Eigentlich wollte Prinz Harry (41) diesen August damit verbringen, seinen Umzug nach Großbritannien vorzubereiten. Stattdessen kam am Freitag eine Nachricht aus dem Londoner High Court, die dem Herzog von Sussex und sechs prominenten Mitklägern nur noch wenige Tage Zeit lässt. Richter Matthew Nicklin hat entschieden, was der verlorene Prozess gegen den Verlag der „Daily Mail“ vorerst kostet.
Der Termin am Freitag war die Fortsetzung einer Niederlage, die im Juli begann. Damals wies der High Court die Klage von Harry, Sir Elton John (79) und fünf weiteren Prominenten gegen Associated Newspapers Limited (ANL) in allen Punkten ab. Was seither offen war: Wer zahlt die Rechnung für einen Prozess, der elf Wochen dauerte und dessen Urteil 436 Seiten füllt. Nun steht eine erste Zahl fest – und sie fällt deutlich höher aus, als es Harrys Lager lieb sein dürfte.
Sieben Tage Zeit – und eine Zahl am oberen Ende
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP müssen die sieben Kläger zunächst 9,5 Millionen Pfund an Associated Newspapers überweisen – umgerechnet rund elf Millionen Euro. Richter Nicklin setzte dafür eine kurze Frist: Das Geld soll bis zum 28. August 2026 fließen, also bis zum kommenden Freitag. Damit liegt die Summe laut AP am oberen Ende dessen, womit Beobachter gerechnet hatten.
Entscheidend ist das Wort „zunächst“: Es handelt sich um eine erste Abschlagszahlung, nicht um die Endabrechnung. Die vollständige Kostenfestsetzung steht noch aus – und die Verlagsseite hat für ihre Verteidigung nach eigenen Angaben deutlich mehr ausgegeben.
| Der Fall in Zahlen | Angabe |
|---|---|
| Urteil erster Instanz | 7. Juli 2026, High Court London |
| Vorsitzender Richter | Mr Justice Matthew Nicklin |
| Umfang der Entscheidung | 436 Seiten |
| Prozessdauer | elf Wochen, Beginn Januar 2026 |
| Zahl der Kläger | 7 |
| Beklagter Verlag | Associated Newspapers Limited |
| Vorerst fällige Summe | 9,5 Mio. Pfund (rund 11 Mio. Euro) |
| Zahlungsfrist | 28. August 2026 |
| Kosten der Verlagsseite | über 34 Mio. Pfund |
Diese sieben Prominenten stehen gemeinsam in der Pflicht
Harry hatte die Klage nicht allein geführt. Sieben Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zogen gemeinsam gegen den Verlag von „Daily Mail“, „Mail on Sunday“ und „MailOnline“ vor Gericht:
- Prinz Harry, Herzog von Sussex
- Sir Elton John
- David Furnish, Ehemann von Elton John
- Baroness Doreen Lawrence, Bürgerrechtsaktivistin
- Schauspielerin Sadie Frost
- Schauspielerin Liz Hurley
- Sir Simon Hughes, früherer Abgeordneter

Der Vorwurf: Der Verlag sei über Jahre hinweg mit unrechtmäßigen Methoden an private Informationen gelangt. Die Palette der behaupteten Praktiken reichte von abgehörten Mailboxen über Wanzen bis zum sogenannten „Blagging“, dem Erschleichen von Daten unter falscher Identität. Betroffen sein sollte nach Darstellung der Kläger ein Zeitraum von Anfang der 1990er-Jahre bis etwa 2011.
Warum die Klage scheiterte
Richter Nicklin folgte dieser Darstellung nicht. Nach Einschätzung des Gerichts fehlten für die einzelnen strittigen Artikel konkrete Beweise, dass die Informationen tatsächlich aus rechtswidrigen Quellen stammten. Ein allgemeiner Verweis auf frühere Verfehlungen der Branche genüge dafür nicht – jeder Beitrag hätte einzeln belegt werden müssen. Die Berichterstattung könne auch aus legitimen Quellen stammen.
