Vor 18 Jahren erlitt Gaby Köster einen schweren Schlaganfall, der ihre Fernsehkarriere abrupt beendete. Jetzt hat sich die Kölner Komikerin in einem Interview so deutlich wie lange nicht mehr geäußert – und rechnet dabei vor allem mit der Politik ab.
Sorge um die eigene Zukunft
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) im Münchner Hotel Bayerischer Hof sprach die 64-Jährige offen über ihre finanzielle Situation. Seit ihrem Schlaganfall am 8. Januar 2008 ist Köster auf einen Rollstuhl angewiesen und musste ihre Karriere als eine der bekanntesten deutschen Komikerinnen beenden – unvergessen ist sie durch ihre Hauptrolle in der Serie „Ritas Welt“, die sie von 1999 bis 2003 spielte.
„Also finanziell muss ich sagen: Ja, ich vermisse das Fernsehen. Ich habe auch wirklich Panik, wie es weitergeht.“
Gaby Köster im dpa-Interview
Heute hat Köster Pflegestufe zwei – für sie reicht das nicht aus. „Ich kann mir zum Beispiel selber nichts kochen. Aber wenn ich der Krankenkasse sage, ich brauche eine höhere, heißt es, ich sei nicht dement genug und der Schlaganfall auch schon lange her“, kritisierte sie.
„58 Kilo bei 1,76 Metern“
Auch um ihren körperlichen Zustand macht sich die Komikerin Sorgen. Ohne die Unterstützung von Reinigungskraft, Einkaufshilfe und einer „unfassbar liebenswerten Nachbarin“ sähe ihr Alltag nach eigenen Worten ganz anders aus.
„Ich wiege noch 58 Kilo bei 1,76 und das ist alles nicht lustig. Wenn es das alles nicht gäbe, würde ich jetzt hier nicht sitzen, sondern wahrscheinlich in einer Urne.“
Gaby Köster im dpa-Interview
Scharfe Kritik an der Politik
Von der Politik fühlt sich Köster im Stich gelassen. Sie verweist darauf, wie viel sie in ihrem Leben an Steuern gezahlt habe – und wie schlecht Pflegebedürftige und Pflegekräfte dennoch behandelt würden.
„Ich habe in meinem Leben ich weiß nicht wie viel an Steuern bezahlt. So kann man nicht mit Menschen umgehen.“
Gaby Köster im dpa-Interview
Besonders am Herzen liegt ihr die Situation der Pflegekräfte. Sie fordert von der Politik konkrete Konsequenzen statt bloßer Symbolik:
- Politiker sollten mindestens eine Schicht in der Pflege selbst miterleben, bevor sie über das Thema sprechen.
- Applaus für Pflegekräfte reiche nicht aus – davon könnten sie weder Miete zahlen noch sich ernähren oder ihre Kinder versorgen.
- Menschen in Pflegeheimen hätten ihr Leben lang für das Land gearbeitet und verdienten einen anderen Umgang.
Deutlich wurde Köster auch mit Blick auf eine bestimmte politische Partei: Rund 80 Prozent der Beschäftigten in Pflegeheimen und Krankenhäusern seien nach ihrer Einschätzung Menschen mit ausländischen Wurzeln – eine Berufsgruppe, auf die nach ihren Worten auch AfD-Wähler und -Politiker im Ernstfall angewiesen sein könnten.
Rückkehr auf die Kinoleinwand
Trotz aller Sorgen meldet sich Köster in diesen Tagen auch beruflich zurück: Von diesem Donnerstag an ist sie im Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ im Kino zu sehen, der sich mit dem Frauenbild in deutschen Fernsehshows der 1990er- und frühen 2000er-Jahre auseinandersetzt. Bei der Premiere in Köln zeigte sie sich gemeinsam mit früheren Weggefährtinnen.

Pionierin in einer Männerdomäne
Köster galt in den 1990er-Jahren als Pionierin: Sie war meist die einzige Frau in der RTL-Show „7 Tage, 7 Köpfe“. Rückblickend erinnert sie sich an den Umgang mit ihren männlichen Kollegen dort mit Wärme.
„Die Kollegen von ‚7 Tage, 7 Köpfe‘ waren total süß zu mir hinter der Bühne, weil ich da eben auch Angst hatte. Und die haben mich dann gedrückt und gesagt: Die tun dir da draußen nichts, mach einfach und fertig.“
Gaby Köster im dpa-Interview
Ihre Zeit als Kellnerin habe sie auf die Fernsehbranche vorbereitet, sagt Köster – auch auf unangenehme Situationen: „Da erlebt man auch sehr viel Elend und hat auch gerade mit solchen Dingen zu tun, mit Popoklatschern und so. Bei mir war das so ein Automatismus, ich habe mich dann direkt rumgedreht und die Hand weggeschlagen.“
| Steckbrief | Angaben |
|---|---|
| Bürgerlicher Name | Gaby Köster |
| Geburtsdatum | 2. Dezember 1961 (Köln) |
| Bekannt durch | „Ritas Welt“ (1999–2003), „7 Tage, 7 Köpfe“ |
| Einschnitt | Schlaganfall am 8. Januar 2008 |
| Aktuelles Projekt | Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ (Kinostart 16.07.2026) |
Eine Stimme, die nicht mehr schweigt
Dass ihre Arbeit als eine der wenigen Frauen im deutschen Humorfach auch gesellschaftliche Bedeutung hatte, ist Köster heute bewusst. Diese Haltung überträgt sie inzwischen auch auf Themen jenseits der Unterhaltung.
„Je älter ich wurde, desto mehr habe ich gemerkt, dass es schon politisch ist, was ich tue. Ich arbeite nicht im Büro und habe die Möglichkeit, Dinge zu sagen, die andere Menschen nicht sagen können. Ich bin jetzt 64 und jetzt hau‘ ich raus.“
Gaby Köster im dpa-Interview
Quelle: Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), zitiert nach t-online.de.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI