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„Anna“ (1987): Was die ZDF-Kultserie so besonders machte

30.09.2026, 11:21 Uhr

Weihnachten 1987 sitzt halb Deutschland vor dem Fernseher: Die ZDF-Weihnachtsserie „Anna“ erzählt von einer jungen Ballettschülerin, die nach einem schweren Unfall um ihren Traum vom Tanzen kämpft. Die sechs Folgen machen Silvia Seidel und Patrick Bach über Nacht zu Stars, der Titelsong stürmt die Charts. Fast 40 Jahre später gilt der Mehrteiler als Kultserie – und seine Geschichte hat eine Seite, die weit über das Fernsehen hinausgeht.

Die Handlung: Ein Unfall, ein Rollstuhl und ein großer Traum

Im Mittelpunkt steht die Münchner Ballettschülerin Anna Pelzer, gespielt von Silvia Seidel. Nach einem Autounfall erleidet sie eine Verletzung der Wirbelsäule und gibt die Hoffnung auf, jemals wieder tanzen zu können. In der Klinik trifft sie auf den gleichaltrigen Rainer Hellwig (Patrick Bach), der im Rollstuhl sitzt und gerne Videofilme dreht. Er holt Anna Schritt für Schritt aus ihrer Verzweiflung.

Mit viel Training und der Unterstützung ihrer Familie findet Anna zurück zum Tanz. Am Ende winkt sogar ein Stipendium in Paris – das sie laut t-online jedoch ablehnt. Die Mischung aus Drama, erster Liebe und Ballett traf 1987 genau den Nerv des Publikums.

„Anna“ im Überblick

Fakt Details
Sender ZDF (Koproduktion u. a. mit ORF und SRG)
Erstausstrahlung 25. bis 30. Dezember 1987
Umfang 6 Folgen à rund 55 Minuten
Drehbuch Justus Pfaue
Regie Frank Strecker
Musik Siegfried „Sigi“ Schwab
Hauptrollen Silvia Seidel (Anna Pelzer), Patrick Bach (Rainer Hellwig), Ilse Neubauer (Ute Pelzer), Eberhard Feik (Stefan Pelzer), Ronnie Janot (Philipp Pelzer), Milena Vukotic
Zuschauer bis zu 12 Millionen (laut t-online)
Fortsetzung „Anna – Der Film“ (Kino, 1988)

Ein Straßenfeger zwischen den Feiertagen

Drehbuchautor Justus Pfaue war damals bereits ein Garant für erfolgreiche Mehrteiler: Aus seiner Feder stammten auch „Patrik Pacard – Entscheidung im Fjord“ und „Oliver Maass“. Mit „Anna“ gelang ihm der nächste Coup. Nach Angaben von t-online sahen bis zu zwölf Millionen Menschen zu, andere Quellen wie Promipool sprechen sogar von rund 13 Millionen Zuschauern pro Folge.

Damit reiht sich „Anna“ in die Tradition der großen ZDF-Weihnachtsserien der 80er-Jahre ein, zu denen etwa auch „Timm Thaler“ mit Tommi Ohrner zählt. Laut Wikipedia wiederholte das ZDF die Serie ab Neujahr 1989 und danach meist jährlich zur Weihnachtszeit.

Gedreht in München und Paris

Wer genau hinschaut, erkennt in der Serie viele bekannte Orte. Laut filmtourismus.de wurde unter anderem hier gedreht:

  • Klinikum rechts der Isar der TU München
  • Schön Kliniken in Vogtareuth bei Rosenheim (als Reha-Zentrum)
  • Bayerische Staatsoper, Max-Joseph-Platz und Maximilianstraße
  • Seehaus im Englischen Garten und Münchner Hauptbahnhof
  • Paris: Notre-Dame, Sacré-Cœur und Eiffelturm
Silvia Seidel und Patrick Bach, die Stars der ZDF-Serie Anna, bei der Goldenen Kamera in Berlin
„Anna“-Traumpaar Silvia Seidel und Patrick Bach bei der Goldenen Kamera in Berlin, Ende der 1980er-Jahre. Foto: IMAGO / United Archives (Valdmanis)

„My Love Is a Tango“: Der Nummer-eins-Hit zur Serie

Für Musikfans ist „Anna“ untrennbar mit einem Song verbunden. Komponist Sigi Schwab schrieb den Soundtrack zur Serie, den Schlüsselsong „My Love Is a Tango“ nahm er mit dem Sänger Guillermo Marchena aus Curaçao auf. Das Lied lief in der Serie immer wieder – und wurde zum Hit.

