Musikbusiness

Konzertabsagen: Veranstalter nennt unerwarteten Schuldigen

15.07.2026, 16:34 Uhr

Gestiegene Ticketpreise gelten für viele Konzertfans als Hauptgrund für die aktuelle Absage-Welle in der Musikbranche. Ein bekannter deutscher Festivalveranstalter widerspricht dieser Einschätzung nun deutlich – und richtet den Vorwurf an eine ganz andere Stelle.

Fans schieben Schuld auf hohe Ticketpreise

In den vergangenen Wochen mussten mehrere bekannte deutsche Musiker Konzerte absagen, weil zu wenige Tickets verkauft wurden – unter anderem Wincent Weiss, Max Giesinger und „Let’s Dance“-Sieger Gabriel Kelly. Viele Fans machen dafür die gestiegenen Kartenpreise verantwortlich.

Markus Krampe sieht das anders. Der Veranstalter organisiert seit Jahren Festivals wie das Glücksgefühle-Festival, 80er Live, Inselfieber und Rainbow und kennt die Branche von innen. Im Gespräch mit „Express.de“ benennt er eine weitere Ursache für die Krise: zu hohe Forderungen von Künstlern und ihren Managements.

Krampe wirft Künstlern und Management Gier vor

Als Beispiel nennt Krampe Wincent Weiss, der 2023 bei der Premiere des Glücksgefühle-Festivals auftrat. Seitdem sei dessen Gagenforderung um 40 Prozent gestiegen – trotz der Konzertabsage, durch die Weiss‘ Marktwert erheblich gesunken sei.

„Nun habe ich die Karten in der Hand und würde 2027 nicht mehr die Gage wie vor zwei, drei Jahren zahlen.“

Markus Krampe im Gespräch mit „Express.de“

Auch bei den Kosten für Technik, Dienstleister und Arenen habe es seit der Coronapandemie deutliche Steigerungen gegeben. Am Ende landen diese Mehrkosten bei den Konzertbesuchern. Noch deutlicher wird Krampe bei den Preisvorstellungen mancher Künstler: „Amerikanische Stars haben schon immer unverschämte Preise aufgerufen. Aber jetzt wollen auch deutsche Pop-Künstler, die vor wenigen Jahren 60 Euro pro Karte kosteten, 100 Euro haben. Das macht keiner mit“, zitiert ihn „Express.de“.

Wincent Weiss bei einem Konzert in Erfurt
Wincent Weiss live beim Antenne Thüringen Konzert, Erfurt, 22.11.2025. Foto: IMAGO / Future Image (Michael Kremer)

Nicht nur Wincent Weiss betroffen

Wincent Weiss ist in diesem Sommer kein Einzelfall. Mehrere Künstler aus dem Pop- und Schlagerumfeld mussten zuletzt Auftritte streichen, weil der Vorverkauf nicht ausreichte:

  • Wincent Weiss: Sagte ein Konzert in Willingen (Hessen) für August 2026 ersatzlos ab. Der Veranstalter begründete den Schritt damit, dass der Ticketverkauf nicht ausreiche, um die Produktion wirtschaftlich zu tragen.
  • Gabriel Kelly: Der „Let’s Dance“-Sieger und Sohn von Angelo Kelly musste wegen zu geringer Nachfrage nahezu seine komplette erste Solo-Tour im September 2026 absagen – nur ein Konzert in Rostock findet wie geplant statt.
  • Max Giesinger: Wird von Krampe ebenfalls als Beispiel für gestiegene Gagenforderungen in der Branche genannt.
Künstler Was passiert ist Genannter Grund
Wincent Weiss Konzert in Willingen (Hessen) ersatzlos abgesagt Zu wenige verkaufte Tickets
Gabriel Kelly Fast komplette Solo-Tour im September 2026 abgesagt Zu geringe Nachfrage
Max Giesinger Von Krampe als Beispiel für Gagenforderungen genannt Gestiegene Gagen laut Krampe

Veranstalter weisen Vorwurf der Preistreiberei zurück

Dass Veranstalter selbst für die hohen Ticketpreise verantwortlich seien, lässt Krampe nicht auf sich sitzen: „Es wird immer auf die geldgierigen Veranstalter geschimpft. Aber wenn die Kosten für Konzertinfrastruktur und Gagen fast verdoppelt wurden, was will man da machen?“, sagt er „Express.de“.

Leere Stuhlreihen vor einer menschenleeren, beleuchteten Konzertbühne als Symbolbild für abgesagte Konzerte
Symbolbild: Leere Ränge vor der Bühne – immer mehr Konzerte werden mangels Ticketverkauf abgesagt.

Krampes eigenes Festival bleibt von der Krise verschont

Von der Konzert-Krise merkt Krampe bei seinen eigenen Veranstaltungen bislang wenig. Sein Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring soll auch 2026 wieder rund 250.000 Besucher anziehen. Langfristig sieht er vor allem mittelgroße Veranstaltungen unter Druck: Die Leute gingen entweder zu den ganz großen Stars, die sie einmal sehen wollten, oder sie feierten kostenlos beim Straßenfest.

Von: Julian Weber bearbeitet mit KI

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