Keine Wiesn-Gaudi ohne Wiesn-Musi

Oktoberfest-Interview

Die Wiesn wäre ohne ihre Wiesn-Bands unvorstellbar. Schon 2013 haben wir mit Wolfgang Köbele von der Münchner Zwietracht gesprochen. Dieses Jahr berichtete er uns, wie ein Wiesn-Hit entsteht und, was es Interessantes zum neuen Marstall-Zelt gibt.

Oktoberfest Wiesn Münchner Zwietracht
Die „Münchner Zwietracht“ rockt jeden Tag im Marstall auf dem Oktoberfest.

Die Münchner Zwietracht ist eine sechsköpfige Band, die, wie der Name schon sagt, im Herzen von Bayern zu Hause ist. Seit 1994 spielten sie Jahr für Jahr in dem bekannten Wiesn-Festzelt Hippodrom und sorgten dort für Stimmung. Seit diesem Jahr können sie das neue Zelt Marstall ihr Wiesn-Zuhause nennen. Wolfgang Köbele, Bassist der Bad berichtet uns, was diese Umstellung bedeutete und wie ein Wiesn-Hit entsteht.

Hier erfahrt Ihr wie ein Wiesn-Hit entsteht

Hier geht es zum Interview mit Wolfgang Köbele 2013

Wolfgang Köbele muss es ja, wissen, schließlich hat seine Band auf dem Münchener Volksfest eine lange Tradition. Lest weiter und lasst Euch entführen in eine Wiesn-Geschichte der anderen Sorte.

Der Wiesn-Hit – so geht's

Die erste Frage lag natürlich auf der Hand, nachdem wir schon im vergangenen Jahr erfahren hatten, wie es sich als Mitglied einer Wiesnband so lebt. Was ist es, das Geheimnis hinter den Wiesn-Hits. Worin besteht ihr Reiz und warum ist so mancher Titel voraussagbar?

Wolfgang Köbele kennt sich aus und weiß deshalb natürlich eine klare Antwort auf diese Fragen: „Ein Wiesn-Hit ist der, der auf dem Oktoberfest oft aufgeführt wird, oder den die Leute fordern. Im Prinzip ist eigentlich der Wiesn-Hit der Titel, den die Menschen am Oktoberfest am meisten fordern, und den auch lautstark singen. Darum entsteht ein Wiesn-Hit nicht auf dem Oktoberfest, weil auf dem Oktoberfest ein neues Lied nicht etabliert werden kann, aufgrund zweierlei Dinge: Zum einen ist die Musik so leise reglementiert, dass man nichts Neues etablieren kann und die Leute im Zelt sind so laut, dass wenn man einen neuen Text singen würde, die Leute den nicht verstehen. Jetzt muss man sagen, wenn 4000 Menschen ein Lied aus voller Brust singen, klingt das wahnsinnig laut. Und das ist am Oktoberfest der Fall. Die Musik ist eigentlich sehr leise, und deswegen braucht man bekannte Lieder, oder Lieder die die Leute eben schon kennen, vor allem Text und Melodie, damit die Leute das mitsingen können. Und das ist die Sache beim Wiesn-Hit. Und der muss, wie gesagt, vor dem Oktoberfest schon so bekannt sein, und von den Menschen geliebt und angenommen werden, damit die auch Lust haben den zu singen.“

Aha, das klingt plausibel. Fraglich ist also nur noch, was dann der Wiesn-Hit 2014 werden wird. 2013 war es „Rock mi“ von voXXclub, in diesem Jahr gibt es bei der allgemeinen Öffentlichkeit ebenfalls einen klaren Favoriten, der all das mitbringt, von dem Wolfgang Köbele spricht: „Atemlos durch die Nacht“ heißt er, der Kracher von Helene Fischer! Aber ist er es wirklich? Wolfgang Köbele ist sich da nicht so sicher. „Da gibt es ein paar Aspiranten. Weit vorne ist natürlich der Titel „Atemlos“ von Helene Fischer, aber mit Einschränkung, denn dieser Titel ist ein nur von Frauen geliebter Titel. Männer werden den nicht singen.“

Ok, aber was singen denn dann die Männer in diesem Jahr? Wolfgang Köbele weiß es auch nicht so genau, hat aber eine Ahnung: „Das ist jetzt die Frage. Da gibt es zwei Varianten. Die Männer singen entweder das Lied von Bourani „Ein Hoch auf uns“, wobei der sich noch durchkämpfen muss. hat noch nicht die Power von einem „Atemlos“. Der hat zwar viele Radioeinsätze, ist auch seit der WM ganz gut im Rennen, aber die Menschen kennen den Text nicht so gut. Gut bei „Atemlos durch die Nacht“ könnten die Männer mitsingen, aber das werden sie nicht tun, weil die haben es mit diesem Frauen-Schlager nicht so am Hut. Die gehen da lieber aufs Klo.“

Ein interessanter Ansatz, den es zu überprüfen gilt. Vielleicht schaut Ihr einmal, ob wirklich alle Männer einen synchronen Harndrang verspüren, wenn Helene Fischer angestimmt wird. Aber err öbele hat noch einen weiteren Verdacht: „Mein Geheimfavorit,das ist zwar kein Lied aber ein Shouting das man wunderbar auf 1 Minute ausdehnen kann, das ist dieser Goucho-Song, den man während der Fußball Weltmeisterschaft in berlin aufgeführt hat. Er polarisiert zwar, aber die Menschen lieben ihn, man spielt ihn schon seit dem Zeitpunkt quasi auf verschiedensten Konzerten und das lieben irgendwie alle. Und, was noch dazu kommt, ein Wiesn-Hit wird oft deshalb zum Wiesn-Hit weil man noch etwas dazu machen kann. Zum Beispiel bei „Maccarena“ damals, da konnte zwar keiner mitsingen aber da gab es die kleine Choreographie dabei, und da haben sich alle auf die Bänke gestellt und haben da mitgemacht. Und das können viele heute noch, Und das ist bei dem Gaucho-Song ähnlich. Der ist einfach ein Riesenspaß, und deswegen meine ich, dass der Song eben auch bei den Frauen weit vorne ist.“

Austesten wir die Münchner Zwietracht ihre Kandidaten in diesem Jahr nicht mehr im Hippodrom, wie all die Jahre zuvor. Ihr Zuhause ist seit diesem Jahr das neue Zelt, der Marstall. Der Bassist der Band ist sich sicher, dass die Münchner mit solch einer Veränderung sehr gut umgehen können: „Mit Sicherheit. Allein schon aus Neugierde. Die Neugierde wird sie dahin treiben, weil wann gibt es auf dem Oktoberfest schon etwas ganz neues? Das steht dann ja sogar in der Zeitung und dann rennen alle natürlich sofort hin. Und dieses Mal ist es ja ein ganz neues Bierzelt! Wir hatten vorher einen großen Lokaltermin mit Besprechung dort. Es ist ein wunderschönes, sehr exklusives Restaurant-Zelt mit der neuesten Technik, die möglich ist, von der Beleuchtung über die Dekoration. Da haben sie sich schon sehr, sehr viel Mühe gegeben.“

Das klingt tatsächlich nach einem guten Ersatz, aber worin liegt denn genau der Unterschied zu seinem Vorgänger? „Es ist ein exklusives Zelt“, weiß Wolfgang Köbele, „exklusiver als das Hippodrom je war, denn das Hippodrom mit seinen 30 Jahren eben auch schon in die Jahre gekommen ist. Und dann ist die Technik im Zeltbau auch vorangeschritten, da hat man keine Bierzelt-Garnituren mehr drinnen, sondern es sieht aus wie in einem Stadl. Klar, manche Puristen sagen: Auf der Wiesn, da brauch ich nur n Hendl und a Bierzelt-Garnitur und kein Polster und keine Tischdecken. Aber es gibt ja für alle Menschen die Entscheidung sich dorthin oder dorthin zu begeben.“

Und selber, wie arrangiert sich ein alteingesessener Wiesn-Musikant mit der neuen Situation? „Wir freuen uns natürlich auf das neue Zelt. Es steht auf derselben Stelle, aber die Neugierde ist da sehr, sehr groß – auch für uns, obwohl wir zum 19ten Mal an derselben Stelle auftreten. Trotzdem wird doch alles etwas anders sein. Eingefahrene Wege und Pfade werden nicht mehr vorhanden sein und da muss man sich schon neu einstellen. Und: Ist es das gleiche Publikum? Wie muss ich es nehmen? Wie werden die Abläufe am Abend sein und so weiter. Da muss man sich schon neu an die Sache rantasten – und das ist sehr spannend. Da freu ich mich sehr drauf. Natürlich könnte ich auch sagen: Hey, das Hippodrom hätte locker noch 20 Jahre so weitergehen können, wenn es sich nicht so verjubelt hätte. Aber es ist auch schon das Ganze noch mal von vorne zu beginnen und jede Sekunde dazuzulernen aber auch die gewonnenen Erfahrungen einzusetzen. Aber natürlich wird es Überraschungen geben.“

Ob, es schon Überraschungen gegeben hat und, wie sich die Münchner Zwietracht in ihrem neuen Wiesn-Zuhause schlägt, findet Ihr am besten selbst heraus. Noch eine gute Woche habt Ihr Zeit dazu, also nichts wie raus zur Wiesn und kräftig zugeprostet!

Wolfgang Köbele im Wiesn-Interview 2013

SchlagerPlanet hatte die Gelegenheit exklusiv mit Wolfgang Köbele über die Band, die Wiesn und erstaunliche Fakten zu sprechen.

SchlagerPlanet: Wie kam es dazu, als Band auf dem Oktoberfest spielen zu dürfen?

Wolfgang Köbele: Ich habe auch ganz früher schon sehr viel Musik gemacht, auch auf dem Oktoberfest war ich bereits mit der „Helmut Högl Band“ im Weinzelt unterwegs. Als ich 1990 die „Münchner Zwietracht“ gegründet habe war ja erst einmal keine Wiesn und als der Sepp Krätz 1994 erstmals sein Hippodrom gemacht hat, hat der natürlich eine erfahrene Band gebraucht. Und eine Wiesn-Band muss nicht einfach nur spielen, sondern man muss noch sehr viele andere Erfahrungen mitbringen: Wie bringe ich die Leute zur Ruhe? Wie bringe ich die Leute wieder in Rage? Und so weiter und sofort. Und da ich genau das, zehn Jahre vorher schon gemacht habe und die „Münchner Zwietracht“ einfach dazu passte, hat Sepp mich gefragt, ob ich das machen möchte. Und seitdem sind wir dabei.

SP: Hippodrom war ja dann die erste Anlaufstelle. Gab es denn auch noch Anfragen von anderen Zelten?

WK: In der Zwischenzeit kam einmal die Anfrage vom „Käfer“, aber wir waren da ja schon im Hippodrom und man tauscht eigentlich auch nicht aus.

SP: Was tun Sie, um die gesamte Wiesn-Zeit durchzuhalten?

WK: Wir trainieren das ganze Jahr über, weil wir ja das ganze Jahr unterwegs sind und unser Programm jeden Abend fast vier bis fünf Stunden dauert. Also stehen wir zur Wiesn-Zeit voll im Saft. Und was man zur Wiesn-Zeit einfach nicht machen darf ist ganz einfach Wiesn-Bier trinken. Das ist eine alkoholfreie Zeit. Aber das ist auch das Einzige was einem dann natürlich entgeht.

SP: Auch wenn Sie zur Wiesn-Zeit nichts trinken, was ist denn Ihr Lieblingsbier?

WK: Mein Lieblingsbier ist Tegernseer, das gibt es auf der Wiesn allerdings nicht. Aber jetzt mal auf die Wiesn bezogen: Eine frische, kalte Maß schmeckt eigentlich in jedem Zelt, da habe ich keine bestimmten Präferenzen.

SP: Was ist Ihr persönliches Lieblingszelt?

WK: Mein persönliches Lieblingszelt ist natürlich das Hippodrom! Erstens, weil wir natürlich darin spielen und dann ist es noch eine Mischung aus Spektakel aber auch elitärerem Publikum. Und das gefällt mir persönlich eben sehr gut. Es geht sauber zu, es sind Tischdecken drin, es gibt keine Schlägereien und man wird nicht mit Bier beschüttet. Man muss auch nicht sein Hendl essen während ein anderer auf der Bank rumspringt. Es geht einfach gesitteter zu, und das gefällt mir persönlich ganz gut.

SP: Was gefällt Ihnen generell am besten auf der Wiesn?

WK: Mir gefallen auf der Wiesn die uralten traditionellen Sachen, wie „Toboggan“ oder das „Teufelsrad“. Die nostalgischen Dinge gefallen mir persönlich ganz gut, weil sie noch ein gewisses Flair aus uralt Wiesn-Zeiten wiederspiegeln. Ich finde es sehr schön, dass diese Fahrgeschäfte auch nach wie vor noch auf der Wiesn vorhanden sind.

SP: Was war Ihr krassestes bzw. schönstes Wiesn-Erlebnis?

WK: Also das krasseste, muss ich ganz ehrlich sagen, war als ich noch zu Gast auf der Wiesn war und es diesen Anschlag 1980 gab. Ich bin damals mit meiner Freundin auf der Wiesn und, aus irgendeiner Intuition heraus, obwohl wir eigentlich schon genug getrunken hatten, meinte ich zu ihr: ‚Komm, wir gehen jetzt noch ins Hofbräuhaus-Zelt auf eine Maß im Stehen und dann gehen wir erst heim.‘ Und währenddessen wir noch im Hofbräuhaus-Zelt stehen, detonierte vorne die Bombe. Wenn es blöd gelaufen wäre, wären wir da gerade daran vorbei gegangen. Das bleibt nach wie vor noch im Gedächtnis. Da hab ich zwar auch schon auf der Wiesn gespielt, dieses Jahr zum 30. Mal, ein Jubiläum. Aber damals war ich privat unterwegs. Wir haben in dieser Situation wirklich Glück gehabt, oder haben der Intuition vertraut oder sind dem Ruf des Bieres gefolgt. Da hat das Bier dann doch noch etwas Gutes gehabt.

SP: Gibt es ein jährliches Highlight?

WK: Ganz schön ist wirklich der erste Tag auf dem Oktoberfest. Wenn man sich wieder freut da zu sein, diese ganze knisternde Spannung zu spüren, die dann überall herrscht, bei sämtlichen Beteiligten. Sei es die Bedienungen, die Küche, der Schankkellner, alle freuen sich, dass es endlich wieder losgeht. Dann geht es endlich los, nimmt so langsam Fahrt auf und kommt dann so die nächsten zwei, drei Tage so richtig in Schwung. Da merkt man dann, wie sich alles einspielt und sich alles wieder aufeinander einstellt. Man trifft wieder uralte Bekannte, die auch immer wieder auf der Wiesn sind, und es gibt ein großes Hallo! Das ist sehr schön!

SP: Das Hippodrom ist ja auch als Promi-Zelt bekannt. Welche Stars und Sternchen haben Sie denn schon beim Feiern im Zelt entdeckt?

WK: Zu uns kommen gerne die Promis auf die Bühne, weil sie wissen - hier ist eine gute Band. In der Regel haben wir eigentlich von jedem, im bekannteren Kreis, den ein oder anderen Titel im Programm und da freuen sie sich, wenn sie mitsingen dürfen. Ob das jetzt Udo Jürgens war, oder zwei Jungs von Deep Purple, oder Thomas Gottschalk, der mit uns zusammen „Highway to Hell“ gerockt hat, oder Wolfgang Fierek und viele viele mehr. Einmal kam Lou Bega zu uns auf die Bühne, ob wir denn zusammen mit ihm sein „Mambo Nr. 5“ spielen. Das war so vier, fünf Jahre nach seinem Mega-Erfolg, und das haben wir dann auch getan. Leider haben wir beim Spielen gemerkt, dass wir es doch nicht so können, wie gedacht, wir hatten ihn ja auch schon lange nicht mehr gespielt, und haben uns vor Lachen fast in die Hosen gemacht, weil es so schief geklungen hat. Aber Lou und wir haben es knallhart durchgezogen und hatten eine Mords-Gaudi auf der Bühne. Uns sind die Tränen vor Lachen gekullert, wie daneben so ein Song gehen kann.

SP: Haben Sie eine Vorahnung was der Wiesn-Hit 2013 werden könnte?

WK: Nein, ich hab noch keine Vorahnung. Sie?

Alles über den Wiesn-Hit 2013 „Rock mi“ erfahrt Ihr hier!

SP: Schwierig, vielleicht voXXclub mit „Rock mi“ oder „Applaus Applaus“ von den Sportfreunden Stiller?