Laut den Offiziellen Deutschen Charts stieg die Single am 18. Januar 1988 ein, erreichte Platz 1, hielt sich dort zwei Wochen und blieb insgesamt 17 Wochen in der Hitparade. Auch in Österreich ging es bis an die Spitze, in der Schweiz auf Platz 5. Wikipedia beziffert die Verkäufe auf rund 600.000 Exemplare. Der Nachfolger „Time for Lovers“ kam an diesen Erfolg nicht heran. Marchena starb 1994 in seiner Heimat Willemstad.

Preise und Kinofilm: Der „Anna“-Boom

Der Erfolg brachte den beiden Hauptdarstellern zahlreiche Auszeichnungen. Silvia Seidel und Patrick Bach erhielten für „Anna“ jeweils eine Goldene Kamera, die Veranstalter als „Teamkamera“ führen. Seidel wurde laut Wikipedia 1988 außerdem mit dem Bambi, dem Telestar-Förderpreis und einem Bravo-Otto in Bronze geehrt.

Schon 1988 kam die Fortsetzung „Anna – Der Film“ in die Kinos. Darin verliebt sich Anna in den Tänzer David, der bei einem Auftritt tödlich verunglückt. Wieder ist es Rainer, der sie ermutigt, ihre Karriere in New York fortzusetzen.

Schauspielerin Silvia Seidel mit Sänger Udo Jürgens bei der Goldenen Kamera in Berlin
Silvia Seidel mit Udo Jürgens bei der Goldenen Kamera in Berlin, Ende der 1980er-Jahre. Foto: IMAGO / United Archives (Valdmanis)

Was aus Patrick Bach wurde

Der Hamburger Patrick Bach, geboren am 30. März 1968, war schon vor „Anna“ ein Kinderstar: Die ZDF-Weihnachtsserien „Silas“ (1981) und „Jack Holborn“ (1982) hatten ihn bekannt gemacht. Später spielte er in Serien wie „Nicht von schlechten Eltern“ und „Die Wache“.

Heute ist er vor allem als Stimme zu hören: Bach ist die deutsche Standardstimme von Sean Astin und sprach ihn als Samweis Gamdschie in der „Herr der Ringe“-Trilogie. Seit 2008 gehört er außerdem zum Sprecherensemble des Hörspiel-Labels Titania Medien.

Silvia Seidel: Fluch und Segen einer Rolle

Für Silvia Seidel, geboren am 23. September 1969 in München, war „Anna“ Höhepunkt und Last zugleich. Die frühere Ballettschülerin hatte bereits eine kleine Rolle in „Die unendliche Geschichte“ (1984) gespielt, doch erst Anna Pelzer machte sie berühmt. An diesen Erfolg konnte sie später nie wieder anknüpfen. Es folgten der Ballettfilm „Ballerina“ (1990), Rollen etwa in „Sturm der Liebe“, „Die Rosenheim-Cops“ und „Forsthaus Falkenau“ sowie viele Theaterauftritte in der Komödie im Bayerischen Hof in München.

Wie sehr sie die Rolle prägte, beschrieb sie 2011 selbst. Das Schweizer Portal 20 Minuten zitierte sie im März 2011 mit den Worten:

„Ich war nicht mehr Silvia, sondern Anna.“

Silvia Seidel, zitiert von 20 Minuten (März 2011)

Im selben Bericht wird sie auch mit dem Satz „Die Rolle der Anna hat mir mein Leben versaut“ wiedergegeben.

Warum „Anna“ bis heute berührt

Hinter der Kultserie steht damit auch eine traurige Geschichte: Silvia Seidel starb im Sommer 2012 mit nur 42 Jahren in München, sie hatte lange mit Depressionen zu kämpfen. Mehr über ihre letzten Jahre lesen Sie in unserem Artikel über das Leben und den Tod von Silvia Seidel.

Für viele Zuschauer bleibt sie trotzdem für immer die mutige Anna, die sich zurück auf die Bühne kämpft. Genau das macht die Serie bis heute aus: eine Geschichte über Hoffnung – begleitet von einem Tango, den eine ganze Generation mitsummen kann.

Hinweis: Wenn Sie selbst depressive Gedanken haben oder sich in einer Krise befinden, finden Sie Hilfe bei der Telefonseelsorge. Sie ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 sowie online unter telefonseelsorge.de.

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