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Janosch (†95): Diesen skurrilen Wunsch hatte er für seinen Tod

04.11.2026, 12:30 Uhr

Er hat Generationen von Kindern mit Tiger, Bär und Tigerente nach Panama geschickt – doch über das eigene Ende dachte Janosch erstaunlich offen nach. Jetzt ist der Kinderbuchautor mit 95 Jahren gestorben. Alte Interviews zeigen, welchen ungewöhnlichen Wunsch er für den Moment seines Todes hatte.

Janosch, mit bürgerlichem Namen Horst Eckert, starb laut Tagesspiegel am Dienstag auf Teneriffa, seiner Wahlheimat seit vielen Jahren. Sein Tübinger Verleger Bernhard Feil machte die Nachricht am Mittwoch öffentlich. Alle Hintergründe zu seinem Tod und seinem Lebenswerk lest ihr hier: Trauer um Janosch (†95): Der Erfinder der Tigerente ist tot.

Der Tod war für Janosch kein Tabu – im Gegenteil. Wie t-online zusammenträgt, kam er in Interviews rund um seine runden Geburtstage immer wieder auf das Sterben zu sprechen. Und seine Antworten fielen alles andere als gewöhnlich aus.

Mit 75: „Ich möchte beobachten, wie ich sterbe“

Zu seinem 75. Geburtstag fragte ihn der Deutschlandfunk, was er im Leben noch erleben wolle. Janoschs Antwort:

„Ich möchte beobachten, wie ich sterbe.“

Janosch im Deutschlandfunk zu seinem 75. Geburtstag (zitiert nach t-online)

Seine Begründung: Im Augenblick des Todes sei die Erleuchtung am höchsten. Für einen Mann, der seinen Lesern immer wieder beibrachte, dass das Glück oft dort liegt, wo man es am wenigsten erwartet, passt dieser Gedanke erstaunlich gut.

Janosch bei seiner Geburtstags-Vernissage zum 85. Geburtstag in Hamburg
Kinderbuchautor und Illustrator Janosch bei seiner Geburtstags-Vernissage zum 85. Geburtstag, Hamburg, 01.06.2016. Foto: IMAGO / FREELENS Pool (Stefan Malzkorn)

Mit 80: Grübeln über die eigene Beerdigung

Fünf Jahre später, im Gespräch mit der österreichischen Zeitung „Der Standard“ zu seinem 80. Geburtstag, klang Janosch deutlich zögerlicher. Er denke schon länger darüber nach, wo er begraben werden wolle, habe aber „noch keine Lösung gefunden“. Er tendiere zur Feuerbestattung – sei sich aber nicht sicher, ob das nicht wehtue. Und dann dieser Satz:

„Aber eigentlich möchte ich gar nicht sterben.“

Janosch im „Standard“ zu seinem 80. Geburtstag (zitiert nach t-online)

Wie t-online weiter berichtet, erklärte Janosch auch seine Kinderlosigkeit mit dem Blick auf die Endlichkeit: Er habe keine Kinder bekommen, „weil man schenkt denen ja nicht das Leben, sondern den Tod“.

Mit 90: Die Angst vor der „Rache Gottes“

Zu seinem 90. Geburtstag sprach Janosch mit der „Süddeutschen Zeitung“ – und nannte eine Furcht, die ihn offenbar sein ganzes Leben begleitet hat: „Ich fürchte die Rache Gottes.“

Der Hintergrund: Janosch wurde streng religiös erzogen und hat sich später vom Glauben abgewandt. Laut t-online bezeichnete er die religiöse Erziehung als bleibenden Schaden – und die Überwindung der „Furcht vor Gott“ als seine größte Leistung.

Eine Kindheit voller Angst

Dass Furcht in Janoschs Denken eine so große Rolle spielte, hat mit seiner Kindheit im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze) zu tun. Wie der Tagesspiegel schreibt, schlug ihn sein Vater mit einer Lederpeitsche, wenn er betrunken war. Die Erziehung habe seine Persönlichkeit „vollkommen zerstört“, sagte Janosch einmal. Als oberstes Familiengesetz habe die „Ehrfurcht“ gegolten – mit Betonung auf „Furcht“.

Halt fand der kleine Horst bei seinen Großeltern mütterlicherseits, die ihm Wärme und Liebe gaben. Seine Kinderbücher verstand Janosch später als „Gegengift“ zu dem, was er selbst erlebt hatte.

Janosch über den Tod: Die Aussagen im Überblick

Anlass Medium Aussage
75. Geburtstag Deutschlandfunk „Ich möchte beobachten, wie ich sterbe.“
80. Geburtstag Der Standard Grabstelle: „noch keine Lösung gefunden“ – „Aber eigentlich möchte ich gar nicht sterben.“
90. Geburtstag Süddeutsche Zeitung „Ich fürchte die Rache Gottes.“

Was von Janosch bleibt

Ob Janosch seinen Tod am Ende so bewusst erleben konnte, wie er es sich mit 75 gewünscht hatte, ist nicht bekannt. Sicher ist: Seine Geschichten bleiben. Diese Figuren und Werke machten ihn unsterblich:

  • „Oh, wie schön ist Panama“ – die Reise von Tiger und Bär, sein größter Klassiker
  • Die Tigerente – Kultfigur, die bis heute auf Schulranzen und Spielzeug zu sehen ist
  • Der kleine Tiger und der kleine Bär – das wohl bekannteste Freundespaar der deutschen Kinderliteratur

Janosch wurde 95 Jahre alt. Das Bild vom Mann, der dem Tod neugierig ins Auge sehen wollte – und ihn zugleich fürchtete –, bleibt.

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