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Künstlernamen: So heißen Heino, Roland Kaiser & Co. wirklich

20.10.2026, 12:13 Uhr

Ronald Keiler, Heinz Georg Kramm, Benjamin Fritsch: Diese Namen stehen auf keinem Konzertplakat – und doch gehören sie zu einigen der größten Stars der Schlagerwelt. Viele Sängerinnen und Sänger stehen seit Jahrzehnten unter einem Künstlernamen auf der Bühne. Manche haben ihn von der Plattenfirma bekommen, andere selbst ausgetüftelt, wieder andere tragen privat schlicht den Namen ihres Ehepartners. Und ein Star hat seinen Geburtsnamen in diesem Jahr sogar ganz abgelegt.

Warum so viele Schlagerstars einen Künstlernamen tragen

Der Griff zum Pseudonym hat im Schlager Tradition. Gerade in den 50er- und 60er-Jahren sollten Namen eingängig, international und ein bisschen glamourös klingen. Die häufigsten Gründe:

  • Die Plattenfirma wollte es so: Viele Namen entstanden am Schreibtisch von Produzenten und Managern.
  • Klang und Wiedererkennung: Kurze, markante Namen bleiben im Radio und auf dem Plakat besser hängen.
  • Internationales Flair: Englisch oder italienisch klingende Namen waren lange Zeit im Trend.
  • Heirat: Einige Stars behalten ihren Bühnennamen, tragen privat aber längst einen anderen Nachnamen.

Die Legenden: So hießen die großen Schlagerstars wirklich

Heino – Heinz Georg Kramm

Er ist wohl das bekannteste Beispiel: Heino kam am 13. Dezember 1938 in Düsseldorf als Heinz Georg Kramm zur Welt. Aus Heinz Georg wurde schlicht „Heino“ – ein Name, den heute fast jeder in Deutschland kennt. Laut Wikipedia nutzte der Volksmusik-Star, der im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk zur Welt kam, zudem weitere Pseudonyme wie „Gio Bilk“.

Heino mit Sonnenbrille auf dem roten Teppich bei BILD100 in Berlin
Heino auf dem roten Teppich bei BILD100, Berlin, 08.09.2026. Foto: IMAGO / Eventpress (Christina Kratsch)

Roy Black – Gerhard Höllerich

Der Mädchenschwarm der 60er hieß eigentlich Gerhard Höllerich und wurde 1943 in Straßberg bei Augsburg geboren. Der Künstlername war für ein amerikanisches Publikum gedacht – Höllerich trat damals vor US-Soldaten in Augsburg auf. „Black“ spielte auf sein schwarzes Haar an, das ihm den Spitznamen „Blacky“ eingebracht hatte, „Roy“ war eine Verbeugung vor seinem Idol Roy Orbison. Roy Black starb 1991.

Rex Gildo – Ludwig Franz Hirtreiter

Geboren 1936 in Straubing als Ludwig Franz Hirtreiter, trat er zunächst als „Alexander Gildo“ auf. Seinen endgültigen Künstlernamen Rex Gildo nahm er 1959 an, als er bei der Plattenfirma Electrola unterschrieb.

Udo Jürgens – Jürgen Udo Bockelmann

Bei Udo Jürgens war der Schritt klein: Geboren wurde er 1934 in Klagenfurt als Jürgen Udo Bockelmann – er drehte seine Vornamen also einfach um. Später machte er das sogar amtlich: 2010 bewilligten die Behörden die Änderung seiner Vornamen in „Udo Jürgens“. Seither lautete sein bürgerlicher Name Udo Jürgens Bockelmann.

Tony Marshall – Herbert Anton Bloeth

Der Sänger von „Schöne Maid“ kam 1938 in Baden-Baden als Herbert Anton Bloeth zur Welt. Später nahm er den Geburtsnamen seiner Mutter an und hieß bürgerlich Herbert Anton Hilger. Tony Marshall starb im Februar 2023.

Costa Cordalis – Konstandinos Kordalis

Hier ist die Nähe zum echten Namen unüberhörbar: Costa Cordalis wurde 1944 im griechischen Elatia als Konstandinos Kordalis geboren. Der „Anita“-Sänger starb 2019 auf Mallorca.

Vicky Leandros – Vasiliki Papathanasiou

Die Grand-Prix-Siegerin von 1972 stammt von Korfu und wurde als Vasiliki Papathanasiou geboren. Ihr Vater war ebenfalls Musiker und trat unter dem Namen Leo Leandros auf – mit bürgerlichem Namen Leandros Papathanasiou. Der Bezug liegt also nahe.

Die Hitgaranten der 80er und 90er

Roland Kaiser – Ronald Keiler

Aus Ronald wurde Roland, aus Keiler wurde Kaiser: Der Sänger von „Santa Maria“ kam am 10. Mai 1952 in West-Berlin als Ronald Keiler zur Welt. Der Familienname lebt übrigens weiter – seine Tochter Annalena tritt öffentlich als Annalena Keiler auf.

