Es ist eine Nachricht, die viele Radiohörer in Nordrhein-Westfalen unvorbereitet trifft: Thorsten Schorn beendet nach 25 Jahren seine Karriere im WDR-Hörfunk. Der 50-Jährige moderiert am Freitag, den 4. September 2026, zum letzten Mal seine Nachmittagssendung bei WDR 2 – und schlägt danach ein völlig neues Kapitel auf.
Ein Vierteljahrhundert lang war Schorns Stimme aus dem WDR-Hörfunk nicht wegzudenken. 2001 begann er bei der jungen Welle 1Live, im Juni 2017 wechselte er zu WDR 2, wo er seither den Nachmittag verantwortet. Nun ist Schluss – Schorn will nach eigenen Worten „etwas Neues“ machen.
„Länger als manche Ehe“: Schorns Abschiedsworte
Der Moderator selbst blickt versöhnlich zurück. In der Mitteilung des Senders fasste er seine Zeit beim WDR in einem Satz zusammen, der die Dimension deutlich macht:
„25 Jahre, länger als manche Ehe, was für eine fantastische Zeit – erst bei 1Live und dann bei WDR 2.“
Thorsten Schorn über sein Vierteljahrhundert im WDR-Hörfunk
Seinen Kolleginnen und Kollegen dankte er dafür, ihm eine „einzigartige Radioheimat“ geschaffen zu haben, wie das Medienmagazin DWDL berichtet. Zu seinen konkreten Plänen hält sich Schorn bislang bedeckt: Er wolle „neue berufliche Wege einschlagen“, heißt es lediglich.
Vom 1Live-Nachwuchs zum Gesicht von WDR 2
Schorns Weg ins Radio begann nicht in Köln, sondern im Volontariat bei Radio Neandertal. Von dort führte der Weg über hr XXL zurück in die Heimat – und auf einen der prominentesten Sendeplätze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
| Zeitraum | Station |
|---|---|
| 1997–1999 | Volontariat bei Radio Neandertal |
| 1999–2003 | Morgenmoderation bei hr XXL |
| 2001–2017 | 1Live (WDR) |
| seit Juni 2017 | WDR 2, Nachmittagssendung |
| 4. September 2026 | letzte Sendung bei WDR 2 |
Ausgezeichnet wurde seine Arbeit mehrfach: 2015 erhielt Schorn den Deutschen Radiopreis als „Bester Moderator“, 2020 folgte der Deutsche Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Einzelleistung Unterhaltung“.

Der WDR reagiert mit Bedauern
Beim Sender fällt der Abschied schwer. WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk fand deutliche Worte für den scheidenden Moderator:
„Thorsten ist ein brillanter Moderator, der das Radio liebt. Seine Leidenschaft für das Medium und sein prägnanter, charmant-frecher Stil sind einmalig. Wir bedauern es sehr, dass Thorsten nach so vielen gemeinsamen Jahren nun weiterzieht.“
Andrea Schafarczyk, WDR-Programmdirektorin
Wer die Nachmittagssendung künftig übernimmt, hat der Sender bislang nicht mitgeteilt.
Diese Aufgaben behält Schorn
Vom Bildschirm und aus dem Lautsprecher verschwindet Schorn deshalb keineswegs. Mehrere prominente Engagements laufen weiter:
- Deutscher Radiopreis: Am 10. September 2026 kommentiert er die Verleihung.
- Eurovision Song Contest: Seit 2024 ist er die deutsche ESC-Stimme der ARD – als Nachfolger von Kult-Kommentator Peter Urban.
- Privatfernsehen: Als Off-Stimme prägt er Formate wie „Shopping Queen“ und „Prince Charming“.
Warum der Abgang mehr ist als ein Moderatorenwechsel
WDR 2 gehört zu den reichweitenstärksten Radioprogrammen Deutschlands, der Nachmittag ist dort einer der wichtigsten Sendeplätze überhaupt. Schorn füllte ihn mit einer Mischung aus schnellem Wortwitz und ernsten Momenten – ein Stil, den Programmdirektorin Schafarczyk als „charmant-frech“ beschreibt und der ihn schon bei 1Live zum Publikumsliebling machte.
Genau diese Doppelbegabung erklärt auch, warum Schorn längst über den Hörfunk hinaus bekannt ist. Als Außenreporter war er unter anderem bei „stern TV“ im Einsatz, im Unterhaltungsfernsehen wurde seine Stimme zum Markenzeichen. Dass ausgerechnet er 2024 die ESC-Nachfolge von Peter Urban antrat, galt in der Branche als logische Konsequenz: Kaum jemand verbindet Musikwissen und Live-Schlagfertigkeit so wie er.
Für Musikfans ist das die eigentlich gute Nachricht an diesem Abschied. Der WDR-Nachmittag fällt weg – die großen Musik- und Show-Termine des Jahres kommentiert Schorn weiterhin.
Was hinter dem Abschied steckt
Ein Zerwürfnis, so viel machen die Beteiligten deutlich, steht hinter der Entscheidung nicht. Der WDR betont ausdrücklich, dass Schorn dem Sender und der ARD „an anderer Stelle verbunden“ bleibt – der ESC-Kommentar ist dafür das prominenteste Beispiel.
Was genau der 50-Jährige nach dem 4. September angeht, bleibt vorerst sein Geheimnis. Klar ist nur: Nach 25 Jahren im festen Sendeplatz-Rhythmus will Schorn offenbar mehr Raum für Projekte außerhalb des Hörfunks. Für seine Hörerinnen und Hörer heißt das zunächst einmal Abschiednehmen – und für den Schlager- und Musikfernseh-Bereich, dass eine der markantesten Stimmen des Landes künftig noch etwas breiter zu hören sein dürfte.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI