Norwegen hat sich am Mittwoch von König Harald V. verabschiedet. Zehntausende standen an den Straßen Oslos, im Dom saßen rund 1.000 Trauergäste. Doch ein Teil der Aufmerksamkeit richtete sich auf einen Mann, der offiziell keine Rolle im Königshaus hat: Marius Borg Høiby, den Sohn von Königin Mette-Marit. Ein Foto aus dem königlichen Wagen und sein Sitzplatz in der Domkirche haben eine Debatte ausgelöst, die bis in die Frage reicht, wie weit Familienloyalität in einem Staatsakt gehen darf.
Der Abschied von König Harald V. in Oslo
König Harald V. war am Freitag, dem 28. August 2026, im Alter von 89 Jahren gestorben – nach mehr als 35 Jahren auf dem Thron. Das Staatsbegräbnis fand am Mittwoch, dem 9. September 2026, statt. Um 12 Uhr setzte sich der Trauerzug am Königlichen Palast in Bewegung, auf einer Lafette wurde der Sarg über die etwa 1,2 Kilometer lange Prachtstraße Karl Johans gate zum Osloer Dom gebracht, wo die Trauerfeier um 13 Uhr begann.
Nach Schätzung der Polizei säumten mehr als 50.000 Menschen die Strecke. In den Tagen davor hatten sich nach Angaben des Königshauses rund 46.000 Menschen am Sarg verabschiedet. Über 6.500 Polizisten und Soldaten waren im Einsatz, unterstützt von Kräften aus Schweden und Dänemark – einer der größten Einsätze der norwegischen Polizeigeschichte. Unter den Gästen waren Prinz William und Prinzessin Anne, König Frederik X., König Carl Gustaf und Königin Silvia, König Willem-Alexander mit Prinzessin Amalia, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Königin Margrethe fehlte krankheitsbedingt. Nach der Feier wurde Harald in der Schlosskirche der Festung Akershus im königlichen Mausoleum beigesetzt.
Der Palast zieht zwei Tage vorher eine Grenze
Zwei Tage vor der Beisetzung teilte der Palast mit, wer direkt hinter dem Sarg gehen würde: König Haakon VIII., Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, Königin Sonja, Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise. Marius Borg Høiby war in dieser Aufzählung nicht enthalten. Zu Fuß hinter dem Sarg gingen schließlich Haakon, Ingrid Alexandra, Sverre Magnus und Märtha Louise; Königin Sonja und Königin Mette-Marit folgten im Wagen.
Das war eine Korrektur. Am Montag, dem 31. August, hatte der 29-Jährige den Sarg des Königs mitgetragen, als dieser innerhalb des Schlosses in die Schlosskapelle überführt wurde – gemeinsam mit Prinzessin Maud am Ende der Trägergruppe. Diese Rolle hatte bereits deutliche Kritik ausgelöst, unter anderem von der Königshausexpertin Trine Villemann im dänischen „Ekstra Bladet“ und von den Royal-Experten Wim Dehandschutter und Niels Pinborg in „Se og Hør“.
Am Morgen der Beisetzung verließ Marius laut Medienberichten gegen 10.15 Uhr das Anwesen Skaugum, in einer Limousine innerhalb eines achtteiligen Konvois. An der Domkirche kam er zu Fuß an – in Begleitung der Töchter von Prinzessin Märtha Louise, nicht als Teil des offiziellen Trauerzuges.

„Form der Respektlosigkeit“: Die Kritik von Stefan Blatt
BUNTE-Royal-Experte Stefan Blatt bewertete den Auftritt am Tag der Beisetzung deutlich. Er sprach von einer möglichen „Form der Respektlosigkeit“ und nannte vor allem zwei Punkte: ein Foto, das Marius mit Kopfhörern im königlichen Wagen zeigt, und dessen Sitzplatz in der Kirche.
„Man wusste, dass vor dem Schloss Fotografen sind, die nur darauf warten, in das Auto zu fotografieren. Dass er überhaupt in diesem Auto saß, würde ich schon als Skandal bezeichnen.“
Stefan Blatt, BUNTE-Royal-Experte, am 09.09.2026
Blatt argumentierte, die Trauer um den König sei überwältigend gewesen – und Marius‘ Präsenz lenke davon ab. Er verglich es mit einem Hochzeitsgast, der plötzlich in Weiß erscheint. Die Verantwortung sieht er nicht beim 29-Jährigen selbst, sondern beim neuen König: Haakon habe familiäre Interessen über royale gestellt.
Tatsächlich saß Marius nach Angaben mehrerer Medien direkt hinter seinem Halbbruder Sverre Magnus, in derselben Reihe wie Prinzessin Märtha Louise, ihr Mann Durek Verrett und deren drei Töchter. Auf der Kranzschleife der engsten Familie stand nach Berichten schlicht „Takk“ – „Danke“ –, unterzeichnet mit Haakon, Mette, Ingrid, Magnus und Marius.
Warum Marius Borg Høiby überhaupt teilnehmen durfte
Der rechtliche Hintergrund erklärt, warum seine Anwesenheit überhaupt möglich war. Marius Borg Høiby wurde am 15. Juni 2026 vom Osloer Bezirksgericht zu vier Jahren Haft verurteilt – schuldig gesprochen in 34 von 40 Anklagepunkten, darunter zwei Vergewaltigungen, Körperverletzung, Verstöße gegen ein Kontaktverbot und Drogentransport. In zwei Vergewaltigungsvorwürfen wurde er freigesprochen. Er legte unmittelbar Berufung ein; das Urteil ist damit nicht rechtskräftig, es gilt weiter die Unschuldsvermutung. Seit Juli befindet er sich in Untersuchungshaft mit elektronischer Fußfessel auf dem Gut Skaugum.

Dass er das Anwesen für die Trauerfeierlichkeiten verlassen durfte, war keine royale Sonderbehandlung. Das ordnet die Juristin Birgitte L. Storvik, Dozentin an der norwegischen Hochschule für Justizvollzug, so ein:
„Die Polizei entscheidet, wann Personen, die sich mit elektronischer Kontrolle in Untersuchungshaft befinden, ihre Wohnung verlassen dürfen.“
Birgitte L. Storvik, Juristin und Dozentin
Es sei nicht ungewöhnlich, dass Häftlinge bei einem Todesfall in der nahen Familie an einer Beerdigung oder Trauerfeier teilnehmen könnten, so Storvik. Polizeianwältin Oda Karterud bestätigte, dass die Staatsanwaltschaft Anlass sah, den Anträgen auf Ausgang im Zusammenhang mit dem Todesfall zuzustimmen.
Die entscheidenden Punkte im Überblick:
- Marius Borg Høiby ist der Sohn von Königin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung und hat keine offizielle Funktion im norwegischen Königshaus.
- König Haakon VIII. hat ihn aufgezogen und in seiner ersten Ansprache als neuer König den Zusammenhalt der Familie betont.
- Am 31. August trug er den Sarg innerhalb des Schlosses mit, am 9. September war er Gast der Trauerfeier – nicht Teil des öffentlichen Trauerzuges.
- Sein Urteil ist nicht rechtskräftig; die Berufung ist noch nicht verhandelt.
Chronologie: von Haralds Tod bis zur Beisetzung
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 15.06.2026 | Urteil gegen Marius Borg Høiby: vier Jahre Haft, Berufung eingelegt |
| Juli 2026 | Untersuchungshaft mit elektronischer Fußfessel auf Gut Skaugum |
| 28.08.2026 | König Harald V. stirbt im Alter von 89 Jahren |
| 31.08.2026 | Marius trägt den Sarg in die Schlosskapelle – erste Kritikwelle |
| 07.09.2026 | Palast nennt die Personen, die hinter dem Sarg gehen – ohne Marius |
| 09.09.2026 | Staatsbegräbnis im Osloer Dom, Beisetzung auf der Festung Akershus |
Was von dem Tag bleibt
Im Dom kämpften mehrere Mitglieder der Königsfamilie mit den Tränen, besonders während der Rede von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, der Königin Sonja direkt ansprach. Landesweit hielten die Norweger eine Schweigeminute, eingeleitet vom Läuten der Kirchenglocken. Der Abschied selbst war, das zeigen die Bilder aus Oslo, vor allem eines: ein nationaler Trauertag mit enormer Beteiligung.
Und die Auflösung der Debatte fällt nüchterner aus, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Der Palast hat die Rolle von Marius Borg Høiby zwischen dem 31. August und dem 9. September sichtbar zurückgestuft: vom Sargträger zum Gast ohne Platz im Trauerzug. Kritik gab es trotzdem – aber sie richtete sich in der Sache weniger gegen seine Anwesenheit als gegen deren Sichtbarkeit. Wie belastbar das Verhältnis der Norweger zu ihrem Königshaus ist, zeigt eine Umfrage von Norstat für den Sender NRK: Die Unterstützung für die Monarchie lag bei 72 Prozent – acht Punkte höher als im Mai 2026. Der Thronwechsel hat das Königshaus in dieser Woche also nicht geschwächt. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt später, wenn das Berufungsverfahren gegen den Sohn der Königin beginnt.
Mehr zum norwegischen Königshaus: König Harald ist tot: Ein Datum macht es besonders bitter, Mette-Marit: Neue Sorge um Marius unter der Fußfessel und Mette-Marit: Ihre Silberhochzeit verläuft völlig anders.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI