Wenn ein Schlagerstar kurz vor einem ausverkauften Open Air absagt, trifft der Ärger fast immer den Künstler. Natalie Holzner sieht die Schuld allerdings ganz woanders – und findet für die Praxis mancher Fernsehsender deutliche Worte.
Der Sommer 2026 hat der Schlagerbranche eine Debatte beschert, die längst nicht mehr nur hinter den Kulissen geführt wird: Immer wieder springen Stars kurzfristig von gebuchten Live-Terminen ab, weil eine große TV-Show ruft. Die österreichische Sängerin Natalie Holzner hat sich dazu nun in einem Interview mit „Schlager.de“ geäußert, aus dem „t-online“ am 26. August 2026 zitiert. Ihre Analyse fällt für die Sender wenig schmeichelhaft aus.
Warum Künstler laut Holzner gar keine Wahl haben
Für Holzner ist klar, dass die Musikerinnen und Musiker in dieser Konstellation am kürzeren Hebel sitzen. Wer eine Einladung in eine reichweitenstarke Samstagabendshow ausschlägt, riskiert, beim nächsten Mal nicht mehr gefragt zu werden.
„Ich find’ jetzt nicht, dass die Künstler da wirklich eine Wahl haben, weil jeder muss irgendwie auf sich schauen.“
Natalie Holzner im Interview mit „Schlager.de“
Das eigentliche Problem verortet die Sängerin nicht bei den Kolleginnen und Kollegen, sondern bei den Redaktionen: „Es ist da eher […] ein Problem von den Fernsehsendungen, dass die dich so lange hinhalten“, wird sie zitiert. Gemeint ist der Umstand, dass Zusagen für TV-Auftritte oft erst wenige Wochen oder sogar Tage vor der Aufzeichnung final werden – zu einem Zeitpunkt, an dem Konzerttermine längst verkauft und beworben sind.
Die Fernsehklausel: Das steckt dahinter
Möglich macht diese Kurzfristigkeit ein Vertragsdetail, das in der Branche als Fernsehklausel oder TV-Klausel bekannt ist. Sie räumt Künstlern das Recht ein, einen bereits zugesagten Live-Auftritt zugunsten einer Fernsehproduktion abzusagen oder zu verschieben.
- Wer profitiert: vor allem die Sender und die Plattenfirmen – Primetime-Shows in ARD und ZDF liefern Reichweiten, die kein Open Air erreicht.
- Wer sie verlangt: laut Veranstalter Dennis Athen die Labels selbst, „weil die Musiklabels das ausdrücklich wünschen“.
- Wer den Ärger abbekommt: Veranstalter, die Ersatz organisieren müssen – und Fans, die für einen bestimmten Star ein Ticket gekauft haben.
Wiesmoor als Musterbeispiel
Wie das in der Praxis aussieht, zeigte die „4. Schlagernacht der Stars“ am 8. August 2026 in Wiesmoor. Gleich drei angekündigte Acts sagten im Vorfeld ab – alle drei wurden für die Open-Air-Ausgabe der „Giovanni Zarrella Show“ gebraucht.
| Künstler | Absage bekannt seit | Grund |
|---|---|---|
| Kerstin Ott | Juni 2026 | „Giovanni Zarrella Show“ |
| Tim Peters | Juli 2026 | „Giovanni Zarrella Show“ |
| Vincent Gross | Juli 2026 | „Giovanni Zarrella Show“ |
Veranstalter Dennis Athen zeigte sich entnervt: „Bereits im zweiten Jahr in Folge kommt es durch die Giovanni Zarrella Show zu einer kurzfristigen Änderung in unserem Künstlerprogramm“, erklärte er. Man habe das Festival extra vorverlegt: „Letztes Jahr war es nur Vincent Gross, dann sind wir extra ein Wochenende nach vorne gerutscht, um es zu vermeiden.“ Genutzt hat es nichts. Mehr dazu in unserem Bericht zur erneuten Star-Absage in Wiesmoor.
Holzner kennt den Stress aus eigener Erfahrung
Dass sie nicht aus der sicheren Distanz urteilt, macht Holzner selbst deutlich. Sie erinnert sich an einen Termin, an dem die „Starnacht aus der Wachau“ und ein bereits gebuchter Liveauftritt auf denselben Tag fielen.
„Das war der irre Stress für mich als Künstlerin.“
Natalie Holzner über die Terminkollision rund um die „Starnacht aus der Wachau“

Weniger Shows, härterer Kampf um die Plätze
Warum die wenigen TV-Termine so hart umkämpft sind, hat Ella Endlich zuletzt nüchtern erklärt: „Es gibt weniger Schlagershows als früher, die Budgets der Fernsehanstalten für den Bereich Unterhaltung werden kleiner.“ Wer im Schlager sichtbar bleiben will, kann es sich kaum leisten, einen der verbliebenen Sendeplätze auszuschlagen. Wie sehr ARD und ZDF die Branche dadurch steuern, haben wir in der Analyse „Maite Kelly, Beatrice Egli & Co.: Darum sagen sie ständig ab“ aufgeschrieben.
Steckbrief: Natalie Holzner
| Geboren | 12. März 1992 in Voitsberg (Steiermark, Österreich) |
| Genre | Schlager, volkstümliche Musik |
| Ausbildung | Musikgymnasium Graz, Studium Germanistik und Musikpädagogik (Abschluss 2016) |
| Alben (Auswahl) | „Bilderbuch“ (2017), „Lieblingsleben“ (2022), „Liebe an die Macht“ (2024) |
| Auszeichnungen | Herbert-Roth-Preis (2008), smago! Award (2023), Amadeus-Nominierung (2024) |
Das läuft im TV-Geschäft schief
Am Ende bleibt genau der Punkt, den Holzner mit ungewohnter Schärfe benennt: Nicht die Absage selbst ist das Problem, sondern das Hinhalten davor. Dass Sender Zusagen so lange offenlassen, bis Veranstalter und Fans keine Reaktionszeit mehr haben – dieses Vorgehen mancher Sender nennt die Sängerin laut „t-online“ „fast eine Sauerei“.
Solange die Fernsehklausel Standard bleibt und die Zahl der Schlagershows weiter sinkt, dürfte sich an dieser Mechanik wenig ändern. Der Ärger der Fans richtet sich trotzdem weiter gegen die Namen auf dem Plakat – und nicht gegen die Redaktionen, die den Zeitplan vorgeben.
Quellen: t-online, Schlager.de, Promiflash, Wikipedia.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI