Kaum ein Kandidat hat „Deutschland sucht den Superstar“ so geprägt wie Daniel Küblböck. Der Niederbayer polarisierte, landete einen Nummer-1-Hit, ging ins Dschungelcamp – und fand zuletzt als Lana Kaiser zu sich selbst. Im September 2018 verschwand sie auf einer Kreuzfahrt im Nordatlantik. Der Steckbrief zeichnet ein bewegtes Leben nach.
Hinweis zur Schreibweise: Für die Jahre bis 2018 verwendet dieser Artikel den damaligen Namen Daniel Küblböck. Für die letzten Monate, in denen sie sich Lana Kaiser nannte, schreiben wir „Lana“ und „sie“ – so, wie es auch die ARD-Dokumentation über ihr Leben hält.
Daniel Küblböck im Steckbrief
| Steckbrief | Daniel Küblböck / Lana Kaiser |
|---|---|
| Bürgerlicher Name | Daniel Dominik Küblböck, ab 2011 Kaiser-Küblböck |
| Zuletzt bekannt als | Lana Kaiser |
| Geboren | 27. August 1985 in Hutthurm (Niederbayern) |
| Aufgewachsen | u. a. in Eggenfelden (Niederbayern) |
| Beruf | Sänger, Entertainer, zuletzt Schauspielschülerin |
| Durchbruch | „Deutschland sucht den Superstar“, 1. Staffel 2002/03 – Platz 3 |
| Größter Hit | „You Drive Me Crazy“ (2003), Platz 1 der deutschen Charts |
| Wohnorte | Berlin und Peguera auf Mallorca |
| Verschollen | 9. September 2018 vor der Küste Neufundlands |
| Für tot erklärt | 2021 vom Amtsgericht Passau |

Kindheit in Niederbayern
Daniel Dominik Küblböck kam am 27. August 1985 in Hutthurm bei Passau zur Welt. Die Eltern ließen sich scheiden, der Junge wuchs unter anderem in Eggenfelden auf. Über seine Kindheit sprach er später als schwierige Zeit mit vielen Umzügen und Brüchen in der Familie. Anfang 2013 starb sein Bruder in Berlin – die beiden hatten nach Angaben aus seinem Umfeld zu diesem Zeitpunkt schon lange keinen Kontakt mehr.
DSDS 2002/03: Der Kandidat, über den alle sprachen
Bundesweit bekannt wurde Küblböck mit 17 Jahren in der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Schon beim Casting 2002 fiel er auf, Juror Dieter Bohlen kommentierte seinen Auftritt mit einem Satz, der heute zum TV-Erbe gehört:
„Du bist ein lustiges Kerlchen.“
Dieter Bohlen beim DSDS-Casting 2002 (laut TV Movie)
Mit seiner schrillen, offenen Art polarisierte Küblböck wie kaum ein anderer Kandidat. Er schaffte es bis in die vorletzte Sendung und belegte am Ende Platz 3 hinter Sieger Alexander Klaws und Juliette Schoppmann. Den Schwung nahm er mit: Seine von Dieter Bohlen produzierte Single „You Drive Me Crazy“ stieg 2003 auf Platz 1 der deutschen Charts. Mit den anderen Finalisten war er zudem Teil der DSDS-Hymne „We Have a Dream“.

Die wichtigsten Songs und Alben
| Jahr | Titel | Info |
|---|---|---|
| 2003 | You Drive Me Crazy | Debütsingle, Platz 1 in Deutschland |
| 2003 | Positive Energie | Debütalbum |
| 2003 | Heartbeat | Single |
| 2004 | The Lion Sleeps Tonight | Single |
| 2005 | König von Deutschland | Single, Neuauflage des Rio-Reiser-Klassikers |
| 2005 | Liebe Nation | Album |
| 2007 | Born in Bavaria | Single, Platz 54 – letzter Chart-Hit |
| 2010 | Schrebergarten | Album |
Dschungelcamp, Unfall und Kinofilm: Das Jahr 2004
2004 war für Küblböck ein Jahr der Extreme. Er zog in die allererste Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ein und erreichte dort Platz 3. Im selben Jahr kam der Film „Daniel – Der Zauberer“ in die Kinos, in dem er eine fiktionalisierte Version seiner selbst spielte.
