Thorsten Legat gilt seit Jahrzehnten als der Mann, der im deutschen Fernsehen kein Blatt vor den Mund nimmt. Doch was der 57-Jährige jetzt über die Politik in seiner alten Heimat gesagt hat, geht weit über die gewohnten Legat-Sprüche hinaus – und gipfelt in einem Satz, der selbst treue Fans stutzen lässt.
Der frühere Bundesliga-Profi hat der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ ein Interview gegeben, das die Redaktion am 21. August 2026 veröffentlicht hat. Darin spricht Legat über den deutschen Fußball, über sein Verhältnis zum Reality-TV – und vor allem über Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU). Der Ton ist dabei ungewöhnlich scharf, auch für einen Mann, dessen Zitate seit dem Dschungelcamp 2016 als Internet-Folklore gelten.
„Der Bundeskanzler versteht es nicht, dieses Land zu regieren“
Legat macht in dem Gespräch keinen Umweg. „Ich will keine Namen nennen, aber der Bundeskanzler versteht es nicht, dieses Land zu regieren“, sagt er laut der „Bild“-Zeitung, die das Interview aufgegriffen hat. Sein Vorwurf: Merz habe zu Beginn seiner Amtszeit viel angekündigt und wenig geliefert. „Am ersten Tag hat er davon gesprochen, was er alles verändern will, und es passiert nichts.“
Noch deutlicher wird Legat bei der Frage, wie der Kanzler in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. „Er ist die Marionette Deutschlands! Keiner nimmt ihn mehr ernst“, wird er von der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zitiert.
Debatte um Arbeitsmoral: „Das ist Wahnsinn“
Besonders sauer stößt Legat die Diskussion über die Arbeitsmoral der Deutschen auf. „Er stellt sich hin und sagt, dass die Deutschen mehr arbeiten müssten, das ist Wahnsinn“, sagt er der NOZ. In der „Bild“-Fassung des Interviews wird er noch konkreter und verweist auf Menschen, die mehrere Jobs parallel stemmen.
„Wenn ein Kanzler sagt, dass wir faul seien. Das ist völlig an der Realität vorbei. Oder wenn er öffentlich sagt, dass seine Kinder durch Investments abgesichert sind. Ich kenne Menschen mit Kindern, die drei Arbeitsstellen haben, um sich finanziell irgendwie über Wasser zu halten.“
Thorsten Legat über Bundeskanzler Friedrich Merz, „Neue Osnabrücker Zeitung“ / „Bild“
Auch die Steuerlast in Deutschland hält der Ex-Profi für zu hoch. Merz selbst, so Legats Vorwurf laut „Bild“, ruhe sich auf seinen „Millionen“ aus. Für Legat ist das ein zentraler Grund für die Unzufriedenheit vieler Bürger – und er formuliert eine simple Forderung: „Vielleicht sollte sich die Regierung mal fragen, was wir Bürger empfinden.“
Die Kritikpunkte, die Legat in dem Interview aufzählt, lassen sich auf vier Punkte herunterbrechen:
- zu viele Ankündigungen, zu wenig sichtbare Umsetzung
- die Debatte über die angebliche Faulheit der Deutschen
- eine aus seiner Sicht zu hohe Steuerlast
- fehlendes Gespür der Regierung für die Stimmung im Land
Sorge vor der AfD: „Da bekomme ich Angst“
Bei einem Thema wird aus Legats Wut allerdings offene Sorge. Auf die politische Entwicklung in Deutschland blickt er mit unmissverständlichen Worten: „Eigentlich interessiert es mich nicht mehr, aber wenn die AfD an die Macht kommt, will ich nicht wissen, was dann passiert. Da bekomme ich Angst.“
Legat lebt inzwischen auf Mallorca, wo er laut „Bild“ am Fußball-Projekt „FC Germania Mallorca“ arbeitet. Ganz loslassen kann er Deutschland offenbar trotzdem nicht – auch nicht beim Fußball. Der deutschen Mannschaft fehlen ihm die Tugenden früherer Generationen: „Wir Deutschen sind nicht mehr mit deutschen Tugenden unterwegs. Vielleicht sind wir auch alle zu weich geworden.“
Vom Meisterkader zum Reality-Gesicht
Dass Legats Sätze überhaupt so viel Aufmerksamkeit bekommen, hat mit einer Doppelkarriere zu tun: erst 15 Jahre Profifußball, dann rund ein Jahrzehnt Reality-TV.
| Stationen | Eckdaten |
|---|---|
| Geboren | 7. November 1968 in Bochum |
| Vereine (Auswahl) | VfL Bochum, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart, FC Schalke 04 |
| Bundesliga-Bilanz | 243 Spiele, 15 Tore |
| Größte Titel | Deutscher Meister 1993 und Europapokal der Pokalsieger 1992 mit Werder Bremen |
| TV-Durchbruch | „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ 2016 (Platz 3) |
| Weitere Formate | „Das Sommerhaus der Stars“, „Ninja Warrior Germany“, „Villa der Versuchung“ |
| Heute | lebt auf Mallorca, Fußball-Projekt „FC Germania Mallorca“ |
Und beim Reality-TV zieht er jetzt den Schlussstrich

Im selben Interview kündigt Legat sein Aus im Reality-Fernsehen an – und begründet es mit dem Format, das ihn zuletzt beschäftigt hat. „In diesem Experiment haben die Zuschauer mich ein Stück weit anders erlebt; gegen die anderen Kandidaten, die nur auf Show machen, komme ich da aber nicht an. Ich bin real und mache so etwas nicht“, sagt er über die Sat.1-Show „Villa der Versuchung“. Und dann der Punkt: „Das war das letzte Format dieser Art. Damit ist Schluss.“
Der 57-Jährige spricht von „verdammt viel“ Manipulation in den Produktionen und kritisiert, dass Shows zunehmend mit Tiktokern für niedrige Gagen besetzt würden – für ihn ist das „billig“. Dass finanzielle Gründe hinter seinen TV-Auftritten stünden, weist er zurück: „Das ist Quatsch! Finanziell bin ich seit meinem 28. Lebensjahr abgesichert.“ Und zur Frage, wie ihn andere sehen, sagt er nur: „Was andere über mich denken, ist mir völlig egal.“ Ein Satz, der auch zu seiner Rolle in Formaten wie dem „Sommerhaus der Stars“ passt.
Der Satz, der bleibt
Am Ende ist es aber nicht die Reality-Absage, die aus diesem Interview hängen bleibt, sondern ein einziger, sehr persönlicher Halbsatz. Als Legat auf die Amtsführung des Kanzlers zu sprechen kommt, wird er emotional – und formuliert eine Bilanz, die deutlich über Politikverdruss hinausgeht.
„Da schäme ich mich, Deutscher zu sein.“
Thorsten Legat in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, 21.08.2026
Ein Mann, der jahrelang für Kampfgeist und Bodenständigkeit stand, sagt öffentlich, dass er sich für sein Land schämt. Genau dieser Widerspruch dürfte dafür sorgen, dass über Legats Interview länger diskutiert wird als über die meisten Promi-Aussagen zur Politik.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI