König Charles III. hat im aktuellen Rechenschaftsbericht des britischen Königshauses eine jahrhundertealte Amtsbezeichnung anpassen lassen – und erntet dafür heftige Kritik. Ein früherer Vertrauter von Queen Elizabeth II. wirft dem Monarchen sogar Verrat vor.
Neue Formulierung im Sovereign-Grant-Bericht
Im jährlichen Finanzbericht des Königshauses, dem sogenannten Sovereign Grant Report 2025/26, ist eine kleine, aber folgenreiche Änderung aufgefallen: Die traditionelle Beschreibung „Defender of the Faith“ (Verteidiger des Glaubens) wurde durch die Formulierung „Protector of the space for faith within the multifaith nation“ ersetzt – zu Deutsch etwa „Beschützer des Raums für den Glauben in einer multireligiösen Nation“.
Der britische Monarch ist zugleich weltliches Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, offiziell „Supreme Governor of the Church of England“. Genau an dieser Doppelrolle entzündet sich jetzt die Debatte.
Ex-Kaplan der Queen spricht von Verrat
Besonders scharf äußert sich Gavin Ashenden. Der frühere Kaplan und Vertraute von Königin Elizabeth II. legte 2017 sein anglikanisches Amt nieder und trat 2019 zur katholischen Kirche über. In einem Newsletter auf der Plattform Substack, aus dem das Kirchenmedium „Christian Today“ zitiert, wird er deutlich:
„Was wie eine Anpassung seiner Krönungseide erscheint, ist in Wahrheit ein Verrat an seinem Amt, an seinem christlichen Glauben und am Glauben seiner Untertanen.“
Gavin Ashenden, Ex-Kaplan von Queen Elizabeth II.
Ashenden geht noch weiter und bezeichnet die Vorstellung, dass „es viele Götter gibt und sie alle gleichwertig sind“, als Angriff auf die Autorität Jesu – und als „gefährlich und feindselig gegenüber Christus, seiner Lehre und seinen Anhängern“.
Auch das Christian Institute meldet sich zu Wort
Nicht nur Ashenden übt Kritik. Auch Ciarán Kelly, Direktor des britischen Christian Institute, positioniert sich gegenüber der Zeitung „The Guardian“ klar:
- Das Christentum sei „das Fundament der Gesetze und der Kultur“ Großbritanniens – kein „interreligiöser Mischmasch“.
- Die neue Formulierung vermittle den Eindruck, das Christentum sei „nur eine Religion unter vielen“.
- Genau das sei aus seiner Sicht historisch und kulturell nicht richtig.
Ein Titel mit langer Geschichte
Die Bezeichnung „Defender of the Faith“ ist keine Randnotiz der britischen Monarchie: Papst Leo X. verlieh sie 1521 erstmals König Heinrich VIII. Charles selbst hatte schon 1994 als Prince of Wales angedeutet, den Glauben lieber allgemeiner verstehen zu wollen: „Ich persönlich würde es lieber als ‚Verteidiger des Glaubens‘ sehen, nicht ‚des einen Glaubens‘, weil das nur eine bestimmte Auslegung bedeutet.“ Bei seiner Krönung 2023 nutzte er dennoch die klassische Formel.

| Bisherige Bezeichnung | Neue Formulierung im Bericht 2025/26 |
|---|---|
| „Defender of the Faith“ (Verteidiger des Glaubens) | „Protector of the space for faith within the multifaith nation“ (Beschützer des Raums für den Glauben in einer multireligiösen Nation) |
Was die Änderung wirklich bedeutet
Trotz der aufgeregten Debatte gilt: Der offizielle, gesetzlich verankerte Titel des Königs ändert sich durch den Bericht nicht automatisch. Die neue Formulierung beschreibt zunächst nur, wie das Königshaus die Rolle des Monarchen beschreibt – eine förmliche Änderung des Titels „Defender of the Faith“ müsste das britische Parlament beschließen. Bislang ist das nicht geschehen. Für König Charles III. dürfte die Kontroverse dennoch ein Vorgeschmack darauf sein, wie genau seine Amtsführung künftig unter die Lupe genommen wird.
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Von: Julian Weber bearbeitet mit KI