Nach dem Finale von „Immer wieder sonntags“ ist bei Stefan Mross der Kragen geplatzt: Beim offiziellen Abschiedsempfang des SWR rechnete der Moderator vor versammelter Senderspitze ab und verließ den Raum vorzeitig. Jetzt hat sich der Verantwortliche selbst dazu geäußert – mit einem bemerkenswerten Eingeständnis.
Am Sonntag, dem 6. September 2026, lief um 10:03 Uhr im Ersten die letzte Ausgabe von „Immer wieder sonntags“. Nach 31 Jahren nimmt der SWR die Sonntagvormittag-Institution aus dem Programm, Stefan Mross hatte sie seit 2005 moderiert. Was danach im Europa-Park in Rust passierte, überschattet den Abschied bis heute.
Der Empfang im Hotel „Santa Isabel“
Im Anschluss an die Sendung lud der SWR zum Sektempfang ins Europa-Park-Hotel „Santa Isabel“. Anwesend waren unter anderem SWR-Intendant Kai Gniffke, Programmdirektor Clemens Bratzler sowie das Team der Sendung. Wie die Bild-Zeitung zuerst berichtete, blieb Mross keine Stunde – und nutzte die Zeit für eine Abrechnung.
Zunächst richtete sich der 50-Jährige an den Intendanten. Dessen Ansprache habe auf ihn gewirkt „wie eine Bestattungsrede“, zitiert ihn unter anderem der Schweizer Blick. Und weiter: „Bei jedem Negativen haben Sie geklatscht, ich weiß nicht warum.“
Mross betonte, er habe sich nie öffentlich gegen den Sender gestellt: „Ich habe immer zu euch gehalten.“ Das Bild, das er wählte, war das einer Ehe – irgendwann trenne man sich eben, „wie man sich trennt, ist eine andere Sache“.
„Eine kleine Rache-Aktion von dir“
Deutlich schärfer wurde es, als Mross sich Programmdirektor Clemens Bratzler zuwandte – jenem Mann, der die Absetzung zu verantworten hat und beim SWR auch für den Eurovision Song Contest zuständig ist.
„Clemens, ich glaube, du hattest mal eine sehr unerfolgreiche Fernsehshow. Für mich kam es so rüber, als wäre das mit mir eine kleine Rache-Aktion von dir.“
Stefan Mross beim SWR-Empfang, zitiert nach „Bild“ und „Blick“
Dazu kam der Vorwurf, öffentlich als der Gefeuerte dagestanden zu haben: „Ich wurde auch vorgeführt! Es hieß überall, du hast mich rausgeschmissen. Ja, es war so!“
Warum er überhaupt erschienen war, erklärte Mross selbst: „Ich wollte heute eigentlich gar nicht auf diesen Empfang kommen. Aber ich bin es meinem Team schuldig, das seit fast 22 Jahren hier Hand in Hand mit mir gearbeitet hat.“ Nach einem Dank an eben dieses Team folgte der Satz, mit dem er ging: „Ich werde jetzt diesen Raum verlassen, weil es hier drinnen zu viel negative Energie ist.“ Er kam nicht zurück.
Später erklärte Mross gegenüber Medien, die Rede sei kein spontaner Ausrutscher gewesen: „Mein Team und ich sind alle traurig und die feiern? Da ist mir der Kragen geplatzt.“

Der SWR antwortet: „Das hat eine Brutalität“
Der Sender reagierte zunächst zurückhaltend. SWR-Sprecher Jürgen Ruf verwies gegenüber Medien auf ein „respektvolles Miteinander“, wollte einzelne Aussagen von der internen Veranstaltung aber nicht kommentieren.
Inzwischen hat sich Clemens Bratzler selbst geäußert – in einem Interview mit RadioBWSchlager1, aus dem t-online zitiert. Der Programmdirektor weicht dem Vorwurf nicht aus, sondern räumt ein, wie hart die Entscheidung für Mross gewesen sein muss:
„Das hat eine Brutalität für jemanden, der so für dieses Format gelebt hat.“
Clemens Bratzler, SWR-Programmdirektor, im Interview mit RadioBWSchlager1
Er wisse, „dass das für ihn total hart war, auch ihm das zu sagen“. Gleichzeitig stellt Bratzler klar, dass es keine Einzelentscheidung war: Sie sei eine gewesen, „an der viele im SWR und in der ARD beteiligt waren“. Als Gründe nennt der Sender seit Monaten den Rückgang des linearen Fernsehens und den Spardruck in der ARD.
Die zentralen Punkte seiner Antwort im Überblick:
- Die Absetzung sei die schwierigste Entscheidung seit seinem Amtsantritt als Direktor gewesen.
- Verantwortlich sei nicht er allein, sondern ein breiter Kreis in SWR und ARD.
- Persönlich trage er die Entscheidung mit, empfinde sie aber selbst als hart.
- Er wünsche Mross „wirklich alles, alles Gute“ – „auch wenn diese Bühne jetzt erstmal für ihn nicht mehr zur Verfügung steht“.
Bemerkenswert ist der letzte Halbsatz: Bratzler sagt damit, dass Mross beim SWR vorerst keine neue Bühne bekommt. Dass der Moderator ihm die Rede nachträgt, glaubt er nicht: „Ich hab den Eindruck, er kann das schon trennen.“
Rekordquote zum Abschied
Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Abschiedssendung wurde zur erfolgreichsten seit Jahren. 1,59 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalteten ein – der beste Marktanteil der Sendung seit 2013.
| Kennzahl | Finale am 06.09.2026 |
|---|---|
| Zuschauer (gesamt) | 1,59 Millionen |
| Marktanteil gesamt | 22,0 Prozent (bester Wert seit 2013) |
| Marktanteil 14–49 Jahre | 9,0 Prozent |
| Sendeplatz | Sonntag, 10:03–12:00 Uhr, Das Erste |
| Laufzeit der Show | 31 Jahre |
| Moderation Stefan Mross | seit 2005 |

Wie es für Stefan Mross weitergeht
In der Sendung selbst war von Groll nichts zu spüren. Nach seinem letzten Auftritt sagte Mross mit Tränen in den Augen zu seiner Partnerin Eva Luginger nur noch: „Mir fällt nichts mehr ein.“
Auch auf Instagram wählte er versöhnliche Worte: „22 Jahre voller Begegnungen, Erlebnisse, Erfolge, Herausforderungen und gemeinsamer Erinnerungen. Heute Abschied zu nehmen, fällt mir nicht leicht.“ Wenn er zurückblicke, denke er „nicht an Zahlen oder Ergebnisse, sondern an Menschen, gemeinsame Momente, Lachen, Stolz und gegenseitige Unterstützung“.
Damit steht am Ende ein Abschied in zwei Tonlagen – und eine offene Frage. Denn während die Fans in den Kommentaren die ARD kritisieren und Mross seine Bühnentermine weiterspielt, hat der SWR mit Bratzlers Satz von der Bühne, die „erstmal“ nicht mehr zur Verfügung steht, faktisch bestätigt: Ein neues Format beim Sender ist für Stefan Mross vorerst nicht in Sicht. Sein nächster großer Auftritt wird also woanders stattfinden müssen.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI