18 Tage lag Ralph Siegel im künstlichen Koma. Jetzt hat der Komponist bei „Bild“ angerufen und zum ersten Mal geschildert, was in dieser Zeit wirklich in seinem Kopf vorging – und was ihn bis heute nicht loslässt.
Die Stimme ist schwach, aber Ralph Siegel (80) ist zurück. Nach 18 Tagen im künstlichen Koma infolge einer schweren Lungenentzündung meldete sich der Schlager-Komponist erstmals selbst bei der „Bild“-Zeitung. Über die dramatischsten Stunden seines Krankenhausaufenthalts hatte er bereits gesprochen. Nun offenbart er, was ihn während des Komas tatsächlich beschäftigte.
„Albträume sind lächerlich gegen das, was ich erlebt habe“
Auf die Frage, wie es ihm während der 18 Tage erging, wählt Siegel deutliche Worte. Was er im künstlichen Koma erlebte, beschreibt er als weitaus schlimmer als jeder schlechte Traum.
„Es war schrecklich. Bis heute verfolgen mich die Bilder. Du weißt ja, was Albträume sind. Aber Albträume sind lächerlich gegen das, was ich im Koma erlebt habe.“
Ralph Siegel im Gespräch mit „Bild“
Erpressung, Gefangenschaft, Folter: Das erlebte Siegel im Wahn
Was sich während der Wochen auf der Intensivstation in seinem Kopf abspielte, klingt nach eigener Schilderung wie ein Horrorfilm. Auf konkrete Nachfrage berichtet Siegel von Szenen, die er als vollkommen real empfand, obwohl sie nie stattgefunden haben:
- Erpressungen und Gefangenschaft
- Fesselung und Folter
- ein vermeintlicher Mordanschlag auf ihn selbst
- weitere Menschen, die in seinen Vorstellungen leiden mussten
„Ich erinnere mich an viele Situationen, die so lebensnah waren. Sie haben nie stattgefunden, aber im Koma waren sie Realität“, sagt Siegel. „Es war grauenhaft.“ Solche lebhaften Trugbilder, von Medizinern häufig als Intensivstations-Delir bezeichnet, können nach langen künstlichen Komata auftreten – für die Betroffenen fühlen sie sich in dem Moment jedoch wie echte Erlebnisse an.
Der Moment des Erwachens
Wie ernst die Lage tatsächlich war, wurde Siegel erst nach seinem Erwachen bewusst. Eine Krankenschwester hatte in den kritischsten Stunden sogar seine Tochter Marcella angerufen. „Wenn sie ihren Vater noch einmal sehen und sich von ihm verabschieden wollen, müsse sie jetzt kommen, haben sie ihr gesagt. Ein Anruf, den keine Tochter jemals erhalten möchte“, so Siegel.
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Augenblick des ersten Aufwachens. Als sein Blick klarer wurde, standen plötzlich rund zehn Menschen an seinem Bett – darunter seine drei Töchter, die er nach eigenen Worten seit sechs Jahren nicht mehr alle gemeinsam gesehen hatte, sein bester Freund Wolfgang Schranner mit Ehefrau, Angela Wiedl mit ihrem Mann sowie seine Frau Laura. „Das Schlimmste war das erste Erwachen aus dem Koma“, sagt Siegel. Der volle Raum löste in ihm zunächst keine Erleichterung aus: „Ich habe gedacht: Ich bin tot. Ist das schon die Beerdigung? Verabschieden sich jetzt alle von mir?“

Zwischen den lebenserhaltenden Geräten und den Gesichtern seiner Liebsten glaubte er in diesem Moment tatsächlich, bereits gestorben zu sein. Dabei war das Gegenteil der Fall: Seine Familie war gekommen, um ihn zurück ins Leben zu begleiten.
Zurück auf der Normalstation – mit Humor
Seit einigen Tagen ist Siegel von der Intensiv- auf eine normale Station verlegt. Über seinen aktuellen Zustand, der auch von deutlichem Kraft- und Gewichtsverlust geprägt ist, hatte er bereits ausführlich berichtet. Auch jetzt verliert er trotz allem nicht seinen Humor: „Verhältnismäßig geht es mir gut. Wenn man im Krankenhaus ist, dann geht es einem eben dementsprechend. Sonst würde man ja gar nicht aufgenommen werden.“
| Angabe | Details |
|---|---|
| Dauer im künstlichen Koma | 18 Tage |
| Auslöser | Schwere Lungenentzündung |
| Am Krankenbett | Drei Töchter, Ehefrau Laura, enge Freunde |
| Aktueller Status | Normalstation, deutlich geschwächt |
Von den Erlebnissen im Wahn will sich Ralph Siegel nicht unterkriegen lassen. Ohne Selbstmitleid blickt er nach vorn – und denkt nach eigenen Worten schon wieder an die Musik, der er sein Leben lang verschrieben ist.
Quelle: „Bild“-Zeitung
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI