Achim Mentzel gehörte über Jahrzehnte zu den bekanntesten Unterhaltungskünstlern Ostdeutschlands – ein Publikumsliebling mit Wuschelkopf, Humor und lockerer Art, der nach der Wende auch im Westen ankam. Kaum jemand weiß jedoch, dass der Entertainer Anfang der 1970er-Jahre selbst einmal im Westen blieb. Und dass hinter diesem Schritt eine sehr persönliche Geschichte steckte.
Ein Auftritt in West-Berlin – und Mentzel blieb einfach dort
Anfang der 1970er-Jahre reiste Achim Mentzel als Mitglied des Orchesters Alfons Wonneberg in die Bundesrepublik, genauer gesagt nach West-Berlin. Ein Auftritt wie viele andere – für die Kollegen zumindest. Denn anders als der Rest des Ensembles kehrte Mentzel nach der Vorstellung zunächst nicht in die DDR zurück. Das berichtet die „Welt“.
Die Entscheidung sorgte damals für Aufmerksamkeit und warf viele Fragen auf. Ein bekannter Musiker, der von einem Gastspiel schlicht nicht zurückkommt: In der DDR war das ein Politikum. Über die Motive wurde entsprechend viel gemutmaßt.

Im Westen lief es nicht wie erhofft
Der Entertainer hoffte offenbar auf einen Neuanfang. Doch der Aufenthalt in der Bundesrepublik entwickelte sich nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Beruflich gelang es ihm nicht, dort dauerhaft Fuß zu fassen. Die erhofften Perspektiven blieben aus – und so veränderte sich die Situation schon nach wenigen Monaten grundlegend.
Rückkehr in die DDR – und eine Bewährungsstrafe
Schließlich entschied sich Achim Mentzel zur Rückkehr in die DDR. Ganz ohne Konsequenzen blieb dieser Schritt allerdings nicht: Wegen seines vorherigen Verbleibs im Westen erhielt er nach seiner Rückkehr eine Bewährungsstrafe.
Die wichtigsten Stationen dieser Episode im Überblick:
- Reise mit dem Orchester Alfons Wonneberg zu einem Auftritt nach West-Berlin
- Mentzel kehrt als Einziger zunächst nicht in die DDR zurück
- Beruflich fasst er im Westen nicht dauerhaft Fuß
- Nach wenigen Monaten Rückkehr in die DDR
- Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe
Vom Rückkehrer zum Publikumsliebling
Von diesem turbulenten Kapitel ließ sich Mentzel nicht von seinem Weg abbringen. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem beliebten Entertainer und Moderator. Besonders mit seiner Fernsehsendung „Achims Hitparade“ prägte er die Unterhaltungsszene und gewann zahlreiche Fans – erst im Osten, später im gesamten wiedervereinten Deutschland.

| Steckbrief | Achim Mentzel |
|---|---|
| Geboren | 15. Juli 1946 in Berlin |
| Gestorben | 4. Januar 2016 im Alter von 69 Jahren |
| Beruf | Musiker, Entertainer, Moderator |
| Orchester | Orchester Alfons Wonneberg |
| Bekannteste Sendung | „Achims Hitparade“ |
| West-Episode | Anfang der 1970er-Jahre, endete mit einer Bewährungsstrafe |
Kein politisches Motiv – Mentzel löste das Rätsel selbst auf
Jahre später sprach der Entertainer offen über die Hintergründe – und räumte mit der naheliegendsten Vermutung auf. Sein Schritt hatte demnach keine politischen Gründe. Ausschlaggebend war etwas ganz anderes: sein Privatleben. Rückblickend erklärte Mentzel laut „Welt“:
„Ich hatte gerade Mist bei meiner zweiten Frau gebaut.“
Achim Mentzel über den Grund für seinen Verbleib im Westen, zitiert nach der „Welt“
Mit dieser Aussage machte er deutlich, dass private Probleme die entscheidende Rolle gespielt hatten – und nicht etwa Unzufriedenheit mit dem System, wie viele damals annahmen. Aus einer Ehekrise wurde so ein Kapitel, das ihn vor Gericht brachte.
Was von Achim Mentzel bleibt
Als Achim Mentzel 2016 im Alter von 69 Jahren starb, hinterließ er eine große Lücke. Bis heute erinnern sich viele an den Künstler als humorvollen Publikumsliebling, der mit „Achims Hitparade“ ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben hat.
Seine ungewöhnliche Geschichte zeigt zugleich, dass hinter bekannten Fernsehgesichtern oft sehr persönliche Entscheidungen und Schicksale stehen – auch dann, wenn die Öffentlichkeit lange etwas ganz anderes vermutet.
Mehr über den Entertainer: das Star-Porträt von Achim Mentzel, im Gedenken an Achim Mentzel zum Geburtstag sowie zum Gedenken an den großen Achim Mentzel.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI