Seit dem 17. August wird König Harald V. von Norwegen im Osloer Rikshospitalet behandelt. Tagelang klangen die Mitteilungen aus dem Palast verhalten zuversichtlich. Am Donnerstag hat sich der Ton spürbar geändert.
Der norwegische Königshof informiert seit Mitte August in kurzen Abständen über den Gesundheitszustand seines Monarchen. Harald V. ist 89 Jahre alt und damit der älteste amtierende Monarch Europas. Am 17. August wurde er nach einer Untersuchung stationär aufgenommen – zunächst wegen Flüssigkeitseinlagerungen im Körper.
Erst die Blutkrankheit, dann die Infektion
Vorausgegangen war eine wochenlange Behandlung mit Kortison. Der König leidet an einer hämolytischen Anämie, einer Blutkrankheit, bei der rote Blutkörperchen schneller abgebaut werden, als der Körper sie nachbilden kann. Die Kortisontherapie führte zu Wassereinlagerungen – und schwächte nach Einschätzung norwegischer Mediziner zugleich die Abwehrkräfte.
Am 25. August teilte der Palast mit, dass Bakterien im Blut des Königs nachgewiesen worden seien. Seither wird Harald mit Antibiotika behandelt. In den Mitteilungen der vergangenen Woche hieß es noch, er spreche auf die Behandlung an.
| Datum | Mitteilung aus dem Palast |
|---|---|
| 17.08.2026 | Aufnahme ins Rikshospitalet in Oslo nach einer Untersuchung |
| 23.08.2026 | Zustand verschlechtert, Kronprinz Haakon übernimmt die Regentschaft |
| 25.08.2026 | Bakterien im Blut nachgewiesen, Behandlung mit Antibiotika |
| 27.08.2026 | Erneutes Update aus dem Palast, Termine von Königin Sonja und Kronprinz Haakon abgesagt |
Wie norwegische Ärzte die Lage einordnen
In Norwegen haben sich mehrere Fachärzte zu Wort gemeldet, die nicht an der Behandlung beteiligt sind. Geir Erland Tjønnfjord, früherer Leiter der Abteilung für Blutkrankheiten, stufte Haralds Situation bereits am 25. August als „potenziell lebensbedrohlich“ ein. Er vermutet einen Zusammenhang zwischen der Kortisontherapie gegen die hämolytische Anämie und der bakteriellen Infektion.
„Eine bakterielle Blutvergiftung kann ein ernster Zustand sein.“
Leiv Otto Watne, Professor für Geriatrie, in norwegischen Medien
Håkon Ihle Hansen, Oberarzt und Vorsitzender der Norwegischen Gesellschaft für Geriatrie, verwies auf die Vorbelastung des Patienten: „Wenn man etwas geschwächt ist, ist man anfälliger für Krankheiten.“
Kronprinz Haakon führt die Amtsgeschäfte
Seit dem 23. August ist Kronprinz Haakon (53) offiziell Regent und nimmt die Aufgaben seines Vaters wahr – eine Rolle, die er in den vergangenen Jahren bereits mehrfach übernehmen musste. Erst im Sommer hatte er aus familiären Gründen seinen Urlaub abgebrochen.

Am Donnerstag sagten sowohl Haakon als auch Königin Sonja sämtliche Termine ab. Die Familie hält sich nach Angaben des Hofes am Krankenbett auf.
Ein Königshaus im gesundheitlichen Ausnahmezustand
Die Nachrichten aus Oslo treffen ein Königshaus, das seit Monaten von Krankheiten geprägt ist:
- Königin Sonja (89) wurde Ende Mai 2026 stationär aufgenommen. Der Palast teilte damals mit, sie leide an Vorhofflimmern und einer Herzinsuffizienz. Bereits 2025 war ihr ein Herzschrittmacher eingesetzt worden.
- Kronprinzessin Mette-Marit (53) erhielt am 17. Juni 2026 im selben Osloer Krankenhaus eine Spenderlunge. Sie leidet seit Jahren an einer chronischen Lungenfibrose. Kurz darauf gab es Entwarnung aus dem Palast; Ende August feierte das Kronprinzenpaar Silberhochzeit – im Schatten der Klinikaufenthalte.
- König Harald selbst bekam 2024 nach einer Infektion im Malaysia-Urlaub einen Herzschrittmacher. Im Februar 2026 wurde er auf Teneriffa wegen einer Infektion und Dehydrierung behandelt. Bei öffentlichen Terminen nutzt er seit Längerem Krücken.

Das steht jetzt in der Mitteilung des Palasts
Am Donnerstag veröffentlichte der Königshof ein neues Update. Der entscheidende Satz ist kurz:
„Der Gesundheitszustand Seiner Majestät des Königs hat sich verschlechtert.“
Mitteilung des norwegischen Königshauses, 27. August 2026
Ergänzend beschreibt der Hof die Lage des Monarchen als „sehr ernst“. Das ist die deutlichste Formulierung, die der Palast seit Beginn des Klinikaufenthalts gewählt hat – und sie fällt aus dem Rahmen der eher zurückhaltenden Kommunikation, die das norwegische Königshaus in Gesundheitsfragen sonst pflegt. Eine Prognose gab der Hof nicht ab.
Harald V. steht seit dem 17. Januar 1991 an der Spitze des Landes. Trotz aller gesundheitlichen Rückschläge hat er wiederholt betont, sein Amt auf Lebenszeit ausüben und nicht abdanken zu wollen.
Quellen: Mitteilungen des norwegischen Königshauses (kongehuset.no), NRK, dpa, t-online.