlagerPlanet: Wie hast Du die Lieder ausgewählt? Es sind ja nicht nur Mega-Hits auf der CD, sondern teils auch Songs, die außerhalb der Schlager-Community nicht zwingend bekannt sind.

Giovanni Zarrella: Ich habe mir erst einmal sehr viel angehört. Sowohl Schlager-Künstler, die ich mag, als auch Musiker, die ich nicht kannte. Und dann habe ich meine Lieblingsstücke herausgesucht. Mir war es auch egal, ob es männliche oder weibliche Künstler waren. Ich wollte ohnehin meine eigene Version daraus machen.

Dann haben wir verschiedene Lieder ausprobiert und mit italienischer Fantasiesprache versucht, welcher Song auf Italienisch gut funktioniert. Das spürt man dann relativ schnell. Zum Beispiel im Fall von Helene haben wir auch „Achterbahn“ ausprobiert. Am Ende sind wir dann aber doch bei „Atemlos“ hängen geblieben, der bei mir jetzt „Anche tu“ heißt. Am heftigsten war es bei „Dammi“ von Wolfgang Petry. Das hat sofort funktioniert.

Giovanni Zarrella: So schrieb er die neuen Texte

SchlagerPlanet: Wie bist Du an die Texte herangegangen: Eigenständige Geschichten oder hast Du Dich an den Originalen orientiert?

Giovanni Zarrella: Wir hatten auf jeden Fall den Anspruch, dass es vom Klang und Sinn beim Original bleibt, auch wenn das nicht immer umzusetzen war. Zum Beispiel bei Wolfgang Petrys „Wahnsinn“: Das Wort Hölle heißt auf Italienisch Inferno – das klingt einfach nicht gut an der Stelle des Liedes. Also haben wir nach Worten gesucht und sind dann bei „Bella“ gelandet. Das hat einfach gepasst.

Aber vom Sinn haben wir versucht, beim Original zu bleiben. Man muss eh erst einmal mit der neuen Sprache klarkommen (lacht). Aber es muss eben rund klingen und auch zum Original passen.

Deshalb haben wir schon auch etwas Neues aus den Liedern gemacht. Bei „Atemlos“ zum Beispiel heißt es „Anche tu volerai“, also „Auch du wirst fliegen“. Wir haben es also nicht eins zu eins genommen, sondern umformuliert, aber den Sinn behalten. Es heißt dann etwa: Du wirst beflügelt sein und durch die Nacht ziehen.

Dann musste ich natürlich auch noch hoffen, dass die Original-Produzenten oder Verlage mir die Lieder auch noch freigeben. Wir haben tatsächlich am Ende alle Freigaben erhalten und teils auch Komplimente für die Versionen. Peter Maffay hat sich zum Beispiel sehr gefreut über die Version von „So bist du“.

SchlagerPlanet: Gibt es einen Song der Dir besonders am Herzen liegt?

Giovanni Zarrella: Ich liebe „Cosi sei tu“, das ist unser „So bist du“ von Maffay, auch weil von ihm direkt Feedback kam, dass er es toll findet. Aber extrem wichtig ist auch „Dammi“, also unser „Wahnsinn“ von Petry, weil wir es an diesem Lied ausprobiert haben. Wir saßen bei Christian Geller (Anmerkung der Redaktion: Produzent) und haben rumprobiert und kamen dann auf „Wahnsinn“. Als wir dann die ersten Versuche auf Italienisch gemacht haben, hatten wir alle direkt Gänsehaut, weil es einfach super geklungen hat.

Giovanni Zarrella/youtube

SchlagerPlanet: Veröffentlichst Du die Songs auch in Italien oder ist das ein reines Deutschland-Projekt?

Giovanni Zarrella: Wir werden erst einmal verfolgen, wo es mit dem Album hingeht – auch in Österreich und in der Schweiz, was ja an Italien grenzt. Für mich wäre es natürlich ein Traum. Und wir wären gewappnet für Italien. Ich bin in Deutschland geboren, mein Italienisch ist wirklich sehr gut, aber nicht perfekt. Ich wollte mich auf dem Album selbst einbringen, habe mir aber mit Stefano Maggio auch noch einen italienischen Songwriter ins Boot geholt.

Bei manchen Sachen, die ich sage, hat er nur gelacht und gemeint: Giovanni, so kannst du das nicht sagen, weil man es so eher unter Freunden sagen würde. Aber wenn du es in Italien veröffentlichen willst irgendwann, solltest du es besser anders machen. Sonst klingst du wirklich, wie ein Italiener, der in Deutschland geboren ist.

Es würde mich sehr stolz machen, Petry, Fischer und Co. in Italien bekannt zu machen. Die Melodien kennt man ja dort noch nicht. Aber dieser Schlager-Sound an sich ist in Italien gar nicht unbekannt. Was für uns Schlager ist, war der Italo-Pop der 90er. Zum Beispiel Al Bano und Romina Power. Dort heißt es eben nicht Schlager, sondern Pop.

Für mich war Schlager deshalb auch immer irgendwie Pop und eine Verbindung zu Italien – Musik ist Musik. Entweder es gefällt mir oder eben nicht. Al Bano und Romina waren ja auch jetzt nach ihrem Comeback bei Florian Silbereisen in der Show, weil es einfach toll zusammenpasst. Es ist einfach ein Sound, der sich widerspiegelt im deutschen Schlager und wir drehen es jetzt um (lacht).

SchlagerPlanet: Was steht mit dem neuen Album an? Gehst Du auf Tour?

Giovanni Zarrella: Da warten wir auch erst einmal das Feedback ab, was passiert. Ich will mich da jetzt nicht blind in etwas stürzen. Ich bin eben auch Schwabe und damit ein Sicherheitsmensch. Mein Wunsch ist auf jeden Fall eine eigene Tournee. Wenn wir Glück haben, findet die schon nächstes Jahr statt. Aber wenn es zwei Alben braucht, dann mache ich auch zwei oder drei oder fünf.

Für mich ist das hier eben kein Ausflug. Das ist für mich eine lange Reise, die ich begonnen habe. Das Projekt ist nichts, was ich nur einmal ausprobieren will. Ich will dabei bleiben. Deswegen mache ich alles mit der richtigen Geduld: Alles zu seiner Zeit.

Lieber Giovanni: Danke für das schöne Interview und viel Erfolg mit deinem neuen Album!

Richard Strobl
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