Die Debatte um die Zukunft von ARD und ZDF hat einen neuen, sehr lauten Mitspieler: Oliver Pocher. Nachdem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine Privatisierung des ZDF ins Gespräch gebracht hatte, geht der Comedian in einem Podcast noch deutlich weiter – und teilt dabei auch gegen Jan Böhmermann und Louis Klamroth aus.
Was Wolfram Weimer ins Spiel gebracht hat
Ausgelöst wurde die Diskussion Mitte September. Bei einer nicht-öffentlichen rechtspolitischen Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung soll Weimer nach Angaben von Teilnehmern gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) eine mögliche Privatisierung des ZDF angesprochen haben. Zudem stellte er laut DWDL die Eigenständigkeit kleinerer ARD-Anstalten wie Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk infrage. Im Raum stand ein System mit nur noch vier oder fünf Rundfunkanstalten. Weimer selbst wollte sich zu Berichten über die nicht-öffentliche Veranstaltung nicht äußern.
Die Reaktionen fielen deutlich aus. Der Deutsche Journalisten-Verband lehnte die Gedankenspiele ab, Hamburgs Mediensenator Carsten Brosda (SPD) mahnte laut Abendzeitung München, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schützen, statt die Axt an ihn zu legen.
| Wer | Position | Wo |
|---|---|---|
| Wolfram Weimer (Kulturstaatsminister) | ZDF-Privatisierung ins Gespräch gebracht, weniger ARD-Anstalten | Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung (laut KNA) |
| Deutscher Journalisten-Verband | Lehnt die Überlegungen ab | Stellungnahme |
| Carsten Brosda (SPD) | Rundfunk schützen statt abbauen | Stellungnahme |
| Oliver Pocher | ARD, ZDF und Dritte komplett „einstampfen“ | Podcast „TOMorrow – Business. Stars. Lifestyle.“ |
Oliver Pocher: „Brauchst du alles nicht mehr“
Zu Gast bei Journalist Tom Junkersdorf im Podcast „TOMorrow – Business. Stars. Lifestyle.“ wurde der 48-Jährige dann sehr deutlich. Weimers Ideen gehen ihm offenbar nicht weit genug:
„ARD und ZDF und die ganzen dritten Sender kannst du schon längst einstampfen. Brauchst du alles nicht mehr.“
Oliver Pocher im Podcast „TOMorrow“, zitiert nach t-online
Laut t-online verweist Pocher auf die rund acht Milliarden Euro, die jährlich über den Rundfunkbeitrag zusammenkommen. Viele Menschen würden jeden Monat für ein Angebot zahlen, das sie kaum nutzen – während Streamingdienste wie Netflix ähnlich viel oder weniger kosteten. Auch eine Fusion von ARD und ZDF hält er demnach für denkbar.

Kritik an Programm und „Framing“
Pocher stört sich nach eigenen Worten vor allem an der politischen Ausrichtung einzelner Sendungen. Wer ständig belehrt werde, reagiere mit Trotz – darin sieht er einen Grund für den aktuellen Rechtsruck. Seine Kernpunkte im Überblick:
- Kosten: Zu viele Sender, zu viel Geld für zu wenig Nutzung.
- Meinungsklima: „Die Leute sind so satt, dass sie nur das sagen dürfen, was en vogue ist“, so Pocher.
- Framing: Laut t-online Köln kritisiert er gezielte Deutungsrahmen in der Berichterstattung.
- Neutralität: Moderatoren müssten politisch unabhängig auftreten.
Seitenhiebe gegen Klamroth und Böhmermann
Beim Thema Neutralität nimmt Pocher „hart aber fair“-Moderator Louis Klamroth ins Visier – wegen dessen Beziehung zur Klimaaktivistin Luisa Neubauer. „Eine gewisse Neutralität musst du schon haben“, sagt er. Laut Berliner Zeitung spielt er dazu ein Gedankenexperiment durch: Wäre Klamroth mit AfD-Chefin Alice Weidel liiert, würde das seiner Ansicht nach ganz anders bewertet.

Noch schärfer wird der Ton bei Jan Böhmermann. Pocher wirft dem ZDF-Satiriker vor, mit der „Nazi-Keule“ gearbeitet und zuletzt vor allem seine eigene Agenda verfolgt zu haben. Das Ende des „ZDF Magazin Royale“ nennt er „überfällig“.
„Er hat es einfach übertrieben. Er hat zwar noch seine Reichweite. Aber diese linke Bubble wird jetzt langsam auch nach und nach zerbröselt.“
Oliver Pocher über Jan Böhmermann, zitiert nach oe24
Was dabei untergeht: Nicht das ZDF hat die Show abgesetzt. Böhmermann selbst hat sich für das Aus entschieden, die letzte Ausgabe läuft am 18. Dezember 2026. „Die Entscheidung ist wirklich meine“, stellte er laut Quotenmeter klar.
Pocher und die Öffentlich-Rechtlichen: eine gemeinsame Geschichte
Pikant: Pocher kennt das System von innen. Von 2007 bis 2009 moderierte er gemeinsam mit Harald Schmidt die ARD-Late-Night-Show „Schmidt & Pocher“. Heute ist er vor allem bei RTL und in Podcasts zu hören – zuletzt sorgte er etwa mit Geständnissen über seine Beziehung zu Sandy Meyer-Wölden und einem eskalierten Abend mit Anne Wünsche für Schlagzeilen. Dass Podcasts für Stars inzwischen die große Bühne für Klartext sind, zeigte zuletzt auch Luke Mockridge.
Unterm Strich ist Pochers Forderung damit klar: Während Weimer über eine Privatisierung des ZDF und schlankere ARD-Strukturen nachdenkt, will Oliver Pocher ARD, ZDF und die Dritten am liebsten ganz abschaffen.