Auch ein alter Hase kämpft mit Lampenfieber

Live in München

Wie ist Matthias Reim? SchlagerPlanet findet: Er ist eine coole Socke. Und trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Profi-Musiker ist der 55-Jährige vor einem Konzert immer noch nervös, von Lampenfieber geplagt und tigert auf und ab.

matthias reim interview
Matthias Reim wenige Minuten vor seinem Konzert im Circus Krone in München mit SchlagerPlanet-Redakteurin Jennifer Withelm.

20:04 Uhr. Er lässt seine Fans nicht warten. Ein bisschen fühlt man sich gestern Abend, 2.5.2013, inmitten des Rondells des Circus Krone in München wie auf dem Landeplatz eines UFOs. Lilafarbenes Licht umspielt den ausverkauften Raum. Während sechs Bandmitglieder und drei Background-Sängerinnen die Bühne betreten erklingt aus dem Hintergrund seine Stimme, die Hälse recken sich und suchen ihn: Matthias Reim. Zu den Klängen von „Unendlich“ wird der Raum eingestimmt. Und plötzlich geht wie in einem Star Trek-Film die Schiebetür auf. Von gleißendem Licht umspielt steht er da, genießt das Jubeln seiner Fans und schon geht es los. In grauer Jacke, weißem T-Shirt mit Glitzer-Kreuz und Bluejeans stürmt er die wenigen Stufen vor der Schiebetür hinab und auf das Publikum zu.

Mit dem Titel „Einsamer Stern“ gibt Matthias Reim den Takt vor. Mitsing-Garantie beim Refrain, laute Gitarrenriffs und die intime Atmosphäre des Circus Krone – der Funke springt sofort bei dem auffallend gemischten Publikum über. Zwischen 20 und 60 Jahre alt sind die Konzertgänger, der Anteil „Alt zu Jung“ liegt bei 50:50. Matzes Texte können sie alle, schon nach den ersten Versen steht und tanzt ein Großteil der Besucher auf den Rängen.

Wie in einem Kessel brodelt es schon zu Beginn des Konzerts in der Halle. Seine Jacke fällt und ein superschlanker Matthias Reim düst im T-Shirt über die Bühne, auf der Shirt-Rückseite ist zu lesen: Choose your Religion. Er flirtet bei den Klängen von „Verdammt für alle Zeit“ mit den Fans, ruft „München!!!“ – und schon gehen alle Hände in die Luft. Die Stadt hat sich offensichtlich auf das Konzert gefreut und grölt bei „Ich hab mich so auf Dich gefreut!“ aus Leibeskräften mit.

Nach der rockigen Nummer – inklusive extra-lautem Solo vom Gitarrist – ist es Zeit, die Stadt erst einmal gebührend zu begrüßen:

„Hallo, mein München“, schnurrt Matthias Reim ins Mikrofon. „Der Circus Krone in München ist schon der Hammer. Wer war schon einmal da? Und wer ist neu?“ Die geschrienen Antworten fallen halbe-halbe aus. „Für die Neuen hab ich jetzt was...“ Matze kramt seine schwarze Gitarre raus und murmelt vertraulich: „Die sollen ja auch wiederkommen...“ Und das werden die Neuen bestimmt: Matthias Reim singt solo „Hallo, ich möcht' gern wissen, wie's dir geht“. Die Band steigt peu à peu ein und Gänsehaut erfasst den Zuhörer.

Das Konzert ist zweigeteilt: In der ersten Hälfte gibt es abwechselnd „Feuer und dann wieder leise Töne, um Geschichten anzuhören“, so Matthias Reim zuvor backstage im SchlagerPlanet-Interview. „In der zweiten Hälfte wird hauptsächlich Party gemacht.“ Matze arbeitet zwar gern im Studio, aber „Konzerte machen mir am meisten Spaß, ich gehe gerne raus.“ Seine aktuelle Show macht ihm richtig Spaß: „Ich finde schon unsere Eröffnung so geil und dann das große Ende mit ‚Verdammt ich lieb dich’... Ich will mit nichts auf der Welt tauschen. So wie die Konzerte gerade laufen erst recht nicht.“

Dass er nicht völlig fit war, konnte man dem Sänger in München nicht anmerken: „Momentan kämpfe ich mit den Resten einer Erkältung. Ich bin zum Arzt gekrochen und hab gesagt: Rette mich. Ich hab Spritzen gekriegt, aber Chemie werfe ich mir nicht gerne ein. Dann hab ich angefangen, alles in mich reinzuschaufeln, was Grün war, also Kiwi, und dann hab ich mal an einem Off-Tag 17 Stunden durchgeschlafen... dann ging’s wieder.“

Wer schon immer einmal wissen wollte, was ein Matthias Reim vor und nach einem Konzert macht, erfährt es hier. Was sind seine Gedanken vor einem Konzert?

  • „Ich bin nervös, leicht fahrig, müde... so: Das schaff ich nie, ich werd nicht wach, scheiß Beruf, warum hab ich nichts Anständiges gelernt? Freude ist natürlich auch dabei, aber jedes Mal dasselbe Theater. In der Minute bevor ich rausgehe, bin ich ruhig. Aber die halbe Stunde vorher, da kannst du mich wegbringen. Das ist schon so, wenn ich aus dem Hotel rausgehe. Schon beim Duschen! Je näher der Auftritt kommt, desto mehr müssen Leute um mich herum weg.“

Umso mehr freute es die SchlagerPlanet-Redakteurinnen, dass sie so kurz vorher bleiben durften. Und was passiert nach dem Konzert?

  • „Da bringen die mir n Bier. Ich stell mich ans Fenster, rauch eine und hol tief Luft in der Garderobe. Ein paar Minuten brauche ich für mich, dann können sie eh alle kommen. Nach so einem Konzert bist du hellwach. Da brauchst du zwei bis drei Stunden, bis du wieder runterkommst, vor halb 2 brauchst du da nicht aufs Zimmer zu gehen. Wenn du Auftritte mit Herzblut machst, sind das Endorphine, das ist wie eine Droge, Adrenalin pur. Ähnlich ist nur Black Sabbath’ neue Single ‚God is dead’ – 8 Minuten lang in voller Lautstärke auf die Kopfhörer. Da bin ich total süchtig danach (lacht).“

Natürlich grüßt Matthias Reim auch Euch – seine Fans auf SchlagerPlanet!

  • „Ich freue mich, dass es SchlagerPlanet gibt und dass da was bewegt wird. Schlager ist ja eine Bewegung. Ich klicke auch manchmal unter meinem Pseudonym vorbei (grinst).“

Wer noch auf ein Matthias Reim-Konzert will, bekommt hier die Tourdaten und Tickets!

Jennifer Victoria Withelm
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