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Michael Wendler & Co: Droht dem beliebten Pop-Schlager im Ruhrpott das Aus?

Kolumne: Aufwachen!

Das „Herz des Schlagers“ im Ruhrpott hat inzwischen schwere Herzrhythmusstörungen und braucht dringend einen musikalischen Bypass. Doch wer von den Machern hat jetzt wirklich den Mut einen Pop-Schlager Roundtable oder zumindest einen „PS 7 Gipfel“ zu eröffnen?

Michael Wendler
Narzisst Michael Wendler hat sich selbst zum „Pop-Schlagerkönig“ ernannt.

Was ist da nur los bei euch in NRW oder besser gesagt im Ruhrpott? Dem „Herzen des Schlagers“, der Wiege des Pop-Schlagers. Wer in den letzten Monaten eines der zahlreichen Pop-Schlager Konzerte zwischen Duisburg und Dortmund besucht hat, merkt schnell: Stimmung immer noch gut, Besuch mäßig bis schlecht. Das „Herz des Schlagers“ hat inzwischen schwere Herzrhythmusstörungen und braucht dringend einen musikalischen Bypass…

Rückblick: 1985 veröffentlichte IBO seinen Titel „Ibiza“. Der Mazedonier aus Gladbeck war damit sowas wie der Erfinder und Ur-Vater des deutschen Pop-Schlagers. Nach seinem tragischen Tod haben zahlreiche Sänger auf den tanzbaren Sound gesetzt und ihn erfolgreich weiterentwickelt. Und plötzlich gab es die Generation „Pop-Schlager Avengers“. Zu den gefeierten Helden gehören beispielsweise Jörg Bausch, Anna-Maria Zimmermann, Olaf Henning, Norman Langen und ja, auch Michael Wendler. Sie alle haben den Pop-Schlager im Ruhrpott groß gemacht und Generationen nach ihnen beeinflusst.

Gucci-Kreuz statt Gesangsunterricht

Aber inzwischen ist der Pop-Schlager leider zu einer musikalischen Monokultur geworden. Woche für Woche werden zahlreiche neue Interpreten und Titel auf den Markt geworfen und alles klingt immer irgendwie gleich. Es gibt kaum neue Impulse. „Produziert, gesehen, vergessen“ – manche Produzenten in ihren Küchen-und Kellerstudios sind für ihre musikalische Qualität so bekannt, wie eine Masthühnerfarm für ihre Tierliebe. Und die „Künstler“? Die investieren ihr hartverdientes Geld anscheinend lieber in Sonnenbänke, Permanent Make Up und der obligatorischen Gucci-Kreuzkette als in ein paar Stunden Gesangsunterricht.

Anna-Maria Zimmermann
Anna-Maria Zimmermann

An gesteigertem Narzissmus mangelt es den neuen Gesichtern jedenfalls nicht. Jeder versucht seinen neuesten „Super-Hit“ (eigene Einschätzung) und das passende Shirt dazu an begeisterungsfähige Follower zu verbimmeln. Und das mit einer Aggressivität, bei der sich jeder Staubsaugervertreter an der Haustür beschämt wegdrehen würde. Unglaublich! Die preisen ihren neuen Pop-Schlager wirklich an, wie Cathy Hummels ihre Gummi-Zehenschuhe auf Instagram.

Erfolgreiche Pop-Schlager Avengers 

Nun kann man von den erfolgreichen „Pop-Schlager Avengers“ ganz sicher nicht erwarten, dass die ihre Musik plötzlich ändern werden. Warum auch, läuft ja. Und wir sind dankbar, dass Norman Langen auf seinem neuen Album „Dieses Gefühl“ schon einige „Latino-Schlager“ platziert hat. Hoffentlich hat er damit Erfolg und erreicht neue Fans, denn dieser musikalische Mut muss einfach belohnt werden.

Fragt man mal eine der vielen neuen Sängerinnen nach ihrem musikalischen Konzept, kommt prompt die Antwort: „So was wie Helene Fischer“. Aber die gibt es doch schon, warum sollen eingefleischte Helene Fischer Fans plötzlich auf eine musikalische Kopie umschwenken? Macht was Eigenes. Wenn in der Gemüseabteilung im Supermarkt schon 100 Apfelsorten liegen, lege ich doch nicht die Sorte Nummer 101 daneben.

Im Ruhrpott steckt jede Menge Energie und Kreativität, gebt dem Schlager bitte einen neuen Sound, neue Ideen, probiert mal etwas aus. Viele regen sich  über „Schlagergroßmutter“ Carmen Nebel oder Florian Silbereisen auf, dass immer die selben Künstler in ihren Shows zu sehen sind. Aber geht doch mal durch die Straßen rund um das Centro in Oberhausen. Überall Plakate mit immer den selben Pop-Schlagerprotagonisten.

Wann nennt die GFK reale Verkaufszahlen?

Und dann sind da noch die sogenannten „Künstlermanager“. Entschuldigung, viele nennen sich ja jetzt „CEO“ von einem Ein- oder Zweimannbüro. Also die neuen Jeff Bezos des Pop-Schlagers überschlagen sich mit sinnlosen Superlativen in ihren Pressemitteilungen. „Smash-Hit“, „Superhit“ und in den Top Ten irgendwelcher offiziellen oder nicht offiziellen Charts. Wenn interessiert das wirklich? Es wird endlich Zeit, dass die GFK mal nicht nur Woche für Woche Chartpositionen veröffentlicht, sondern die realen Verkaufszahlen dahinter.

Jörg Bausch
Jörg Bausch

Und auf Facebook & Co drehen genau diese „Manager“ plötzlich durch, wie ein amoklaufender Eierkocher, führen öffentlich ausgetragene Social-Media Kriege gegeneinander, als hätte Kim Jong-un soeben zwischen der A40 und Ruhr einen Atomwaffentest gestartet. Pressemitteilungen mit dem ewigen Copy & Paste über Smash-Hits, angebliche Authentizität (aktuelles Musthave für Popschlager-Stars), Ohrwurmgarantie und Tanzflächenfüller, Leute, das ist doch Pop-Schlager Shitmarketing. Echtes Content Marketing geht anders…

Facebook & Co wird so zu einer virtuellen Hundewiese, auf der sich zwei Fan-Gruppen um die immer gleichen Positionen balgen.

Jetzt gemeinsam für die Zukunft handeln!

Liebe Künstler, Produzenten, DJ’s, Manager und Macher der Pop-Schlagerszene im Ruhrpott. Wer hat die Kraft und die Kompetenz jetzt alle an einen Tisch zu bringen und gemeinsam etwas kreatives, wegweisendes Neues für den Schlager zu entwickeln? Denn sonst droht dem beliebten Pop-Schlager und seinen Veranstaltungen auf Dauer das Aus. Denn die Konkurrenz wartet nicht. In Berlin entwickelte sich inzwischen eine ganz eigene, kreative und hungrige Schlager-Szene. Die Bundeshauptstadt ist mittlerweile auch Schlager-Hauptstadt geworden. Aber das ist eine andere Geschichte…

Starmaker
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