Stars

Stefanie Heinzmann: Dieser Satz zeigt ihre dunkelste Zeit

17.07.2026, 14:00 Uhr

Im SWR3-Podcast „Talk mit Thees“ spricht Stefanie Heinzmann so offen wie selten zuvor über ihre mentale Gesundheit – und über eine Zeit, die sie beinahe das Leben gekostet hätte.

Ein Podcast, der tief blicken lässt

Am 7. Juli 2026 veröffentlichte der Sender SWR3 eine neue Folge des Podcasts „Talk mit Thees“ mit Stefanie Heinzmann, 37, zu Gast. In den 67 Minuten spricht die Schweizer Sängerin laut Ankündigung des Senders über „die düsteren Zeiten von damals“ und über Panikattacken, die sie bis heute kurz vor Auftritten überkommen. Mentale Gesundheit ist für Heinzmann längst kein Tabuthema mehr: Sie macht seit 20 Jahren eine Therapie und hat das Thema inzwischen zu einem zentralen Bestandteil ihrer Musik gemacht.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von SWR3 (@swr3online)

Die Krise, die kaum jemand kommen sah

Was Heinzmann heute offen ausspricht, hat sie über die Jahre in mehreren Interviews rekonstruiert. Auslöser war ein Bandscheibenvorfall mit 16 Jahren. Starke Schmerzmittel, Schulstress und der Druck, mitzuhalten, kamen zusammen. Im Gespräch mit Tanja Gutmann in der Sendung „#mental“ (Schweizer Illustrierte, 2021) erinnerte sich die Sängerin: „Der Bandscheibenvorfall war der Startschuss, als es wirklich schwierig wurde. Ich war überfordert, es war mir einfach zu viel.“

Aus der Überforderung heraus entwickelte die junge Heinzmann eine Essstörung und begann, sich selbst zu verletzen – nach eigener Aussage als eine Art Ventil. In besonders schweren Momenten schrieb sie in ein Tagebuch, das sie erst Jahre später wiederfand.

„Ich schrieb irgendwann in ein Tagebuch, das ich Jahre später fand: ‚Ich will nicht sterben, aber ich mag nicht mehr leben.'“

Stefanie Heinzmann im Interview mit der Schweizer Illustrierten, 2021

Suizidgedanken seien in dieser Zeit nie ein Thema gewesen, betonte Heinzmann in demselben Gespräch. Dennoch wurde die Lage so ernst, dass sie sich vier Monate vor ihrem 18. Geburtstag selbst in eine geschlossene Psychiatrie einweisen ließ.

Drei Monate Klinik – und ein Neuanfang

In der Klinik verbrachte Heinzmann rund drei Monate. Die Therapie dort verlangte ihr einiges ab: Zeitweise habe sie zwei Stunden vor dem Teller gesessen, weil ihr das Essen so schwerfiel, erzählte sie später. Erst als sie lernte, ihr Essen in winzige Stücke zu schneiden, kam sie voran – ein Umgang mit dem Essen, den sie bis heute beibehalten hat, etwa auf Tournee, wo sie zeitweise ganz auf Besteck verzichtet.

Kurz nach ihrer Entlassung folgte eine Rückenoperation, die ihr die körperlichen Schmerzen endlich nahm. Nur wenige Monate später, im Januar 2008, gewann die damals 18-Jährige Stefan Raabs Castingshow „Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er (oder sie) möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf“ – und stand mit ihrer Single „My Man Is a Mean Man“ praktisch über Nacht an der Chartspitze in der Schweiz.

Bis heute: Therapie, Panikattacken und ein Album mit der eigenen Therapeutin

Der Erfolg kam, wie Heinzmann es rückblickend in der Awareness-Kampagne „Laut gedacht“ (Freunde fürs Leben, Juli 2025) beschrieb, „an einer sehr labilen Stelle“. Bis heute begleitet sie das Thema mentale Gesundheit: Seit 20 Jahren ist sie in Therapie, anfangs in Gesprächstherapie, mittlerweile in systemischer und energetischer Arbeit mit Rita Briand – ihrer Therapeutin seit dem 17. Lebensjahr und heute auch ihrer Freundin.

Stefanie Heinzmann performt live auf der Bühne bei einem Konzert
Stefanie Heinzmann live bei der Energy Star Night 2022 im Hallenstadion Zürich. Foto: IMAGO / Gonzales Photo (Tilman Jentzsch)

Mit Briand entwickelte Heinzmann das inhaltliche Konzept zu ihrem Album „Circles“, das am 10. Oktober 2025 erschien. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news (Oktober 2025) erklärte sie, wie bewusst sie inzwischen mit ihrer psychischen Gesundheit umgeht:

„Ich bin überzeugt, dass wir Verantwortung für unsere mentale Gesundheit übernehmen müssen – genauso wie für unsere körperliche. Wenn ich mir ein Bein breche, gehe ich zum Arzt. Wenn es mir mental nicht gut geht, gehe ich auch sofort zu einem Menschen, der mir helfen kann.“

Stefanie Heinzmann gegenüber spot on news, Oktober 2025

Ganz überwunden ist die Vergangenheit trotzdem nicht: Wie die aktuelle Podcast-Folge zeigt, plagen die Sängerin auch mit 37 Jahren noch Panikattacken kurz vor Auftritten. Gleichzeitig betont sie, heute so gut auf sich selbst zu achten wie nie zuvor.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Auslöser der Krise war ein Bandscheibenvorfall mit 16 Jahren, gefolgt von Essstörung und Selbstverletzung.
  • Vier Monate vor ihrem 18. Geburtstag ließ sich Heinzmann selbst in eine Psychiatrie einweisen.
  • Rund drei Monate blieb sie in der Klinik, bevor eine Rückenoperation ihr auch körperlich neuen Halt gab.
  • Nur ein Jahr später gewann sie Stefan Raabs Castingshow und wurde über Nacht bekannt.
  • Seit 20 Jahren ist sie in Therapie, ihr Album „Circles“ entstand in Zusammenarbeit mit ihrer Therapeutin.
  • Panikattacken vor Auftritten begleiten sie eigenen Angaben zufolge bis heute.

Steckbrief: Stefanie Heinzmann

Name Stefanie Fabienne Heinzmann
Alter 37 Jahre (Stand 2026)
Herkunft Eyholz, Kanton Wallis, Schweiz
Bekannt durch Sieg bei Stefan Raabs Castingshow (2008), Hit „My Man Is a Mean Man“
Aktuelles Album „Circles“ (10. Oktober 2025)
In Therapie seit 20 Jahren

Heinzmann selbst zieht aus ihrer Geschichte eine Botschaft, die sie auch anderen mitgeben möchte: dass es „immer eine Lösung“ gebe – „auch wenn es in dem Moment wirklich unvorstellbar ist.“

Hinweis: Wer selbst unter depressiven Verstimmungen oder Suizidgedanken leidet, findet bei der Telefonseelsorge (kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) sowie unter telefonseelsorge.de rund um die Uhr Unterstützung.

Von: Julian Weber bearbeitet mit KI

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

Neueste Meldungen