Roland Kaiser mit Tochter Annalena Keiler bei der Bambi-Verleihung in München
Roland Kaiser mit Tochter Annalena Keiler bei der 77. Bambi-Verleihung, München, 13.11.2025. Foto: IMAGO / Future Image (B. Insinger)

Wolfgang Petry – Franz Hubert Wolfgang Remling

Mit „Wahnsinn“ schrieb er Partygeschichte, doch im Ausweis stand ein ganz anderer Name: Wolfgang Petry wurde 1951 in Köln als Franz Hubert Wolfgang Remling geboren. Immerhin: Der Vorname Wolfgang ist echt.

Andy Borg – Adolf Andreas Meyer

Der Wiener kam 1960 als Adolf Andreas Meyer zur Welt. Der Nachname passte seinem Produzenten offenbar überhaupt nicht. Andy Borg erinnerte sich laut teleschau:

„Mein damaliger Produzent hat gemeint, Meyer sei nix.“

Andy Borg über seinen Geburtsnamen (via teleschau)

Der neue Nachname entstand laut Wikipedia auf Anraten von Kurt Feltz – in Anlehnung an den damals populären Tennisspieler Björn Borg.

G. G. Anderson – Gerd Grabowski

Er brauchte gleich mehrere Anläufe: Gerd Grabowski, geboren 1949 in Eschwege, trat ab 1973 als „Alexander Marco“ und von 1977 bis 1979 als „Tony Bell“ auf. Erst seit 1980 kennt man ihn als G. G. Anderson.

Patrick Lindner – Friedrich Günther Raab

Der Münchner wurde 1960 als Friedrich Günther Raab geboren – mit Stefan Raab ist er nicht verwandt. Leicht war die Namensfindung nicht, wie er im Gespräch mit dem Magazin „Planet Interview“ verriet:

„Das geschah in Zusammenarbeit mit meiner damaligen Plattenfirma und war gar nicht so einfach.“

Patrick Lindner im Interview mit „Planet Interview“

Nino de Angelo – Domenico Gerhard Gorgoglione

Der „Jenseits von Eden“-Sänger kam 1963 in Karlsruhe als Domenico Gerhard Gorgoglione zur Welt. Seine ersten Platten erschienen schlicht unter „Nino“, 1982 folgte die erste Single als Nino de Angelo.

Guildo Horn – Horst Heinz Köhler

„Guildo hat euch lieb!“ – aber eigentlich heißt er Horst Heinz Köhler. Der Meister des Schlager-Klamauks wurde 1963 in Trier geboren.

Die Stars von heute: Ihre bürgerlichen Namen

Andrea Berg – Andrea Ferber, geborene Zellen

Andrea Berg kam am 28. Januar 1966 in Krefeld als Andrea Zellen zur Welt. Seit ihrer Hochzeit mit dem Hotelier Uli Ferber im Jahr 2007 heißt sie bürgerlich Andrea Ferber.

Andrea Berg auf der Bühne beim Heimspiel Open-Air in Aspach
Andrea Berg beim 21. Heimspiel Open-Air in Aspach, 18.07.2026. Foto: IMAGO / Eibner-Pressefoto (Gerhard Wingen)

Vanessa Mai – Vanessa Ferber, geborene Mandekić

Kurios: Auch Vanessa Mai heißt privat Ferber. Sie ist mit Andreas Ferber verheiratet, dem Sohn von Uli Ferber – Andrea Berg ist damit ihre Schwiegermutter. Geboren wurde Vanessa Mai 1992 in Backnang als Vanessa Marija Else Mandekić. Ihren Künstlernamen wählte sie nach ihrem Geburtsmonat: Sie kam am 2. Mai zur Welt. Über ihre berühmte Schwiegermutter sagt sie laut WEB.DE:

„Andrea ist eine Ikone. Aber auch einfach Familie.“

Vanessa Mai über Andrea Berg

Ben Zucker – Benjamin Fritsch

Der Rock-Schlager-Star wurde 1983 in Ueckermünde als Benjamin Fritsch geboren. Die Idee zum Künstlernamen lieferte ein Film, wie er in der NDR-Talkshow „DAS!“ erzählte:

„Also, mein Lieblingsschauspieler war Henry Hübchen. Der spielte eine ganz tolle Rolle in dem Film ‚Alles auf Zucker‘.“

Ben Zucker in „DAS!“ (NDR)

Mehr zur Geschichte hinter dem Namen Ben Zucker lesen Sie hier.

DJ Ötzi – Gerhard „Gerry“ Friedle

Der „Ein Stern“-Interpret kam am 7. Januar 1971 in St. Johann in Tirol als Gerhard Friedle zur Welt. Sein Spitzname lautet „Gerry“.

Michelle – Tanja Gisela Hewer

Die Sängerin von „Wer Liebe lebt“ wurde 1972 in Villingen-Schwenningen als Tanja Gisela Hewer geboren. Auf der Bühne verzichtet sie seit jeher auf einen Nachnamen.

Mickie Krause – Michael Engels

Der Ballermann-König stammt aus dem Münsterland: Michael Engels wurde 1970 in Wettringen geboren. Aus Michael wurde „Mickie“ – zur Herkunft des Nachnamens „Krause“ finden sich keine belastbaren Angaben.