WK: Joa, na, das kann man sicherlich spielen, sind aber für mich keine richtigen Wiesn-Hits. Ich wage jetzt mal die Behauptung, wenn jetzt nicht noch irgendwas aus der Versenkung auftaucht, dann wird es dieses Jahr keinen speziellen Wiesn-Hit geben. Letztes Jahr war es ja „An Tagen wie diesen“ und das hat davor auch schon festgestanden. Der Wiesn-Hit müsste jetzt eigentlich schon vorhanden sein und es ist in der Richtung keiner vorhanden. Da kann man nicht mal „Blurred Lines“ nehmen, weil man da nicht richtig mitsingen kann. Ist zwar Nummer 1, aber eigentlich nicht wiesntauglich. Und sonst ist, gerade im Deutschsprachigen, nichts da. „Applaus, Applaus“ ist nicht wirklich packend und hat auch nicht das Charisma, dass die Wiesn-Besucher aufstehen und mitsingen. Einen Wiesn-Hit muss man mitsingen können, den Text kennen oder mitklatschen können, eine Figur dazu tanzen uns so weiter. Da gibt es dieses Jahr nichts Entsprechendes. Natürlich die, die jetzt noch versuchen einen Wiesn-Hit zu machen, die sind schon zu spät dran. Ein Wiesn-Hit ist immer der, der bundesweit unter den ersten zehn Hitparadenplätzen ist und da ist zur Zeit einfach keine neue Nummer dabei. Auch die von den Toten Hosen „An Tagen wie diesen“ wird sich dieses Jahr nicht mehr durchsetzen. Also ich sage, es gibt dieses Jahr keinen.

SP: „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ dann wahrscheinlich :-)

WK: Wie jedes Jahr, genau :-)

SP: Wissen Sie schon welches Ihr Abschlusslied sein wird?

WK: Bei uns im Zelt spielen wir jeden Abend zum Schluss die Bayernhymne. Wir hören ein bisschen rockig auf und dann kommt vielleicht noch die ein oder andere Ballade und als allerletzte Nummer spielen wir seit Jahren „Gott mit dir du Land der Bayern“. Dann wissen die Leute: ‚jetzt ist aus‘ und das hat auch irgendwie etwas Würdevolles. Im Hippodrom spielen wir nur ganz wenig Englisch, nur die Lieder, an denen wir wirklich nicht mehr dran vorbei kommen. Wir versuchen mehr Bayerisch, rockig-bayerisch, Schlager und generell deutschsprachige Musik zu spielen. Und das kommt auch sehr gut an. Gerade beim deutschen Schlager sind ja auch Kracher dabei, die alle kennen. Zum Beispiel aus den 1970er Jahren. Ich finde es immer so toll, dass auch noch die 20-Jährigen „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und alles Mögliche mitsingen. Es wird mündlich weitergegeben und jeder singt mit. Das finde ich schön!

SP: Was ist Ihr persönliches Wiesn-Lieblingslied?

WK: Oh mei, da gibt es keins. Ich spiele diese Lieder schon so lange. Ich mag sie alle, weil sie alle ihre Berechtigung haben, aber ein Lieblingslied gibt es eigentlich nicht.

SP: Welches Lied spielen Sie am liebsten?

WK: Ich spiele natürlich sehr gerne die eigenen Lieder der „Münchner Zwietracht“. „Juche auf der hohen Alm“ zum Beispiel mag ich sehr gerne. Aber auch die Lieder von DJ Ötzi, wie „Anton aus Tirol“, spiele ich nach wie vor sehr gerne, weil diese einfach ihre Daseinsberechtigung nach all den Jahren haben. Da sag ich einfach Respekt! Solche Songs finde ich gut.

SP: Gibt es ein Lied, welches Sie jedes Jahr spielen müssen, aber eigentlich überhaupt nicht mögen?

WK: Ja, das gab es auch, aber diese Lieder haben wir dann rausgeschmissen. So wie zum Beispiel der „Holzmichl“, der wird schon seit zwei Jahren bei uns nicht mehr gespielt.

SP: Ist es ein Problem für Sie viele Lieder zu covern oder spielen Sie auch gerne ab und zu eigene Hits?

WK: Also auf der Wiesn muss man covern, weil da kann man nur das spielen, was die Leute auch kennen und singen können. Durch die Lautstärke ist es schwer einen neuen Song vorzustellen und in diesem Fall ist man einfach dem untergeordnet. Wenn ich woanders spiele, hab ich natürlich viel mehr Lautstärke und kann eigene Songs spielen. Wir haben ein, zwei Nummern, die funktionieren auch auf der Wiesn wie „Moos Hamma“, „Juche auf der hohen Alm“ oder „Holladihi, holladiho“ von der Münchner Zwietracht, das spielen wir auch und da singen die Leute mit. Aber im Großen und Ganzen muss man sich der Wiesn unterordnen und das gehört auch zu der Erfahrung einer Wiesn-Band, dass man einfach die Songs spielen muss, die die Leute am meisten kennen.

