Fünf Jahre lang war Claudia Obert Mitglied der CDU – jetzt ist Schluss. Die Hamburger Mode-Unternehmerin und Reality-TV-Darstellerin hat ihren Austritt aus der Partei bekannt gegeben. Ausschlaggebend war ein Wahlabend, der die deutsche Parteienlandschaft durchgerüttelt hat.
Claudia Obert ist es gewohnt, mit klaren Worten aufzufallen. Bislang ging es dabei meist um Champagner, Mode oder ihre Auftritte im Reality-TV. Diesmal geht es um Politik: Rund fünf Jahre nach ihrem Eintritt in die Hamburger CDU hat die 64-Jährige der Partei den Rücken gekehrt. In einem Interview mit der „Bild“ erklärte sie ihre Entscheidung – und teilte dabei kräftig aus.
Der Wahlabend, der den Ausschlag gab
Auslöser für den Schritt war die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. Die AfD wurde dort mit deutlichem Abstand stärkste Kraft, die CDU rutschte auf ihr schlechtestes Landtagswahlergebnis in dem Bundesland ab. Für Obert ist die Verantwortung dafür klar verteilt.
„Weil die CDU versagt hat, hat die AfD Aufwind. Die meisten Leute wissen gar nicht, was sie da wählen, die kotzt einfach nur alles an.“
Claudia Obert im Interview mit der „Bild“
Sie deutet das Ergebnis damit vor allem als Protestwahl – als Quittung für eine Regierungsarbeit, die aus ihrer Sicht zu wenig geliefert hat. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie deutlich die Verschiebung ausgefallen ist.
| Partei | Ergebnis 2026 | Sitze im Landtag |
|---|---|---|
| AfD | 43,8 % | 39 |
| CDU | 17,2 % | 15 |
| SPD | 9,3 % | 8 |
| Grüne | 8,9 % | 8 |
| Die Linke | 8,6 % | 8 |
| BSW | 5,3 % | 5 |
| FDP | 2,6 % | – |
Die Wahlbeteiligung lag laut Bundeszentrale für politische Bildung bei 77,8 Prozent – deutlich höher als bei der Wahl 2021.
Ihre Kritik an der Regierungsarbeit
Obert stört sich weniger an einzelnen Personen als am Tempo. Die schwarz-rote Koalition im Bund suche seit gut anderthalb Jahren nur den kleinsten gemeinsamen Nenner, sagt sie der „Bild“, und habe keinen einzigen „Big Point“ gesetzt.
„Sie reden über Reformen, aber es finden keine statt. Das Land ist dermaßen reformbedürftig. Es ist alles nur ein Flickenteppich, aber nichts Großes.“
Claudia Obert im Interview mit der „Bild“
Konkret nennt sie mehrere Punkte, die sie anders angehen würde:
- Steuern auf Mehrarbeit: Überstunden und Wochenendarbeit würde sie „sofort steuerfrei stellen“.
- Krankschreibungen: Die Regelung ab dem ersten Fehltag hält sie für „weltfremd“.
- Kaufkraft: „Eine Krankenschwester sollte sich einen Friseurbesuch noch leisten können.“
- Wirtschaft und Migration: Hier sieht sie die Regierung schlicht als gescheitert an.

Harte Worte über Friedrich Merz
Besonders deutlich wird Obert, wenn es um den Bundeskanzler geht. Ihre Kritik an Friedrich Merz formuliert sie in der Sprache, die sie aus ihrem eigenen Berufsalltag kennt – der einer Unternehmerin, die Leistung an Ergebnissen messen will.
„Ich habe das Gefühl, er macht Politik zum Selbstzweck. Die Leistung ist mangelhaft. In jedem Unternehmen würde er sofort gefeuert werden.“
Claudia Obert über Friedrich Merz, im Interview mit der „Bild“
Sie wirft ihm zudem vor, „noch nie an der Front gearbeitet“ zu haben. Eine Reaktion der CDU oder des Kanzlers auf Oberts Austritt ist bislang nicht bekannt.
Der Blick auf ihr eigenes Geschäft
Dass die Unternehmerin so wirtschaftlich argumentiert, hat einen naheliegenden Grund: Obert verkauft seit den 1990er-Jahren Mode, Schuhe und Accessoires. Und dieses Geschäft läuft nach eigener Aussage schlechter als früher.
„Mein Umsatz ging von 5 Millionen auf 3,4 Millionen runter. Aber meine Kosten bleiben. Und steigen sogar ständig.“
Claudia Obert im Interview mit der „Bild“
Aus Sicht der Branche ist diese Verbindung von Privatem und Politischem typisch für Oberts Auftreten: Sie erklärt große Zusammenhänge konsequent am eigenen Kassenzettel. Für den Austritt findet sie entsprechend ein Bild aus dem Privatleben – „Wenn du mit deinem Ehemann unzufrieden bist, musst du die Biege machen.“
Claudia Obert: Das Wichtigste im Überblick
| Steckbrief | Angabe |
|---|---|
| Name | Claudia Obert |
| Geboren | 24. September 1961 in Freiburg im Breisgau |
| Wohnort | Hamburg-Eppendorf |
| Beruf | Mode-Unternehmerin, Reality-TV-Darstellerin |
| Bekannt aus | „Promi Big Brother“ (2017), „Promis unter Palmen“ (2020, 2025), „Kampf der Realitystars“ (2021, Platz 3), „Das Sommerhaus der Stars“ (2023) |
| CDU-Mitglied | rund fünf Jahre, Eintritt 2021 in Hamburg, Austritt im September 2026 |
Reaktionen aus der Promiwelt
In der Reality-Szene bleibt so ein Schritt nicht unkommentiert. Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, meldete sich unter anderem Sängerin Indira Weis mit einem Kommentar auf Instagram und wurde dabei noch deutlicher als Obert selbst: Merz reiße „alle mit in den Untergang“. Andere Kolleginnen und Kollegen hielten sich zurück.

Dass Obert in der Boulevard-Berichterstattung regelmäßig auftaucht, ist nichts Neues – zuletzt etwa als Gast auf der Geburtstagsparty von Katja Krasavice. Auch andere Gesichter der Szene wie Georgina Fleur nutzen ihre Reichweite immer häufiger für persönliche Statements, und im „Sommerhaus der Stars“ sorgen klare Ansagen ohnehin zuverlässig für Gesprächsstoff.
Wohin ihr Kreuz künftig wandert
Bleibt die Frage, die sich nach jedem Parteiaustritt stellt: Was nun? Ein Rückzug aus der Politik ist es bei Claudia Obert offenbar nicht. Sie hat sich schon entschieden, wem ihre Stimme künftig gehört – und zwar der Partei, die bei der Wahl in Sachsen-Anhalt mit 2,6 Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist.
„Der Gedanke und das Programm von der FDP sind schon immer die besten gewesen.“
Claudia Obert im Interview mit der „Bild“
Ob daraus mehr wird als eine Wahlentscheidung – etwa eine neue Parteimitgliedschaft – ließ Obert offen. Ihre Ankündigung von 2021, sich politisch einbringen zu wollen, hat sie damit jedenfalls nicht zurückgenommen. Nur die Adresse hat sich geändert.