Ella Endlich – Jacqueline Zebisch

Hinter Ella Endlich steckt Jacqueline Zebisch, geboren 1984 in Weimar. Ihr Name ist ein echtes Familienprojekt: „Ella“ setzt sich laut Wikipedia aus den Vornamen zweier Cousinen ihrer Großmutter zusammen, Eleonore und Hella, „Endlich“ ist der Nachname ihres Vaters Norbert. Ihren ersten Plattenvertrag hatte sie 1998 noch unter dem Namen „Junia“ – passend zu ihrem Geburtsmonat Juni.

Auch im Pop: Sarah Connor und Mark Forster

Sarah Connor wurde 1980 in Delmenhorst als Sarah Marianne Corina Lewe geboren, bürgerlich trägt sie den Namen Terenzi-Fischer. Ihren Künstlernamen wählte sie mit Blick auf ihre irisch-amerikanischen Wurzeln – mit der „Terminator“-Figur hat er nach eigenen Angaben nichts zu tun. Zuletzt sorgte sie mit der Nachricht für Schlagzeilen, dass sie und Florian Fischer kein klassisches Ehepaar mehr sind.

Mark Forster heißt eigentlich Mark Ćwiertnia und kam 1983 in Kaiserslautern zur Welt. Seinen Künstlernamen verdankt er einem Zufall: Ein Mitarbeiter einer Plattenfirma speicherte seine Nummer nach einem Besuch in seinem Studio in der Berliner Forster Straße als „Mark Forster“ ab.

Alle echten Namen auf einen Blick

Künstlername Echter Name Geboren
Heino Heinz Georg Kramm 1938, Düsseldorf
Roy Black Gerhard Höllerich 1943, Straßberg
Rex Gildo Ludwig Franz Hirtreiter 1936, Straubing
Udo Jürgens Jürgen Udo Bockelmann 1934, Klagenfurt
Tony Marshall Herbert Anton Bloeth (später Hilger) 1938, Baden-Baden
Costa Cordalis Konstandinos Kordalis 1944, Elatia
Vicky Leandros Vasiliki Papathanasiou Korfu
Roland Kaiser Ronald Keiler 1952, Berlin
Wolfgang Petry Franz Hubert Wolfgang Remling 1951, Köln
Andy Borg Adolf Andreas Meyer 1960, Wien
G. G. Anderson Gerd Grabowski 1949, Eschwege
Patrick Lindner Friedrich Günther Raab 1960, München
Nino de Angelo Domenico Gerhard Gorgoglione 1963, Karlsruhe
Guildo Horn Horst Heinz Köhler 1963, Trier
Andrea Berg Andrea Ferber, geb. Zellen 1966, Krefeld
Vanessa Mai Vanessa Ferber, geb. Mandekić 1992, Backnang
Ben Zucker Benjamin Fritsch 1983, Ueckermünde
DJ Ötzi Gerhard Friedle 1971, St. Johann in Tirol
Michelle Tanja Gisela Hewer 1972, Villingen-Schwenningen
Mickie Krause Michael Engels 1970, Wettringen
Ella Endlich Jacqueline Zebisch 1984, Weimar
Thomas Anders Bernd Weidung (seit 2026 amtlich Thomas Anders) 1963, Mörz
Infografik: Künstlername und echter Name von acht Schlagerstars im Vergleich
Künstlername vs. echter Name: acht Schlagerstars im Überblick. Grafik: Schlagerplanet

Thomas Anders: Aus dem Künstlernamen wird der echte Name

Einen Sonderfall gibt es 2026: Thomas Anders kam 1963 im rheinland-pfälzischen Mörz als Bernd Weidung zur Welt. Diesen Namen gibt es inzwischen nicht mehr – seit Februar 2026 steht in seinem Pass nur noch „Thomas Anders“. Auslöser war laut WEB.DE (mit Material von spot on news) Ärger am Flughafen nach einem Konzert in Dubai, weil sein Ticket auf den Künstlernamen ausgestellt war, die Airline aber nur den Namen aus dem Pass kannte.

Thomas Anders singt bei Best of Popschlager in der Turbinenhalle Oberhausen
Thomas Anders bei „Best of Popschlager“ in der Turbinenhalle Oberhausen, 11.04.2026. Foto: IMAGO / Funke Foto Services (Kerstin Bögeholz)

Auch die Familie hat den Schritt mitgemacht: Ehefrau Claudia heißt nun offiziell Claudia Anders, Sohn Alexander trägt ebenfalls den neuen Nachnamen. Claudia Anders brachte es auf den Punkt:

„Jetzt heißen wir alle anders.“

Claudia Anders über die Namensänderung der Familie

Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel „Bürgerlicher Name ausgelöscht: Thomas Anders und Familie müssen Nachnamen ändern“. Damit ist Thomas Anders der seltene Fall, in dem der Künstlername am Ende zum echten Namen wurde – ein Weg, den vor ihm schon Udo Jürgens zumindest bei den Vornamen gegangen war.

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