„Verdacht – wie gut begründet er mit Blick auf die bekannte Geschichte der Branche auch sein mag – ist kein Beweis.“
Aus dem Urteil des High Court vom 7. Juli 2026
Associated Newspapers sprach nach dem Urteil von einem „überwältigenden Sieg für die Daily Mail und ihre Journalisten sowie für die Pressefreiheit“. Harry selbst wählte deutlich andere Worte: Er bezeichnete die Entscheidung als „Whitewash“, also als Vertuschung, und verwies darauf, dass andere Verlage in vergleichbaren Verfahren eingeräumt hatten, was hier bestritten wurde.
34 Millionen Pfund Kosten – die Versicherung deckt nur die Hälfte
Für die Kläger ist die Zahlung vom Freitag deshalb heikel, weil dahinter eine viel größere Summe steht. Associated Newspapers gibt die eigenen Verfahrenskosten mit über 34 Millionen Pfund an. Die Kläger sind laut AP für etwa die Hälfte der Gesamtkosten versichert – der Rest müsste später aus eigener Tasche kommen.
Wie sich die 9,5 Millionen Pfund intern auf die sieben Kläger verteilen, ist bislang nicht öffentlich. Harry gilt als der prominenteste, aber nicht zwangsläufig als der am stärksten belastete Beteiligte. Bereits Ende Juli, bei der zweitägigen Kostenanhörung, hatte der Anwalt der Kläger, Nicolas Bacon, argumentiert, seine Mandanten hätten „ehrlich und im besten Gewissen“ gehandelt und sollten nicht für „erstaunlich hohe Anwaltskosten“ der Gegenseite aufkommen. Die Verlagsseite hielt dem entgegen, es habe sich um eine Kampagne und nicht um einen normalen Rechtsstreit gehandelt. Mehr dazu in unserem Bericht Prinz Harry: Nach Klage-Niederlage droht ihm dicke Rechnung.
Harrys Bilanz im Kampf gegen die Boulevardpresse
Der Prozess gegen Associated Newspapers war nicht Harrys erster Vorstoß gegen die britische Presse – aber der erste, der klar gegen ihn ausging.
| Verfahren | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|
| Telefon-Hacking | Mirror Group Newspapers | 2023 gewonnen, Schadenersatz zugesprochen |
| Unrechtmäßige Recherche | News Group Newspapers („The Sun“) | 2025 außergerichtliche Einigung mit Entschuldigung |
| Unrechtmäßige Informationsbeschaffung | Associated Newspapers | Juli 2026 verloren, Kostenlast folgt |
Brisantes Timing kurz vor dem Umzug
Die Frist trifft Harry in einer Phase, in der ohnehin viel in Bewegung ist. Nach Berichten britischer und US-amerikanischer Medien planen er und Herzogin Meghan (45) mit den Kindern Archie (7) und Lilibet (5) die Rückkehr nach Großbritannien – der Schulstart im September gilt als Stichtag. Offiziell bestätigt ist der Schritt nicht. Wie sich beides zeitlich überlagert, haben wir hier beschrieben: Prinz Harry und Meghan: Ende des Monats wird es ernst.

Wie es weitergeht
Offen ist, ob Harry und seine Mitkläger in Berufung gehen. Ein entsprechender Antrag ist bislang nicht bekannt geworden, ausgeschlossen hat ihn keiner der Beteiligten. Klar ist dagegen der nächste Termin im Kalender: Bis zum 28. August müssen 9,5 Millionen Pfund beim Verlag eingegangen sein. Die endgültige Abrechnung – und damit die Frage, wie teuer der Kampf gegen die „Daily Mail“ für Harry am Ende wirklich wird – steht danach noch aus.
Weitere Rückschläge des Herzogs in diesem Sommer haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst: Prinz Harry: Doppelter Rückschlag sorgt für Wirbel.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI