Ein Volksfest, eine Liste, zwölf Songs – und ein Schlagerstar, der sich zu Wort meldet. Die Erlanger Bergkirchweih, eines der ältesten Volksfeste Deutschlands, sorgt kurz vor dem diesjährigen Fest für Diskussionen. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen hat Wirten und Bands eine Empfehlung ausgesprochen: Bestimmte Lieder sollen dort künftig nicht mehr gespielt werden. Begründung: „sexistische oder frauenfeindliche Inhalte“. Einer der betroffenen Künstler ist Schlagersänger G.G. Anderson.
„Nein heißt Ja“ auf der Verbotsliste
Der 76-jährige Sänger, mit bürgerlichem Namen Gerd Willi Grabowski, befindet sich dieser Tage eigentlich im wohlverdienten Urlaub. Gemeinsam mit seiner Frau Monika genießt er die Sonne in Tirol. Doch die Nachricht aus der mittelfränkischen Universitätsstadt hat ihn trotzdem erreicht: Sein Song „Nein heißt Ja“ aus dem Jahr 2000 steht auf einer Liste von zwölf Titeln, die laut der Gleichstellungsstelle an der Bergkirchweih keinen Platz mehr haben sollen.
| Person | Information |
|---|---|
| Künstlername | G.G. Anderson |
| Bürgerlicher Name | Gerd Willi Grabowski |
| Alter | 76 Jahre |
| Bekanntester Hit | „Nein heißt Ja“ (2000) |
| Textautor | Norbert Hammerschmidt |
| Verheiratet mit | Monika (seit 1987) |
Neben Andersons Hit finden sich auf der Empfehlungsliste weitere bekannte Partytitel: „20 Zentimeter“ von Mirja Boes, „10 nackte Friseusen“ von Mickie Krause sowie der Neue-Deutsche-Welle-Klassiker „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang. Ob die Wirte der Forderung nachkommen, bleibt ihnen freigestellt – eine rechtlich verbindliche Anordnung handelt es sich bei dem Schreiben nicht.
Der Textautor steht für sich
Anderson betont, dass wer in seinem Lied einen Skandal konstruiere, den Text „auf mutwillige Weise falsch“ interpretiere. Er verweist dabei auf den Verfasser der Zeilen, Norbert Hammerschmidt – einen erfahrenen Texter, der unter anderem mit Roland Kaisers Platinhit „Santa Maria“ Bekanntheit erlangte und für Künstler wie Udo Jürgens, Vicky Leandros und Freddy Quinn schrieb. „Müssen die jetzt auch alle kontrolliert werden?“, fragt Anderson rhetorisch.
Auch Comedians hätten den Song in der Vergangenheit aufgegriffen – etwa Carolin Kebekus und Atze Schröder – und dabei die nötige Portion Humor bewiesen.
Frau Monika steht hinter ihrem Mann
Andersons Frau Monika, mit der er seit 1987 verheiratet ist, schließt sich der Haltung ihres Mannes an. Sie fühle sich von seinen Songs als Frau nicht verletzt und könne den Humor dahinter gut verstehen. Sie sagt, sie sei „emanzipiert genug“, um das einzuordnen.
„Mit der Lupe in Schlagertexten nach Unstimmigkeiten Ausschau zu halten, bringt betroffenen Frauen gar nichts.“
G.G. Anderson gegenüber t-online, Mai 2026
Verbotsliste als kostenlose Werbung
Anderson macht aus der ganzen Angelegenheit das Beste: Er sieht das Verbot als unerwarteten Marketingvorteil. Durch den öffentlichen Aufschrei lerne eine jüngere Generation seinen Song erst kennen – und sorge nun dafür, dass „Nein heißt Ja“ zum Streaming-Hit aufsteige. „Die Behörde schießt sich doch selbst ins Knie“, sagt er.
Gleichzeitig mahnt er zur Verhältnismäßigkeit: Die #MeToo-Bewegung sei wichtig gewesen, Gewalt gegen Frauen müsse verfolgt werden. Doch das Durchleuchten von Schlagertexten auf vermeintliche Unstimmigkeiten helfe niemandem.
„Diese bierernste Zensur-Mentalität ist vollkommen kontraproduktiv.“
G.G. Anderson
Was ist die Erlanger Bergkirchweih?
Die Bergkirchweih gilt als eines der ältesten Volksfeste Deutschlands und geht auf das Jahr 1755 zurück. Jedes Jahr strömen rund eine Million Besucher über zwölf Tage in die Biergärten und Zelte rund um den Erlanger Burgberg. Ob die umstrittenen Lieder in diesem Jahr tatsächlich verstummen – das liegt letztlich bei den Wirten selbst.
G.G. Anderson hat seine Position jedenfalls klar gemacht: Er lacht darüber. Und freut sich über die Aufmerksamkeit.