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Ronald Schill: Dieses Leben führt er heute wirklich

18.08.2026, 15:06 Uhr

Kaum ein Politiker ist in Deutschland so schnell aufgestiegen und so tief gefallen wie er. Als „Richter Gnadenlos“ kannte ihn Anfang der 2000er die ganze Republik, als Innensenator regierte er Hamburg mit – und dann verschwand Ronald Schill fast vollständig. Wer heute wissen will, was aus ihm geworden ist, muss sehr weit weg von der Elbe schauen.

Ronald Barnabas Schill war nie ein Mann der leisen Töne. Erst als Amtsrichter, dann als Parteigründer, schließlich als Zweiter Bürgermeister der Hansestadt: Wo er auftrat, gab es Schlagzeilen. Sein politisches Kapitel war 2003 nach nicht einmal zwei Jahren beendet – doch seine öffentliche Geschichte geht bis heute weiter, nur auf einer ganz anderen Bühne.

Ronald Schill im Steckbrief

Angabe Detail
Vollständiger Name Ronald Barnabas Schill
Geboren 23. November 1958 in Hamburg
Alter 67 Jahre
Beruf Jurist, ehemaliger Richter und Politiker
Spitzname „Richter Gnadenlos“
Politische Ämter Zweiter Bürgermeister und Innensenator von Hamburg (2001–2003)
Partei Partei Rechtsstaatlicher Offensive (2000–2003), danach Pro DM/Schill
Buch „Der Provokateur“ (2014)
Wohnort Region Rio de Janeiro, Brasilien

Vom Amtsgericht zum „Richter Gnadenlos“

Schill wächst in Hamburg auf, die Eltern trennen sich, als er elf Jahre alt ist. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium Weidenstieg studiert er zunächst drei Semester Psychologie, dann Rechtswissenschaften. 1988 legt er das erste, 1992 das zweite Staatsexamen ab. Nach einem kurzen Jahr als Rechtsanwalt wird er 1993 Richter am Amtsgericht Hamburg.

Dort entsteht der Spitzname, der ihn nie mehr loslassen wird. Schill verhängt auffällig harte Strafen, sucht die Öffentlichkeit und fordert in Interviews härtere Konsequenzen für Wiederholungstäter. Die Boulevardpresse macht daraus eine Marke: „Richter Gnadenlos“. Kritik bleibt nicht aus – von 1999 bis 2001 läuft gegen ihn ein Verfahren wegen Rechtsbeugung, weil er eine Beschwerde verzögert weitergeleitet haben soll. Im Dezember 2001 spricht ihn das Landgericht Hamburg frei.

19,4 Prozent: der Blitzaufstieg in Hamburg

Im Jahr 2000 gründet Schill die „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“, im Volksmund schnell nur „Schill-Partei“ genannt. Sein Wahlkampf ist ein Law-and-Order-Programm in Reinform: 2.000 zusätzliche Polizisten, härtere Strafen, Sanktionen für Eltern massiv straffälliger Kinder – und das Versprechen, die Gewaltkriminalität in Hamburg binnen 100 Tagen zu halbieren.

Am 23. September 2001 holt die Partei aus dem Stand 19,4 Prozent und wird drittstärkste Kraft in der Hamburgischen Bürgerschaft. Am 31. Oktober 2001 wird Schill Zweiter Bürgermeister und Innensenator in der Koalition unter dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU).

Ronald Barnabas Schill spricht 2003 als Landesvorsitzender der Schill-Partei vor der Presse in Berlin
Ronald Barnabas Schill vor der Presse bei der Bundesvorstandssitzung der Schill-Partei, Berlin, 06.12.2003. Foto: IMAGO / Götz Schleser

Seine Amtszeit ist von Symbolpolitik und Streit geprägt. Er lässt neue blaue Polizeiuniformen einführen, entworfen von Designer Luigi Colani, und testet Harley-Davidson-Maschinen für die Polizei. Die Kriminalstatistik weist für 2002 einen Rückgang der erfassten Straftaten um 15,5 Prozent aus, 2003 dann einen leichten Anstieg um 0,8 Prozent. Das Versprechen von der Halbierung binnen 100 Tagen löst er nicht ein.

Gleichzeitig sorgt er bundesweit für Aufsehen: Am 29. August 2002 wird ihm im Bundestag das Mikrofon abgeschaltet, nachdem er seine Redezeit überzieht. Im Dezember 2002 fordert er auf der Innenministerkonferenz, das bei der Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater eingesetzte Betäubungsgas auch in Deutschland vorzuhalten – ein Vorstoß, der von SPD, FDP, Grünen und Linken abgelehnt wird. Und nach der von ihm angeordneten Räumung des Wagenplatzes „Bambule“ demonstrieren in Hamburg monatelang Tausende. Die Hip-Hop-Band Fettes Brot trägt gemeinsam mit Bela B. von Die Ärzte die Parole „Schill muss weg“ in die Charts.

Der Bruch mit Ole von Beust

Das Ende kommt am 19. August 2003. Nach einem Streit über den umstrittenen Staatsrat Walter Wellinghausen entlässt Ole von Beust seinen Innensenator. Der Vorwurf: Schill habe gedroht, eine angebliche Beziehung von Beusts zu Justizsenator Roger Kusch öffentlich zu machen. Von Beust bezeichnet Schill als charakterlich nicht geeignet für das Amt.

„charakterlich nicht geeignet“

Ole von Beust über Ronald Schill zur Begründung der Entlassung am 19. August 2003

Schill widerspricht dieser Darstellung und erklärt, er habe lediglich auf unterschiedliche Maßstäbe hingewiesen. Ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Nötigung wird im August 2003 eingestellt. Am 16. Dezember 2003 schließt ihn die Partei aus, die seinen Namen trägt.

Das Ende der Schill-Partei

Schill gründet eine eigene Fraktion, tritt Anfang 2004 der Partei Pro DM bei und zieht ein letztes Mal in den Wahlkampf. Bei der Bürgerschaftswahl am 29. Februar 2004 kommt „Pro DM/Schill“ auf 3,1 Prozent, seine frühere Partei auf nur noch 0,4 Prozent. Damit ist die politische Karriere beendet – dreieinhalb Jahre nach dem größten Erfolg.

Im Oktober 2004 verlässt Schill Deutschland. Erst geht es in die Karibik, später in die Region um Rio de Janeiro. Als ein Hamburger Untersuchungsausschuss ihn im Mai 2006 laden will, findet er keine ladungsfähige Adresse. Erst am 1. November 2007 kehrt Schill für eine Vernehmung nach Hamburg zurück.

Comeback im Reality-TV

Ab 2014 taucht Schill dort wieder auf, wo man ihn am wenigsten erwartet hätte: im Unterhaltungsfernsehen. Bei „Promi Big Brother“ belegt er im August 2014 Platz 3, im selben Jahr erscheint seine Autobiografie „Der Provokateur“. Danach wird er zu einem festen Gesicht des deutschen Reality-Fernsehens.

Ronald B. Schill als Gast in der ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ im Dezember 2014
Ronald B. Schill in der ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“, Köln, 02.12.2014. Foto: IMAGO / Future Image
  • 2014: „Promi Big Brother“ (Sat.1), Platz 3
  • 2015: Folge bei „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“
  • 2016: „Adam sucht Eva – Promis im Paradies“
  • 2020: „Promis unter Palmen“ (Sat.1), Platz 8
  • 2022: „Kampf der Realitystars“ (RTLZWEI)
  • 2025: „Villa der Versuchung“ (SAT.1)
  • 2025: „Die Abrechnung – Der Promi-Showdown“ (ProSieben)

Der jüngste Auftritt hat es in sich: In „Die Abrechnung – Der Promi-Showdown“, seit dem 6. November 2025 auf ProSieben, treten verfeindete Promi-Paare gemeinsam um bis zu 50.000 Euro an. Schill wird dabei ausgerechnet mit Sara Kulka zusammengespannt, mit der er zuvor bei „Villa der Versuchung“ aneinandergeraten war. Wer den früheren Innensenator also für endgültig aus der Öffentlichkeit verschwunden hielt, hat sich getäuscht – nur die Bühne hat sich geändert.

Was macht Ronald Schill heute?

Ronald Schill lebt bis heute in Brasilien, in der Region um Rio de Janeiro, und damit rund 10.000 Kilometer von der Stadt entfernt, deren Innensenator er einmal war. Ein politisches Comeback hat er nie versucht. Seine wirtschaftliche Grundlage ist die Pension aus seiner Zeit als Richter: In Interviews sprach er von rund 2.000 Euro im Monat – in Deutschland ein bescheidener Betrag, in Brasilien laut seiner eigenen Schilderung genug für ein gutes Leben. Dazu kommen Honorare aus den TV-Auftritten.

Wie sehr sich sein Alltag von seinem früheren Image unterscheidet, machte ein Satz deutlich, den t-online in einem Porträt über ihn zitierte. Der Mann, der einst mit maximaler Härte gegen Drogenkriminalität auftrat, wohnt heute in einer Gegend, in der er sich mit den dortigen Verhältnissen arrangiert hat.

„Die Drogenbosse tolerieren mich.“

Ronald Schill über sein Leben in Brasilien, zitiert von t-online

Damit ist die eigentliche Antwort auf die Frage, was aus „Richter Gnadenlos“ geworden ist, wohl diese: Aus dem Politiker, der Hamburg härter machen wollte, ist ein Privatmann am anderen Ende der Welt geworden, der nur noch dann in Deutschland auftaucht, wenn ihn eine Reality-Show dafür bezahlt. Der Rücktritt von 2003 war das Ende seiner Karriere – aber nicht das Ende seiner Präsenz.

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Von: Julian Weber bearbeitet mit KI

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