SP: Was darf Ihrer Meinung nach bei keinem Wiesn-Besuch fehlen?

WK: Eine kleine Maß Bier, schön kalt, am besten im Garten, wenn das Wetter mitspielt. Vielleicht ein „Steckerlfisch“ und ein paar gebrannte Mandeln. Ein Rundgang darf natürlich auch nicht fehlen.

SP: Was ist Ihr Lieblingsessen auf dem Oktoberfest?

WK: Jeden Tag etwas anderes! :-) Wir haben im Hippodrom eine wunderbare Küche. Da ich meistens nicht raus komme, kann ich nur da essen und es gibt jeden Tag tatsächlich etwas anderes. Aber ich finde ein gutes Hendl passt. A Hendl und a Wiesn, so ist man aufgewachsen, das gehört einfach zusammen.

SP: Sind Sie nächstes Jahr auch wieder dabei und wie lange, glauben Sie, halten Sie das noch durch?

WK: Ich glaube da muss ich die Frage umdrehen. Die Frage ist, wie lange der Wirt das noch mitmacht. Es gibt ja auch immer mal wieder kleine Gerüchte, aber solange beide Seiten das machen, werden wir zusammenarbeiten. Natürlich werde ich nächstes Jahr wieder dabei sein und solang Sepp Krätz das macht, wird er es zusammen mit uns. Wie lange wir noch spielen werden, kann man heute noch nicht sagen. Dieses Jahr haben wir übrigens eine neue Sängerin mit dabei. Bis jetzt haben wir immer mit Linda Jo Rizzo gespielt und dieses Jahr haben wir eine neue Schlagersängerin mit dabei. Eva Luginger wurde uns vom Hessischen Rundfunk empfohlen und wird dieses Jahr auch mit uns eine halbe Stunde auf der Bühne singen.

SP: Fragen Freunde und Familie oft nach Tischen?

WK: Ja, eigentlich schon, aber die meisten wissen, dass es schwierig ist. Ich finde es wirklich schwer, dass man da überhaupt keine Chance mehr hat. Die meisten Plätze sind an Firmen vergeben, und selbst die Plätze - die Stadt hat ja jetzt gesagt, dass man 20% mehr öffnen muss - sind auch immer gleich vergeben. Da kann ich auch nichts machen. Es ist wirklich eine schwierige Situation, für die ich jetzt auch keine Lösung hätte. Natürlich werden wir ganz oft gefragt „Wie kriegt man Karten für die Wiesn?“ Und dann können wir nur sagen, es gibt überhaupt keine Karten, einfach hingehen und versuchen. Die meisten wollen eben am Wochenende auf die Wiesn und da ist es restlos überfüllt. Unter der Woche geht es vielleicht eher noch. Es ist bisschen schlecht, dass das so geworden ist, aber was soll man ändern? Die ganze Welt will nach München. Man könnte höchstens noch ein Zelt hinstellen, aber selbst das wäre in null Komma nichts ausverkauft, das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

SP: Was würden Sie gerne Ihren Fans und den Wiesn-Besuchern noch mit auf den Weg geben?

WK: Ich freue mich auf alle die kommen! Dadurch, dass unsere Bühne in drei Metern Höhe steht, kann man das gesamte Zelt überblicken und man sieht alles und man sieht auch jeden. Ich freu mich über alle, die vorbeikommen und hochwinken. Das ist eine schöne Abwechslung, ab und zu mal ein bekanntes und freundliches Gesicht zu sehen. Das freut uns, wenn da einfach die Leute durchgehen und raufwinken. Wir winken dann zurück!

SchlagerPlanet sagt vielen Dank für das nette und offene Gespräch und freut sich schon auf die nächste Wiesn mit der „Münchner Zwietracht“.

  • Wolfgang Köbele war sich bei der Frage um den Wiesn-Hit 2014 nicht so ganz sicher. Wisst Ihr, welcher es sein wird?
Nina Farr
Lade weitere Inhalte ...