Marius Borg Høiby (29) sitzt seit seiner Verurteilung im Hochsicherheitsgefängnis Ila ein – eigentlich eine der härtesten Adressen Norwegens. Ausgerechnet dort zeichnen aktuelle Berichte jedoch ein Bild, das viele überrascht und für neue Diskussionen sorgt.
Vom Kronprinzenpalast in die Zelle
Am 15. Juni 2026 verurteilte das Bezirksgericht Oslo Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52), zu vier Jahren Haft. Der 29-Jährige wurde in 34 von 38 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter zwei Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Verstöße gegen ein Kontaktverbot sowie Drogendelikte. In zwei weiteren Vergewaltigungsfällen sprachen ihn die Richter aus Mangel an Beweisen frei. Seit Mitte Juni sitzt Høiby im Hochsicherheitsgefängnis Ila westlich von Oslo ein – jener Anstalt, in der bis vor wenigen Jahren auch der Massenmörder Anders Behring Breivik untergebracht war.
Sowohl Høibys Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft legten inzwischen Berufung gegen das Urteil ein. Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt der 29-Jährige in Untersuchungshaft.

Kein Sonderstatus vor Gericht – zumindest offiziell
Einen Bonus für seine royale Herkunft hat Høiby vor Gericht bislang nicht bekommen. Bereits im Mai scheiterte er vor der höchsten Instanz Norwegens mit dem Antrag, die Zeit bis zum Urteil statt in Haft mit einer elektronischen Fußfessel in der Residenz seiner Eltern zu verbringen. Die Richter verwiesen auf die Schwere des Falls und ließen sich auch von seinem Argument des eingeschränkten menschlichen Kontakts im Gefängnis nicht überzeugen.
Restaurant-Menü statt Gefängniskost
Beim Essen müssen die Insassen in Ila laut der norwegischen Zeitung Dagbladet keine großen Abstriche machen. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Thai-Curry mit Alaska-Seelachs und Jasminreis, Hähnchenfilet mit Kartoffeln und Gemüse oder Pasta mit Scampi. Wer Unverträglichkeiten hat, bekommt laktose- und glutenfreie Alternativen, an Tagen mit Schweinefleisch zusätzlich eine Geflügeloption. Zum Nachtisch gibt es meist frisches Obst.
Buchenholzmöbel und eigener Fernseher
Auch die Unterbringung wirkt wenig nach klassischem Gefängnis: Die Zellen sind mit Möbeln aus Buchenholz ausgestattet und verfügen über Vorhänge. In Gruppenküchen können die Häftlinge selbst kochen, Zutaten dafür gibt es in einem internen Shop. Jede Zelle hat einen eigenen Fernseher – die laufende Fußball-Weltmeisterschaft lässt sich damit bequem von der Pritsche aus verfolgen.
Ein typischer Hafttag in Ila läuft strukturiert ab:
- Frühstück und verpflichtende Arbeit, Ausbildung oder andere Programme
- Mittagspause sowie Schul- oder Therapieangebote
- Freizeit mit Sport, Musik, Fernsehen, Lesen oder kreativen Beschäftigungen
- Abends Einschluss in der Zelle
Werkstatt, Sporthalle und ein Gesellenbrief
Langweilig dürfte es dem gelernten Motorradmechaniker, der vor seiner Verurteilung ein eigenes Unternehmen in der Branche führte, in Ila kaum werden. Die Anstalt verfügt über eine Metallwerkstatt, eine Lackiererei und eine Kfz-Werkstatt, in der Häftlinge sogar einen Gesellenbrief als Kfz-Mechaniker erwerben können. Den rund 125 Insassen stehen außerdem eine Sporthalle, ein Kraftraum und eine Bibliothek zur Verfügung. Grundlage dieses Systems ist die norwegische Strafphilosophie, die stark auf Resozialisierung statt auf reine Bestrafung setzt.
| Der Fall Høiby im Überblick | Stand |
|---|---|
| Urteil | 4 Jahre Haft (15.06.2026) |
| Anklagepunkte | 34 von 38 Punkten schuldig gesprochen |
| Haftanstalt | Hochsicherheitsgefängnis Ila bei Oslo |
| Rechtsmittel | Berufung von Verteidigung und Staatsanwaltschaft eingelegt |
| Aktueller Status | Untersuchungshaft bis zum Berufungsverfahren |
Vorwurf der Sonderbehandlung
Während andere Häftlinge lange auf Besuche warten müssen, durfte Høiby seine Mutter Mette-Marit nach ihrer Lungentransplantation bereits mehrfach unter Polizeibegleitung im Krankenhaus besuchen. Johan Lothe, Leiter des Vereins „Wayback“, der ehemaligen Straftätern bei der Resozialisierung hilft, äußerte sich gegenüber Dagbladet kritisch dazu:
„Man merkt, dass er bessere Bedingungen hat als andere. Soweit ich weiß, haben die Gefängnisse normalerweise keine Kapazität, damit sie einen Häftling zu einer kranken Mutter begleiten können.“
Johan Lothe, Leiter des Vereins „Wayback“, gegenüber „Dagbladet“
Schon bald wieder frei?
Trotz aller Debatten um Komfort und mögliche Vorteile könnte Høibys Haftzeit schon in Kürze enden. Nach norwegischem Recht muss die Untersuchungshaft spätestens vier Wochen nach einem Urteil beendet werden. Ist das Berufungsverfahren bis dahin nicht abgeschlossen, könnte der Sohn der Kronprinzessin bereits Mitte Juli wieder auf freiem Fuß sein – während die juristische Aufarbeitung des Falls in zweiter Instanz erst beginnen würde.
Von: Anna-Lena Kramer bearbeitet mit KI