Sie kamen am selben Tag zur Welt, saßen als Mädchen gemeinsam im Theater und gingen nach der Biermann-Ausbürgerung beide in den Westen: Nina Hagen hat ihre Freundin seit Kindertagen verloren. Auf Facebook nimmt die 71-Jährige mit sehr persönlichen Worten Abschied von Sibylle Havemann – und nennt sich selbst „Bylles sister“.
Mit „Du hast den Farbfilm vergessen“ landete Nina Hagen 1974 einen der bekanntesten Hits der DDR, später wurde sie als „Godmother of Punk“ weltberühmt. Ihr jüngster Facebook-Beitrag zeigt aber nicht die schrille Punk-Ikone, sondern ein junges Mädchen mit Gitarre. Das alte Foto hat eine besondere Geschichte – und einen traurigen Anlass.
Ein Foto aus Grünheide, aufgenommen 1970
Aufgenommen hat das Bild ausgerechnet die Frau, um die Nina Hagen jetzt trauert. Dazu schreibt die Sängerin:
„Anno 1970 hat meine geliebte Freundin Sibylle Havemann dieses Foto von mir geknipst, im Haus ihres Vaters Robert in Grünheide, ein süsses Kindheitsfoto von ihr hängt an der Wand, direkt über meinem Kopf…“
Nina Hagen auf Facebook
Das Haus in Grünheide bei Berlin gehörte Robert Havemann, Sibylles Vater – einem Wissenschaftler und einem der bekanntesten Regimekritiker der DDR.
Am selben Tag geboren – und „jahrelang unzertrennlich“
Die Verbindung der beiden Frauen reicht weit zurück. Laut Nina Hagens Beitrag kamen sie am 11. März 1955 zur Welt, also am selben Tag im selben Jahr. Ab dem elften Lebensjahr seien sie „regelmässig + jahrelang unzertrennlich ins Berliner Ensemble gepilgert“ und hätten dort gemeinsam alle Brecht-Theaterstücke genossen, schreibt die Sängerin.
| Nina Hagen | Sibylle Havemann | |
|---|---|---|
| Geboren | 11. März 1955 | 11. März 1955 (laut Nina Hagen) |
| Familie | Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen | Tochter des DDR-Regimekritikers Robert Havemann |
| Verbindung zu Wolf Biermann | Biermann war der Lebensgefährte ihrer Mutter | war mit Biermann liiert, zwei gemeinsame Kinder |
| Weg in den Westen | 1976, nach Biermanns Ausbürgerung | wenig später |
Die Biermann-Ausbürgerung veränderte ihr Leben
Auch politisch waren die Lebenswege der beiden eng verknüpft. Sibylle Havemann war mit dem Liedermacher Wolf Biermann liiert und hat mit ihm zwei Kinder. Biermann wiederum war der Lebensgefährte von Nina Hagens Mutter, der Schauspielerin Eva-Maria Hagen.
Als die DDR Biermann im November 1976 nach einem Konzert in Köln die Staatsbürgerschaft entzog, gehörten Nina Hagen und Sibylle Havemann laut t-online zu denen, die ihn unterstützten und gegen die Ausbürgerung protestierten. Beide verließen die DDR wenig später und zogen in den Westen – Nina Hagen ließ sich zunächst in Hamburg nieder.

„Nun ist Bylle uns in unsere ewige Heimat vorausgegangen“
Den Tod ihrer Freundin macht Nina Hagen in ihrem Beitrag mit tief religiösen Worten öffentlich. Sie schreibt:
„Nun ist Bylle uns in unsere ewige Heimat vorausgegangen. Gott hab sie selig! Wir sind in ewiger Liebe miteinander vereint!“
Nina Hagen auf Facebook
Ihre Gedanken richtet sie auch an die Angehörigen: an „Bylle`s Kinder & Enkel, Family & Friends“ – unterschrieben mit „von Bylle`s sister Nina“. Wann genau Sibylle Havemann gestorben ist, geht aus dem Beitrag nicht hervor.
Zu dem Abschied gehören in Nina Hagens Beitrag außerdem:
- das Spiritual „Trouble Of The World“ als YouTube-Link,
- ihr eigener Gospel-Song „Alle wollen in den Himmel, aber keiner hat Bock auf Tod“,
- ein Interview, das Sibylles Bruder Florian Havemann im vergangenen Jahr mit ihr geführt hat („HAVEMANN“, Folge 19),
- ein Bibelvers aus dem Titusbrief über die Hoffnung auf das ewige Leben.
Ihr Post endet mit den Worten „WE SHALL OVERCOME SOME DAY!“. Bis Freitag sammelte der Beitrag mehr als 3.000 Reaktionen und über 100 Kommentare, viele Fans sprachen der Sängerin ihr Beileid aus.
Sibylle Havemann hatte sich gegen eine Chemotherapie entschieden
Dass Sibylle Havemann schwer krank war, hatte sie selbst öffentlich gemacht. Im Mai sprach sie mit der „Zeit“ über ihre Krebserkrankung. Wie t-online unter Berufung auf das Interview berichtet, war 2019 Gebärmutterhalskrebs bei ihr festgestellt und zunächst erfolgreich behandelt worden. Im vergangenen Jahr kehrte die Krankheit zurück – Medikamente und eine Chemotherapie lehnte sie ab. Der „Zeit“ sagte sie damals:
„Ich hatte mir geschworen: Noch einmal mache ich das nicht – wenn ich je wieder Krebs kriegen sollte, dann ist das eben meine Krankheit zum Tod, und das akzeptiere ich dann.“
Sibylle Havemann im Interview mit der „Zeit“ (Mai 2026), zitiert nach t-online
Nun ist die Tochter von Robert Havemann im Alter von 71 Jahren gestorben – und Nina Hagen verabschiedet sich von der Frau, die sie ein Leben lang begleitet hat, als ihre „Schwester“.
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