Für Schlagzeilen sorgte Anfang 2004 auch ein schwerer Verkehrsunfall in Niederbayern: Küblböck prallte mit seinem Auto gegen einen Lkw – einen Führerschein besaß er damals noch nicht. Er wurde verletzt, später verurteilte ihn das Gericht nach Jugendstrafrecht. Den Führerschein machte er noch im selben Jahr.
Reality-TV und Showbühne
Auch nach dem großen Hype blieb Küblböck ein gefragter Gast im Fernsehen. Zu seinen bekanntesten Auftritten zählen:
- 2004: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (Staffel 1, Platz 3)
- 2005: „Big Brother“ (Promi-Aufenthalt im „Dorf“)
- 2015: „Let’s Dance“ (Staffel 8, Platz 6 mit Profitänzerin Oti Mabuse)
- 2016: ARD-Reihe „Verrückt nach Fluss“ (Flusskreuzfahrt auf der Donau)
- 2017: RTL-Spendenmarathon „Wir helfen Kindern“

Adoption und neuer Name: Kaiser-Küblböck
2011 ließ sich Küblböck als Erwachsener von der Unternehmerin Kerstin Elisabeth Kaiser adoptieren und trug fortan den Doppelnamen Kaiser-Küblböck. Mit ihrer Hilfe ließ er sich im selben Jahr auf Mallorca nieder: In Peguera im Südwesten der Insel verbrachte er nach Angaben des „Mallorca Magazins“ acht bis neun Monate im Jahr. Die Insel war sein Rückzugsort.
„Wenn ich hier bin, bin ich einfach nur Daniel.“
Daniel Küblböck 2015 in einem TV-Interview über Mallorca (zitiert nach „Focus“/„Mallorca Magazin“)
Gerade dort hält die Familie bis heute die Erinnerung wach: Auf der Insel gibt es einen privaten Gedenkort, dessen Lage nur zwei Menschen kennen – mehr dazu in unserem Artikel „Daniel Küblböck: Nur zwei Menschen kennen diesen Ort“.
Liebe: Robin Gasser und Manuel Pilz
Mit seinem Privatleben ging Küblböck offen um. 2014 machte er die Beziehung zu dem Hairstylisten Robin Gasser öffentlich, 2017 trennte sich das Paar – auch wegen der räumlichen Distanz. In der ARD-Doku über sein Leben spricht Gasser bewegend über diese Zeit:
„Daniel wird immer ein Teil von mir sein, egal wann, auch in fünfzig Jahren noch.“
Robin Gasser in „Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser“ (ARD, 2025)
Ein weiterer wichtiger Mensch in seinem Leben war sein früherer Partner Manuel Pilz, dem Lana auch ihre letzte Sprachnachricht schickte.
Schauspielschule und der Weg zu Lana Kaiser
Im September 2015 begann Küblböck ein Schauspielstudium am Europäischen Theaterinstitut (ETI) in Berlin. Rückblickend war es eine schwierige Phase: Ehemalige Mitstudierende berichten in der ARD-Doku von Problemen und Konflikten an der Schule.
In dieser Zeit zeigte sich Küblböck zunehmend als Lana Kaiser. Mitreisende und Freunde berichteten später, sie habe sich als Frau gesehen und so leben wollen. Die ARD-Dokumentation erzählt diese letzten Monate als die einer trans Frau, die ihren eigenen Weg gehen wollte.
Olivia Jones: „Er war schon sehr, sehr alleine“
Eine der engsten Vertrauten war Dragqueen Olivia Jones. Die beiden galten als unzertrennlich. Schon im September 2018, kurz nach dem Verschwinden, erzählte Jones der „Bild“, sie habe Küblböck zuletzt im Mai 2018 getroffen – damals habe er ihr von seinem Wunsch erzählt, als Frau zu leben.
In der ARD-Doku „Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser“ spricht Jones offen darüber, wie sehr sie dieser Verlust bis heute beschäftigt. Über die letzten Monate sagt sie laut „prisma“: „Er war schon sehr, sehr alleine ganz zum Schluss.“ Und sie macht sich Vorwürfe:
„Ich hätte das vielleicht eher mitkriegen müssen, nachhaken müssen, sensibler sein müssen.“
Olivia Jones in der ARD-Doku „Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser“ (zitiert nach „prisma“)
Für Jones war Küblböck eine Ausnahmeerscheinung: Gäbe es eine queere Ikone in Deutschland, dann sei es Daniel gewesen. Den späteren Wandel weg vom „schrillen, bunten Huhn aus dem Fernsehen“ deutet sie als Versuch, dem ständigen Spott zu entkommen. Küblböck habe sich zeitlebens gewünscht, „anders wahrgenommen“ zu werden – „dass die Leute nicht über ihn lachen oder mit dem Finger auf ihn zeigen“. Selbstkritisch äußert sich Jones laut dpa auch über die queere Szene: Diese habe Küblböck nach DSDS nicht wirklich unterstützt, sondern eher in die Schublade des „Klischee-Schwulen“ gesteckt.
Das Verschwinden auf der AIDAluna
Ende August 2018 ging Lana Kaiser in Hamburg an Bord des Kreuzfahrtschiffs AIDAluna, Ziel der Reise war New York. Am frühen Morgen des 9. September 2018 ging sie vor der Küste Neufundlands über Bord. Nach Medienberichten sprang sie vermutlich selbst. Die kanadische Küstenwache suchte mit Unterstützung mehrerer Schiffe nach ihr, stellte die Suche am 10. September 2018 aber ein. Die Wassertemperatur im Nordatlantik ließ keine Hoffnung mehr zu. Gefunden wurde sie nie. Lana Kaiser wurde 33 Jahre alt.
Kurz vor dem Verschwinden schickte sie ihrem Ex-Partner Manuel Pilz eine Sprachnachricht, die erst durch die ARD-Doku öffentlich wurde. Mehr dazu lesen Sie in „Daniel Küblböck: ARD-Doku enthüllt seine letzte Sprachnachricht“.
2021 für tot erklärt
Im August 2020 wurde beim Amtsgericht Passau beantragt, Küblböck für tot zu erklären. Anfang 2021 entschied das Gericht; im März 2021 wurde der Beschluss öffentlich. Als offizieller Todeszeitpunkt gilt der 9. September 2018. Für die Familie war das ein schwerer Schritt. Vater Günther Küblböck sagte der „Passauer Neuen Presse“:
„Das wollten wir noch nicht so haben. Aber das Gericht hat entschieden.“
Günther Küblböck (laut „Passauer Neue Presse“)
Die ARD-Doku „Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser“
Zum 40. Geburtstag veröffentlichte die ARD am 26. August 2025 die dreiteilige Dokuserie „Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser“ in der Mediathek. Regie führte Tristan Ferland Milewski, produziert wurde die Serie im Auftrag von BR und WDR. Familie, Freunde und Weggefährten kommen zu Wort, darunter Olivia Jones, Gracia Baur, Riccardo Simonetti und Lucy Diakovska. Die drei Folgen heißen:
- „Born in Bavaria“
- „Liebe Nation“
- „Ich gehöre nicht jedem“
Die Serie zeigt Küblböck als queere Pionierfigur des deutschen Fernsehens – und als Menschen, der mit Hass im Netz, Bodyshaming und dem Druck der Öffentlichkeit zu kämpfen hatte.
Ein Leben zwischen Jubel und Zerbrechlichkeit
Daniel Küblböck war der Kandidat, der DSDS zum Phänomen machte: laut, bunt, angreifbar – und mit „You Drive Me Crazy“ ganz oben in den Charts. Hinter der Showfigur stand ein Mensch, der lange nach sich selbst suchte und zuletzt als Lana Kaiser leben wollte. Heute wäre sie 41 Jahre alt. Ihre Geschichte bewegt Fans bis heute – auch weil sie zeigt, wie hoch der Preis für frühen Ruhm sein kann. Weitere Musiker aus der Dschungelcamp-Geschichte finden Sie in unserem Überblick „Dschungelcamp: Diese Musiker waren bereits dabei“.
Hinweis: Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben oder sich in einer Krise befinden, finden Sie rund um die Uhr anonyme Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 sowie online unter telefonseelsorge.de.