Eine neue Doku blickt zurück auf das deutsche Unterhaltungsfernsehen der Neunziger- und 2000er-Jahre – aus der Perspektive der Frauen, die damals vor allem Beiwerk waren. Esther Schweins erinnert sich darin an einen Auftritt, der ihr bis heute nachgeht.
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabelle Schneider feierte im Juni beim Filmfest München seine Weltpremiere, am 7. Juli 2026 folgte die Kölner Kinopremiere. Er erzählt erstmals aus weiblicher Sicht, wie es war, im deutschen Showgeschäft der 1990er- und frühen 2000er-Jahre gegen einen fast ausschließlich männlich geprägten Humor anzukommen. Neben Esther Schweins blicken auch Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen auf diese Zeit zurück.
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Eine Zeit, in der Frauen vor allem Pointen waren
„Eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt“, beschreibt die Produktionsfirma den Film. Gezeigt werden unter anderem die inzwischen berüchtigten Szenen von Thomas Gottschalks „Wetten, dass..?“-Couch, auf der er weiblichen Gästen wiederholt körperlich nahekam. Er tätschelte Iris Berben das Knie und fummelte am verrutschten Kleid von Beyoncé herum, als deren Mikrofon verrutschte.
„In die Enge getrieben“
Auch Esther Schweins, die durch „RTL Samstag Nacht“ bekannt wurde, hatte 1996 einen Auftritt bei „Wetten, dass..?“. Der im Film gezeigte Ausschnitt zeigt, wie Gottschalk sie an der Hand zu seiner Couch führt, ihr wiederholt körperlich nahe rückt und ihr sexualisierende Kommentare vorliest. Als ihr die Szene in der Doku vorgespielt wird, kann die heute 56-Jährige ihre Fassung kaum wahren.
„Ich habe heute das Herzklopfen, das ich damals in dieser Situation hatte.“
Esther Schweins in der Dokumentation „Was haben wir gelacht“
Sie habe sich damals „in die Enge getrieben“ gefühlt und keine Worte dafür gehabt, dass es ihr auf dem Sofa nicht gutging, schildert Schweins weiter. Emotionaler Höhepunkt des Films ist laut Kritikern eine andere Szene: Schweins bricht in Tränen der Wut aus, nachdem ihr ein Ausschnitt aus Harald Schmidts Show gezeigt wird, in dem er Moderatorin Bettina Böttinger mit einer Klobrille verglich.

Empörung und Verteidigung im Netz
Der Ausschnitt mit Gottschalk und Schweins löst bei vielen Zuschauern deutliche Reaktionen aus. Unter dem entsprechenden Instagram-Beitrag der Produktionsfirma Port au Prince Films finden sich zahlreiche Kommentare wie:
- „Das ist maximal unangenehm.“
- „Mir ist gerade so schlecht, mir fehlen die Worte.“
- „Immer wieder eklig, das zu sehen.“
- „Einfach nur abstoßend.“
Daneben gibt es auch viel Zustimmung dafür, dass dieses Verhalten heute sichtbar gemacht und diskutiert wird. Andere Nutzer verteidigen Gottschalk und kritisieren den Film: „Damals hat es keinen gestört. Jedes Wort, Satz, gar körperliche Berührung von ihm heute neu zu bewerten, ist völlig absurd“, schreibt ein Kommentator. Eine andere Stimme fragt: „Keine der Damen hat sich beschwert. Warum tun sie es jetzt?“
Gottschalk verteidigt sein Verhalten
Thomas Gottschalk selbst hat sein Auftreten in der Vergangenheit stets verteidigt. Dem „Spiegel“ sagte er 2024:
„Ich habe Frauen im TV rein dienstlich angefasst. Wie ein Schauspieler, der im Film küsst, weil es im Drehbuch steht.“
Thomas Gottschalk im „Spiegel“-Interview, 2024

In „Was haben wir gelacht“ werden neben Gottschalk auch weitere Kollegen der damaligen Unterhaltungsbranche wie Harald Schmidt und Stefan Raab beleuchtet.
| Fakt | Info |
|---|---|
| Titel | Was haben wir gelacht |
| Regie | Eva Müller, Isabelle Schneider |
| Weltpremiere | Filmfest München, Juni 2026 |
| Kinostart | 7. Juli 2026 (Köln) |
| Protagonistinnen | Esther Schweins, Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Hella von Sinnen |
Für Esther Schweins war der Auftritt bei „Wetten, dass..?“ 1996 also nicht die harmlose Show-Anekdote, an die sich viele Zuschauer erinnern – sondern eine Situation, in der sie sich bis heute unwohl fühlt, wenn sie die Bilder wiedersieht. Damit reiht sie sich ein in eine wachsende Zahl von Frauen aus dem deutschen Fernsehen, die die vermeintlich harmlosen Scherze früherer Jahrzehnte heute offen benennen.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI