Ausgerechnet an einem besonderen Tag zieht Frank Rosin eine ehrliche Zwischenbilanz seiner Arbeit als Restaurant-Retter – und die fällt deutlich nüchterner aus, als viele Fans vermuten würden.
Vom Quereinsteiger zum Krisenhelfer der Gastro-Szene
2005 debütierte Christian Rach als erster „Restauranttester“ im deutschen Fernsehen. Vier Jahre später folgte ihm Frank Rosin mit dem Kabel-eins-Format „Rosins Restaurants“. Seit der ersten Folge im November 2009 hat der Sternekoch aus Dorsten insgesamt 166 in die Krise geratene Gaststätten in ganz Deutschland besucht – ungefiltert, ehrlich und mit klaren Worten, die immer wieder für Diskussionen sorgten.
Für Rosin gibt es dabei keine Alternative zur Direktheit:
„Immer wieder höre ich, dass ich in der Sendung hart oder gemein wäre. Das ist eine falsche Wahrnehmung. Ich sage den Menschen einfach die Wahrheit. Und die ist manchmal eben so krass, dass die Zuschauer sie kaum ertragen.“
Frank Rosin
„Katastrophaler Zustand“: Die nüchterne Bilanz nach 166 Restaurants
Wie die umfangreiche Informationsseite „Rosins Radar“ dokumentiert, sind aktuell nur noch 54 der 166 bislang getesteten Betriebe geöffnet. 101 Restaurants mussten trotz Rosins Hilfe dauerhaft schließen, elf wechselten im Laufe der Zeit den Besitzer. Das entspricht einer „Überlebensrate“ von gerade einmal 33 Prozent.
| Kategorie | Anzahl |
|---|---|
| Getestete Restaurants seit 2009 | 166 |
| Noch geöffnet | 54 |
| Dauerhaft geschlossen | 101 |
| Besitzerwechsel | 11 |
| „Überlebensrate“ | 33 % |
Warum so viele Betriebe scheitern
Auf die Frage, warum so viele deutsche Gaststätten in derart große Schwierigkeiten geraten, hat Frank Rosin eine klare Antwort:
„Die gastronomische Branche ist in einem katastrophalen Zustand. Es muss sich unbedingt etwas verändern bei der Ausbildung. Oft lernen Köche nur, wie man mit Lebensmitteln umgeht, aber nicht, wie man ein Team führt und ein Budget kalkuliert.“
Frank Rosin
Auch abseits der Kamera stößt Rosin dabei regelmäßig an seine Grenzen. In einem Instagram-Post berichtete er zuletzt: „Was viele Fans und Zuschauer nicht wissen: Rund 15 bis 20 Prozent der extremen Situationen können wir gar nicht zeigen. Sie sind schlichtweg nicht sendbar, so heftig sind sie.“
Diese Fälle vergisst Rosin nicht so schnell
In 18 Staffeln haben sich einige Einsätze besonders tief ins Gedächtnis von Frank Rosin und seinem Team eingebrannt:
- „Star Blue Kitchen“ und „Primavera“ in Weiden (Pfalz): Der Versuch, den Betrieb von Inhaber Mohammad zu retten, scheiterte an dessen Beratungsresistenz – Zuschauer erlebten in Staffel 17 einen der heftigsten Ausraster der Sendungsgeschichte.
- Diner „Mad Joe’s“ in Wernigerode: In Staffel vier musste Rosin 25 bestellte Testesser wieder nach Hause schicken, weil der zuständige Koch lieber Sport trieb, statt in der Küche zu stehen. „Das habe ich so noch nie erlebt“, zeigte sich der Sternekoch geschockt.
- „Heikes Fritten-Eck“ in Husum: Besitzerin Heike Stiebler-Hansen und Rosin kamen zunächst nicht auf einen Nenner. Kurz vor Drehende glätteten sich die Wogen zwar wieder – wenige Monate später musste der Imbiss aus gesundheitlichen Gründen dennoch dauerhaft schließen.

Trotz ernüchternder Zahlen: Rosin macht weiter
Auch die Zuschauerzahlen des Formats sind über die Jahre gesunken: Lockte „Rosins Restaurants“ zu Spitzenzeiten noch bis zu 1,5 Millionen Menschen vor die Bildschirme, schalteten zuletzt nur noch zwischen 0,5 und 0,8 Millionen ein. Aufgeben will Frank Rosin dennoch nicht: „Wir haben stets die Realität abgebildet. Heute ist es so, dass wir weiterhin und unbedingt helfen wollen, weil die Situation so ist, dass nicht mehr nur einzelne Restaurants Probleme haben, sondern die ganze Branche holprig aufgestellt ist. Daher finde ich es sehr wichtig, dass wir intern daran arbeiten, uns immer weiter zu verbessern“, so der Koch.
Die Bilanz veröffentlicht Rosin damit ausgerechnet an einem besonderen Datum: Am heutigen 17. Juli feiert der Sternekoch seinen 60. Geburtstag – nach fast 20 Jahren als TV-Gastronomie-Retter offenbar Anlass genug, auch einmal unbequeme Wahrheiten über die eigene Erfolgsbilanz auszusprechen.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI