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Vicky Leandros: Mit diesem Auftritt rechnete niemand

28.08.2026, 08:22 Uhr

35.000 Menschen auf der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld, drei Zugaben und eine Band, die sich eigentlich verabschieden will: Der Auftritt der Toten Hosen am Donnerstagabend hatte alles, was ein Abschiedskonzert braucht. Doch der Moment, über den am Freitag alle sprechen, kam ganz zum Schluss – und hatte mit Punkrock erst einmal wenig zu tun.

35.000 Fans feiern die Toten Hosen in Hamburg

Es ist der 27. August 2026, ein lauer Sommerabend, und die Trabrennbahn Bahrenfeld ist nach Angaben von t-online mit rund 35.000 Menschen rappelvoll. Die Toten Hosen spielen im Rahmen ihrer Abschiedstournee „Trink aus! Wir müssen gehen“ ihr voraussichtlich letztes großes Konzert in der Hansestadt. Von Wehmut ist wenig zu spüren.

„Wunderschönen guten Abend, Hamburg! Wir sind aus Düsseldorf, wir sind die Jungs von der Opel-Gang“, ruft Campino zum Auftakt ins Mikrofon. Danach folgt ausgerechnet „Die Show muss weitergehen“ – eine Ansage, die deutlicher kaum sein könnte. Über den Köpfen der Fans wehen Fortuna-Flaggen, immer wieder leuchten Bengalos auf.

Musikalisch arbeitet sich die Band durch mehr als 40 Jahre Bandgeschichte: „Opel-Gang“, „Auswärtsspiel“ und „Du lebst nur einmal“ gleich zu Beginn, später „Laune der Natur“, „Altes Fieber“, „Paradies“ und „Europa“. Einmal geht etwas schief: Bei „Wannsee“ lässt sich Campino ins Publikum fallen – und wird nicht aufgefangen. Der Sänger landet unsanft auf dem Boden, steht aber schnell wieder auf der Bühne. Zwischendurch nutzt er das Mikrofon wie so oft für politische Statements, spricht über die Seenotrettung im Mittelmeer und positioniert sich klar gegen die AfD.

Campino von den Toten Hosen bei einem Konzert der Abschiedstour im Olympiastadion Berlin
Campino bei der Abschiedstour „Trink aus, wir müssen gehen“ im Olympiastadion Berlin, 11.07.2026. Foto: IMAGO / Berlinfoto

Drei Zugaben, drei Überraschungsgäste

Richtig aufgefahren wird erst danach. Gleich drei Zugaben spielen die Toten Hosen in Hamburg – und für jede einzelne haben sie sich einen prominenten Gast eingeladen.

Zugabe Gast Song
1. Zugabe Marteria „Welt der Wunder“
2. Zugabe Bela B. (Die Ärzte) „Schrei nach Liebe“
3. Zugabe Vicky Leandros „Ich liebe das Leben“

Rapper Marteria und Ärzte-Schlagzeuger Bela B. sind für ein Hosen-Konzert noch erwartbare Namen. Der dritte Gast dagegen ist es nicht – und das merkt man auch der Band an.

„Wir sind wirklich nervös“

Vor der letzten Zugabe gibt Campino offen zu, wie angespannt die Stimmung auf der Bühne ist. Was jetzt komme, sei auch für die Toten Hosen ein Höhepunkt ihrer langen Laufbahn.

„Wir sind wirklich nervös.“

Campino vor dem Auftritt von Vicky Leandros, Trabrennbahn Bahrenfeld, 27.08.2026 (Quelle: t-online)

Dann holt er Vicky Leandros auf die Bühne. Gemeinsam singen die Schlagerlegende und der Punk-Frontmann „Ich liebe das Leben“ – jenen Klassiker aus dem Jahr 1975, der bis heute zu ihren bekanntesten Liedern gehört. Ein Bild, mit dem auf einer Hamburger Trabrennbahn wohl kaum jemand gerechnet hätte.

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Das Duett gibt es schon seit Mai

Ganz aus dem Nichts kam der Auftritt allerdings nicht. „Ich liebe das Leben“ steht bereits auf „Alles muss raus!“, dem Bonusalbum zum letzten regulären Studioalbum der Toten Hosen. Beide Platten sind am 29. Mai 2026 erschienen; das Bonusalbum versammelt 25 Duette, die Campino mit Weggefährten, Vorbildern und Künstlerinnen und Künstlern eingesungen hat, die die Band schätzt.

Wie Vicky Leandros im Frühjahr gegenüber Schlager Radio erklärte, kam die Anfrage von der Band selbst: Sie sei „sofort begeistert“ von der Idee gewesen, ihren eigenen Song im Duett zu singen. Über die Aufnahmesession in Düsseldorf berichteten beide Seiten anschließend mit einem Augenzwinkern – gelacht und getrunken wurde reichlich.

Vicky Leandros lächelt auf der Bühne der Schlagernacht des Jahres 2026 in der Lanxess Arena Köln
Vicky Leandros bei der Schlagernacht des Jahres 2026, Lanxess Arena Köln, 09.05.2026. Foto: IMAGO / Alexander Franz

Vicky Leandros ist 2026 gefragter denn je

Für die Sängerin ist der Hamburger Auftritt nicht der einzige große Moment dieses Jahres. 2026 hat sie sich gleich mehrfach auf Bühnen gezeigt, auf denen man sie so nicht erwartet hätte:

  • Mai 2026: Auftritt bei der Schlagernacht des Jahres in der ausverkauften Lanxess Arena in Köln.
  • 12. Mai 2026: Eröffnung des ersten ESC-Halbfinales in der Wiener Stadthalle mit einer Neufassung von „L’amour est bleu“ – dort, wo 1967 ihre Grand-Prix-Geschichte begann.
  • 27. August 2026: Gastauftritt bei den Toten Hosen in Hamburg.

Ihre Bilanz kann sich sehen lassen: 1967 landete sie für Luxemburg mit „L’amour est bleu“ auf Platz vier des Eurovision Song Contest, 1972 gewann sie den Wettbewerb mit „Après toi“ beziehungsweise der deutschen Fassung „Dann kamst du“. „Ich liebe das Leben“ stieg 1975 in die deutschen Top 10 ein. Mehr dazu im Bericht über ihr ESC-Comeback in Wien.

Ein Abschied, der sich nicht wie einer anfühlt

Den allerletzten Song des Abends widmete Campino dem früheren HSV-Star Kevin Keegan: „You’ll Never Walk Alone“. Danach war Schluss – und zurück blieb bei vielen im Publikum die Frage, ob das wirklich schon alles gewesen sein soll.

Die Toten Hosen selbst haben darauf eine Antwort gegeben, die auch für Vicky Leandros gelten könnte: Sie gehen nicht, weil es nicht mehr geht. Sie gehen, solange es noch geht. Dass eine Schlagerlegende und eine Punkband dabei am selben Mikrofon stehen, hätte vor ein paar Jahren wohl niemand für möglich gehalten. In Hamburg war es der Moment des Abends.

Quellen: t-online (Konzertbericht vom 28.08.2026), Schlager Radio, queer.de, Die Toten Hosen (dth.de).

Von: Julian Weber bearbeitet mit KI

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