Der MDR muss bis 2028 rund 160 Millionen Euro einsparen – und die Streichliste liest sich schmerzhaft. Doch inmitten all der schlechten Nachrichten gibt es für Schlagerfans einen wichtigen Silberstreif am Horizont.
Rotstift beim MDR – diese Sendungen fallen weg
Wer in den vergangenen Wochen die Medienseiten verfolgt hat, weiß: Beim Mitteldeutschen Rundfunk regiert der Sparplan. Programmdirektor Boris Lochthofen, seit dem 1. April 2026 an der Spitze der fusionierten Programmdirektion Leipzig/Halle, hat die schmerzhaften Entscheidungen bereits kommuniziert. Ein Überblick über die wichtigsten Kürzungen:
| Sendung / Bereich | Maßnahme |
|---|---|
| „Tatort“ und „Polizeiruf 110″ | Neuproduktionen aus Dresden und Magdeburg pausieren für drei Jahre |
| „Mittagsmagazin“ | MDR gibt die Produktion ab, der NDR übernimmt |
| „MDR um 2″ | Einstellung zum Jahresende 2026 |
| Mehrere MDR-Radiosender | Abschaltung des terrestrischen Empfangs |
Für viele MDR-Fans und Produktionsfirmen sind das einschneidende Entscheidungen. Doch auf eine entscheidende Frage gibt Lochthofen in einem aktuellen Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de eine klare Antwort – und die hält eine echte Überraschung bereit.
Warum gerade „Tatort“ und „Polizeiruf“?
Die Entscheidung, ausgerechnet die Krimiklassiker zu pausieren, war bewusst kalkuliert. Lochthofen erläutert die Abwägung im DWDL.de-Interview vom 17. Juni 2026 offen:
„Wenn wir diese Pause nicht machen würden, müssten wir ein Sparvolumen von rund 20 Millionen Euro in den kommenden Jahren einmal über sämtliche Redaktionen des Hauses ziehen.“
Boris Lochthofen, MDR-Programmdirektor, im Interview mit DWDL.de (17.06.2026)
Anders formuliert: Die Tatort- und Polizeiruf-Pause schützt alle anderen Bereiche vor pauschalen Kürzungen. Die Alternative – 20 Millionen Euro breit über alle Redaktionen zu verteilen – hätte auch die Unterhaltungsformate und die journalistischen Kernbereiche empfindlich getroffen. Eine Lösung, die laut Lochthofen „massiv schmerzhaft, aber sehr vertretbar“ sei.
Lochthofen klar: „Wir verzichten auf keinen Fall auf Unterhaltung“
Gefragt nach der Zukunft der großen Unterhaltungsmarken des MDR – zu denen beliebte Schlager- und Volksmusikformate gehören – macht der Programmdirektor unmissverständlich klar, wo die Prioritäten liegen:
„Wir haben einen ganzheitlichen Job und es gehört dazu, dass wir die Menschen nicht nur mit schweren Themen konfrontieren. Gleichzeitig verzichten wir auf keinen Fall auf Unterhaltung.“
Boris Lochthofen, MDR-Programmdirektor, im Interview mit DWDL.de (17.06.2026)
Mehr noch: Lochthofen kündigt an, dass der MDR seine Unterhaltungskonzepte bereits weiterentwickelt habe und künftig noch stärker in die Regionen gehen wolle. Das Format Hol Dir Deine Show!, das in Gemeinden abseits der großen Zentren gastiert, soll ausgebaut werden. Unterhaltung bleibt damit nicht nur erhalten, sondern soll sogar sichtbarer und nahbarer werden.
Blick nach vorne: BVerfG-Entscheidung als entscheidendes Datum
Noch ist nicht das letzte Wort gesprochen. Am 23. Juni 2026 verhandelt das Bundesverfassungsgericht über den Rundfunkbeitrag. ARD und ZDF haben Verfassungsbeschwerde eingelegt, weil die Bundesländer die von der KEF empfohlene Erhöhung auf 18,64 Euro – eigentlich fällig seit Januar 2025 – blockiert hatten. Lochthofen selbst macht keinen Hehl daraus, was ein positives Urteil bedeuten würde:
„Sollte es tatsächlich keine Beitragserhöhung auf 18,64 Euro geben, wären weitere Einsparungen unvermeidbar.“
Boris Lochthofen, MDR-Programmdirektor, im Interview mit DWDL.de (17.06.2026)
Im Umkehrschluss: Entscheidet das Bundesverfassungsgericht zugunsten der Sender, würden weitere Programmkürzungen beim MDR überflüssig – für Schlagerfans wäre das ein doppelt gutes Signal.
Das Fazit ist damit eindeutig: Die Sparentscheidungen des MDR treffen bewusst nicht die Unterhaltung. Schlager- und Volksmusikformate sind nach aktuellem Stand nicht von den Kürzungen betroffen. MDR-Programmdirektor Lochthofen hat das in einem Interview erstmals in aller Klarheit ausgesprochen. Für die Fangemeinde, die sich nach den zuletzt düsteren Schlagzeilen um ihre Lieblingssendungen gesorgt hatte, ist das eine echte Entwarnung.
Zum Hintergrund: Mehr zur finanziellen Lage des MDR und den geplanten Einsparungen lest ihr hier.