Annett Louisan gehört zu den leiseren Stimmen der deutschen Musik – in einem neuen Interview wird die Sängerin allerdings ungewohnt persönlich. Die 49-Jährige spricht über ihre Kindheit in der DDR und über einen Reflex, den sie bis heute nicht losgeworden ist.
Annett Louisan lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Hamburg. Aufgewachsen ist die Sängerin aber in Sachsen-Anhalt, in der DDR. In einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“, über das das Nachrichtenportal t-online am 15. September 2026 berichtete, erzählt sie, wie sehr diese ersten zwölf Lebensjahre bis heute nachwirken – und zwar an einer sehr konkreten Stelle ihres Alltags.
Annett Louisan: „Kriege ich Bammel, obwohl ich nichts angestellt habe“
Es ist der Anblick einer Uniform, der bei ihr etwas auslöst. Was in der DDR als Erfahrung mit staatlicher Kontrolle begann, sitzt offenbar tiefer als jede spätere Biografie-Station.
„Sehe ich einen Polizisten, kriege ich Bammel, obwohl ich nichts angestellt habe“
Annett Louisan im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“
Die Sängerin beschreibt damit kein aktuelles Erlebnis, sondern eine Prägung: ein Gefühl, das sich nicht mit dem Argument wegdiskutieren lässt, dass es dazu keinen Anlass gibt. Vorwürfe an die Polizei von heute verbindet sie damit nicht.
Von Sachsen-Anhalt nach Hamburg: „Ein klassisches Wendekind“
Geboren wurde Annett Louisan am 2. April 1977 als Annett Päge in Havelberg, aufgewachsen ist sie in Schönhausen an der Elbe bei Mutter und Großeltern. 1989, im Jahr des Mauerfalls, zog sie als Zwölfjährige mit ihrer Mutter nach Hamburg. Ihren Künstlernamen leitete sie später vom Vornamen ihrer Großmutter Louise ab.
„Ich bin ein klassisches Wendekind“
Annett Louisan über ihre Biografie
Nach dem Umzug seien Mutter und Tochter voll in der neuen Gegenwart angekommen, schildert sie dem Bericht zufolge – Zurückschauen war nicht vorgesehen. Und trotzdem fällt ihr Blick auf die DDR nicht nur kritisch aus. An ihre Schulzeit dort erinnert sie sich ausdrücklich gern, vor allem an die strenge Ausbildung in Rechtschreibung und Grammatik – eine Grundlage, von der eine Textautorin bis heute lebt.

Offene Worte über Perimenopause und finanzielle Unabhängigkeit
Das Interview bleibt nicht bei der Vergangenheit. Louisan spricht auch über Themen, die viele Prominente ihres Alters eher umgehen: über die Perimenopause, also die Jahre der hormonellen Umstellung vor den Wechseljahren, und über die Frage, warum Frauen finanziell unabhängig sein sollten.
„Ich verstehe total, wenn Frauen darüber nicht reden möchten, aber ich selbst will mich dafür nicht mehr schämen“
Annett Louisan
Dass die Sängerin persönliche Themen offen anspricht, ist nicht neu. Bereits im Sommer 2026 hatte sie auf Instagram erzählt, dass sie seit drei Jahren keinen Alkohol mehr trinkt – und dieses Leben als das stärkste Freiheitsgefühl beschrieben, das sie kenne. Mehr dazu hier: Annett Louisan: Diese Nachricht überrascht ihre Fans.
Politische Posts kosten sie regelmäßig Follower
Auch zu ihrem Auftreten in den sozialen Medien äußert sich Louisan deutlich. Sie nimmt öffentlich Position – und kennt den Preis dafür ziemlich genau:
„Sobald ich einen Post gegen die AfD mache oder mich fürs Klima einsetze, verliere ich danach jedes Mal etwa 200 Follower“
Annett Louisan über Reaktionen in sozialen Netzwerken
Ihr Instagram-Kanal hat rund 59.000 Abonnenten. Die genannten 200 Abmeldungen pro Post sind damit keine Randnotiz, aber auch kein Grund, es zu lassen.
Neues Album „Sehnsucht“ und Tour ab Oktober
Das Gespräch fällt in eine intensive Phase: Wenige Tage vorher, am 11. September 2026, ist ihr neues Album „Sehnsucht“ erschienen – laut ihrem eigenen Instagram-Post ihr elftes. Einen Tag später stellte sie es bei einer Weltpremiere in der Elbphilharmonie in Hamburg erstmals live vor.
Was in den kommenden Wochen ansteht:
- Ab Oktober 2026 geht Annett Louisan mit der „Sehnsucht“-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
- Angekündigt sind unter anderem das Tempodrom in Berlin, die Alte Oper in Frankfurt (26. Oktober), das Globe Wien und mehrere Termine im St. Pauli Theater in Hamburg.
- Im Programm stehen neben den neuen Stücken auch ihre bekannten Hits.
| Steckbrief | Annett Louisan |
|---|---|
| Geburtsname | Annett Päge |
| Geboren | 2. April 1977 in Havelberg (Sachsen-Anhalt) |
| Aufgewachsen | Schönhausen (Elbe), ab 1989 Hamburg |
| Durchbruch | Debütalbum „Bohème“ (2004), Platz 3 der Charts |
| Bekannteste Single | „Das Spiel“ (Platz 5) |
| Verkaufte Tonträger | über 1,5 Millionen |
| Aktuelles Album | „Sehnsucht“ (11. September 2026) |
Warum die Angst bleibt
Am Ende steht damit ein Bild, das so gar nicht zur zarten Bühnenfigur passt, die viele in ihr sehen: eine Frau, die politisch Stellung bezieht, über Körper und Geld spricht – und die gleichzeitig zugibt, dass ein Teil von ihr bei einer Uniform noch immer in Deckung geht. Nicht, weil sie etwas getan hätte. Sondern weil sie in einem Staat groß geworden ist, in dem man dafür keinen Grund brauchte.
Wer mehr über ihr Umfeld und ihre Familie wissen will: Diese Menschen stärken Annett Louisan den Rücken.