Der ZDF-Fernsehgarten gilt als Herz der deutschen Schlagerunterhaltung – und als begehrte Bühne für Hunderte Künstler, die jeden Sommer auf dem Mainzer Lerchenberg auftreten. Doch was steckt finanziell wirklich dahinter? Künstler wie Ikke Hüftgold haben das Schweigen gebrochen – und sprechen von einer „Frechheit“.
Seit den Achtzigerjahren ist der Fernsehgarten fester Bestandteil des ZDF-Programms. Zuerst moderierte Ilona Christen, seit dem Jahr 2000 führt Andrea Kiewel sonntags durch die Sendung. Stars wie Howard Carpendale, Bernhard Brink oder Maite Kelly gehören zu den Stammgästen. Das Publikum liebt die Show – doch hinter den Kulissen sieht die Realität für viele Künstler deutlich trüber aus.
750 Euro – für zwei volle Arbeitstage
Ikke Hüftgold, bürgerlich Matthias Distel, zählt zu den wenigen Künstlern, die offen über ihre Fernsehgarten-Gage gesprochen haben. Im Interview mit t-online ließ er die Katze aus dem Sack: 750 Euro Aufwandsentschädigung – das ist alles, was er für seinen Auftritt beim ZDF erhielt. Und diese Summe deckt bei Weitem nicht einmal die anfallenden Reisekosten.
„Dafür muss man mit seinem Team samstags schon auf eigene Kosten zur Probe anreisen und sonntags wieder zur Show. Wir reden also von zwei Tagen Arbeit.“
Ikke Hüftgold gegenüber t-online
Bereits am Samstag müssen die Musiker und ihre Teams auf eigene Kosten nach Mainz anreisen – am Sonntag folgt die eigentliche Live-Sendung. Zwei volle Tage, für die das ZDF lediglich eine symbolische Aufwandsentschädigung zahlt.
„Die meisten Künstler machen ein fettes Minus“
Für Partyschlager-Acts und Ballermannstars ist die Situation besonders bitter. Das ZDF ordnet sie als „Newcomer“ ein und verkauft ihnen den Auftritt als wertvolle Werbeplattform – eine Sichtweise, die Ikke Hüftgold empört zurückweist:
„Die meisten Künstler machen dabei ein fettes Minus. Und im Gegenzug bringen wir dem ZDF die höchste Einschaltquote des Jahres. Für mich eine Frechheit, die ihresgleichen sucht.“
Ikke Hüftgold gegenüber t-online
Der Sänger weist zudem darauf hin, dass es eine deutliche Zwei-Klassen-Gesellschaft im Fernsehgarten gibt: Etabliertere Musiker sollen mehrere 1.000 Euro für ihre Auftritte erhalten, während Partyschlager-Acts leer ausgehen – mit der Begründung, die Sendung sei eine „großartige Promo-Chance“.
Markus Becker: „Fernsehauftritte bringen nicht viel Geld“
Auch Markus Becker, bekannt durch seinen Hit „Das rote Pferd“, bestätigt das ernüchternde Bild. Der Fernsehgarten sei keine Einnahmequelle, sondern eine Werbeplattform:
„Fernsehauftritte allgemein bringen nicht viel Geld, da geht es eher um Aufwandsentschädigungen. Da muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er da mitspielen will oder nicht.“
Markus Becker gegenüber t-online
Becker selbst möchte grundsätzlich gerne im Fernsehgarten auftreten – wurde jedoch weder im vergangenen noch im laufenden Jahr eingeladen.
Welche Stars dem Fernsehgarten fernbleiben
Für einige namhafte Künstler ist die niedrige Vergütung ein klarer Ausschlussgrund. Sie glänzen beim ZDF durch Abwesenheit:
- Roland Kaiser – meidet die Show aufgrund unzureichender Bezahlung.
- Matthias Reim – ebenfalls aus finanziellen Gründen nicht mehr dabei.
- Roberto Blanco – war zuletzt vor über 13 Jahren zu Gast bei Andrea Kiewel.
Roberto Blancos Rückzug hat eine klare Geschichte: Das ZDF wollte bestehende Verträge zu seinen Ungunsten abändern – der Entertainer lehnte ab. Sein Standpunkt ist unmissverständlich:
„Ich werde immer bezahlt für meine Auftritte. Wenn sie mich nicht mehr bezahlen wollen, dann komme ich nicht mehr.“
Roberto Blanco gegenüber t-online (2019)
ZDF schweigt zu konkreten Zahlen
Auf Nachfrage von t-online hält sich das ZDF zu den Details komplett bedeckt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu den Verträgen mit den Acts keine Angaben machen können.“ Transparenz sieht anders aus.
Die Fernsehgarten-Gagen im Überblick
| Künstler-Kategorie | Vergütung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Partyschlager / Ballermann-Acts | ~750 Euro Aufwandsentschädigung | Keine echte Gage; Reisekosten selbst zu tragen |
| Etablierte Schlagerstars | Mehrere 1.000 Euro | Laut Angaben von Ikke Hüftgold |
| Top-Stars (z. B. Roberto Blanco) | Individuell verhandelt | Blanco lehnte Vertragsänderungen ab und blieb der Show fern |
| ZDF-Aussage | Keine Auskunft | „Wir bitten um Verständnis…“ |
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer als Schlagerkünstler beim ZDF-Fernsehgarten auftreten möchte, muss in vielen Fällen draufzahlen. Der Sender profitiert von Rekordeinschaltquoten – die Künstler zahlen die Zeche. Ob 750 Euro Aufwandsentschädigung für zwei Arbeitstage eine angemessene Gegenleistung ist, darf jeder selbst beurteilen.