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„Trauerliedsänger“: Der Graf von Unheilig wehrt sich

02.11.2026, 07:59 Uhr

Ernster Blick, dunkler Mantel, Lieder über Abschied und Weltschmerz: Das Bild vom Grafen ist seit Jahrzehnten klar umrissen. Doch der Unheilig-Sänger sagt jetzt, dass dieses Bild ziemlich wenig mit ihm zu tun hat. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur verrät er außerdem, was hinter dem Bandnamen steckt – und warum ihm das Comeback schwerer fiel als der Abschied.

Der Graf über sein Image: „Ich lache gerne“

Viele Fans kennen den Grafen nur als nachdenklichen, fast schwermütigen Bühnenmenschen. Er selbst kann darüber inzwischen schmunzeln. „Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich lache gerne und bin auch lustig“, sagte er der dpa.

Das Publikum sehe oft nur die Kunstfigur. „Manche halten mich für einen Trauerliedsänger, der über Weltschmerz nachdenkt.“ Das sei jedoch ein Irrtum. Woher das Image kommt, erklärt er gleich mit:

„Das Bild ist wohl davon geprägt, wie ich mich in den ersten Jahren präsentiert habe: rüschenverzierter Mantel und Stiefel. Ich habe fast nie gelacht.“

Der Graf im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur

Warum die Band Unheilig heißt

Auch der Bandname sei mehr als ein düsteres Markenzeichen. „Ich bin ein sehr gläubiger Mensch“, sagte der Sänger – allerdings nicht im klassischen Sinn, wie Religionen es predigten. „Wenn du so glaubst, bist du in den Augen vieler ein Unheiliger. Das fand ich gut!“

Im Namen stecke vor allem seine Lust am Widerspruch: „Wenn man mir sagt, mach das nicht, mache ich das erst recht. Ein kleiner Revoluzzer.“

Die „Monster“ im eigenen Kopf

Der Musiker, der Persönliches wie seinen bürgerlichen Namen und sein Alter nicht öffentlich macht, sieht Selbstzweifel als wichtigen Antrieb. „Du suchst eine Ausdrucksform für deine Zweifel. Der eine schreibt ein Buch, der andere malt ein Bild. Ich schreibe Lieder.“ Und weiter: „Ich brauche die Musik manchmal als Ventil, um mir das Leben zu erklären.“

Das gilt auch für das aktuelle Album „Liebe, Glaube, Monster“, das im März 2026 erschienen ist. Das „Monster“ im Titel stehe für seine Versagensangst und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.

Der Graf von Unheilig bei der Aufzeichnung der Giovanni Zarrella Show in Göttingen
Der Graf von Unheilig bei der Aufzeichnung der „Giovanni Zarrella Show“, Göttingen, 29.04.2026. Foto: IMAGO / Future Image (Clemens Niehaus)

Comeback „war schwerer als der Abschied“

2016 hatte der Graf mit Unheilig ein vermeintlich letztes Konzert gegeben. Seit dem vergangenen Jahr steht er wieder auf der Bühne – und gibt offen zu: „Das Comeback war schwerer als der Abschied, der war erklärbar.“ Damals habe er gespürt: „Ich hatte musikalisch nichts zu sagen, die Kreativität konnte nicht mehr raus, ich wollte mehr Zeit für die Familie.“

Die Entscheidung für die Rückkehr fiel ausgerechnet in der Notaufnahme, mit Verdacht auf Herzinfarkt. „Ich dachte: Worauf will ich warten? Mach doch einfach.“

Die vergangenen Monate im Überblick

Seit dem Comeback ist im Leben des Grafen viel passiert. Er selbst zählt den Tod seiner Eltern, gesundheitliche Probleme und einen Sturz von der Bühne auf. Seine Bilanz: „Wie im Hollywoodfilm irgendwie. Ich dachte: Alter Schwede, da ist viel zusammengekommen. Darüber kannst du fast einen Krimi drehen.“

  • Bühnensturz: Beim Auftakt der „Wieder zurück“-Tour am 13. November 2025 im Leipziger Haus Auensee stürzte der Graf kopfüber von der Bühne. Nach einer kurzen Unterbrechung spielte er das Konzert zu Ende.
  • Doppelter Verlust: Innerhalb weniger Monate starben erst sein Vater und dann seine Mutter – hier lesen Sie mehr dazu.
  • Album-Erfolg: „Liebe, Glaube, Monster“ erschien am 13. März 2026 und stieg auf Platz 1 der Albumcharts ein.

Unheilig: Tour und Pause 2027

Jetzt steht die nächste große Tournee an. Laut dpa ist Unheilig ab Mitte November unterwegs, die Arena-Termine der „Liebe, Glaube, Monster“-Tour 2026/27 starten am 14. November in Bremen.

Was Wann
Arena-Tour „Liebe, Glaube, Monster“ ab 14. November 2026 (Bremen) bis Februar 2027
Open-Air-Konzerte („Meilenweit“-Tour) Sommer 2027
Auszeit danach, im Laufe des Jahres 2027

Und dann? Nach einigen Sommer-Konzerten will sich die Band 2027 vorübergehend zurückziehen. Der Graf möchte neue Musik schreiben und die vergangenen Jahre verarbeiten. Dass er eine weitere Auszeit plant, hatte er bereits im September angedeutet. Fans dürfen sich trotzdem sicher sein: Der Mann hinter der ernsten Miene hat offenbar noch einiges zu sagen – und zu lachen.

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