Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter immensem Druck. Seit dem 1. Dezember 2025 ist der Rundfunkreformstaatsvertrag in Kraft, der ARD, ZDF und Deutschlandradio zu deutlichen Einsparungen verpflichtet. Milliardenbeträge sollen bis 2028 eingespart werden – und die Unterhaltungsredaktionen spüren den Rotstift deutlich. Wer aus der Schlagerwelt betroffen ist, kristallisiert sich Stück für Stück heraus.
Das Ende einer TV-Ära: „Immer wieder Sonntags“ vor dem Aus
Der erste große Schlag traf die Schlagerfans bereits im März 2026: Der SWR gab per Pressemitteilung bekannt, das Traditionsformat „Immer wieder Sonntags“ nach der laufenden Saison nicht mehr zu verlängern. Ab 2027 werden die Sonntagvormittage im Ersten ohne die beliebte Volksmusik- und Schlagersendung auskommen müssen.
Stefan Mross, der die Sendung 21 Jahre lang moderiert hat, verabschiedet sich damit von einem festen Platz im deutschen Fernsehkalender. Insgesamt entstanden 31 Staffeln mit 378 Folgen – ein Rekord im deutschen Schlagerprogramm. Die finalen 13 Live-Ausgaben starten am 31. Mai 2026; die letzte reguläre Folge läuft am 6. September 2026, gefolgt von einer Best-of-Sendung am 13. September 2026.
„Ich habe wirklich eine großartige Zeit gehabt, und wir haben noch 13 Sendungen vor uns. Dort ist die Erwartung auf die Saison ausgeprägter.“
Stefan Mross, Moderator von „Immer wieder Sonntags“
SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler begründete die Entscheidung mit der wirtschaftlichen Lage des Senders: Die frei werdenden Mittel sollen teilweise eingespart und in neue digitale Unterhaltungsformate investiert werden. Ein Nachfolgeformat ist laut SWR nicht geplant.
Beatrice Egli macht Schluss — Show endet nach acht Ausgaben
Der nächste TV-Hammer folgte im April 2026: „Die Beatrice Egli Show“ wird nicht fortgeführt. Die Dezember-Ausgabe 2025 war – wie nun bekannt wurde – die letzte. Bemerkenswert: Die Entscheidung kam diesmal nicht vom Sender. Der SWR hatte bereits die nächste Aufzeichnung eingeplant; Beatrice Egli selbst entschloss sich, das Kapitel zu schließen.
In einer Videobotschaft an ihre Fans erklärte die Sängerin: „Dieses Jahr wird viel Neues passieren und weil viel Neues passieren wird, werde ich vorerst keine ‚Beatrice Egli Show‘ mehr machen.“ Seit April 2022 hatte die Schweizerin die nach ihr benannte Show im SWR-Fernsehen moderiert, die zuletzt mehrfach im Ersten zu sehen war – insgesamt acht Ausgaben in vier Jahren. Clemens Bratzler dankte ihr für ihr „großes Engagement“ und ließ sein Bedauern über das Ende deutlich erkennen.
Radio-Schlager unter Druck: Spartensender verlieren Frequenzen
Nicht nur das TV-Programm ist betroffen. Der Reformstaatsvertrag schreibt der ARD die Reduktion auf höchstens 53 terrestrisch verbreitete Radiowellen bis 2027 vor. Für den Schlager-Hörfunk bedeutet das: BR Schlager, MDR Schlagerwelt und NDR Schlager verlieren ihre terrestrische Verbreitung über UKW und DAB+. Die Inhalte sollen über die ARD Audiothek weiter digital abrufbar bleiben – ein Trost, der für das ältere Schlagerpublikum jedoch nur bedingt zieht.
| Format / Sender | Status | Details |
|---|---|---|
| „Immer wieder Sonntags“ (SWR/ARD) | 🔴 Eingestellt ab 2027 | Letzte Saison bis September 2026 |
| „Die Beatrice Egli Show“ (SWR/ARD) | 🔴 Eingestellt seit Dez. 2025 | Entscheidung von Egli selbst |
| BR Schlager / MDR Schlagerwelt / NDR Schlager | 🟡 Terrestrik entfällt | Weiter digital in der ARD Audiothek |
| Florian Silbereisens Feste (ARD) | 🟢 Gesichert bis mind. 2028 | Ausdrücklich nicht betroffen |
| Schlagerbooom Open Air | 🟢 Findet statt | 5./6. Juni 2026 geplant |
Wer bleibt — und wer ist sicher
Nicht alle Schlagerstars müssen sich Sorgen machen. Florian Silbereisens große Unterhaltungsshows im Ersten sind laut ARD ausdrücklich nicht von den Sparmaßnahmen betroffen — die Planung reicht mindestens bis 2028. Der „Schlagerbooom Open Air“ findet im Juni 2026 wie geplant statt. Silbereisen bleibt damit das stabile Aushängeschild des ARD-Schlagers in der Primetime.
Beobachter der Medienbranche sehen in den Absetzungen ein deutliches Signal: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zieht sich aus kleineren, regional produzierten Unterhaltungsformaten zurück und setzt stattdessen auf wenige, quotenstarke Großevents sowie auf digitale Angebote für jüngere Zielgruppen. Für das klassische Schlagerpublikum bedeutet das eine spürbare Verschmälerung des linearen Angebots.
Ob weitere Formate in den kommenden Monaten auf der Streichliste landen werden, bleibt abzuwarten. Die ARD hat angekündigt, die Sparbemühungen bis 2028 fortzusetzen. Der Schlager im deutschen Fernsehen steht damit vor einer Zäsur — und wie groß deren Ausmaß sein wird, zeichnet sich erst allmählich ab.
Dann fangt mal bei der Jugend an zu sparen und nicht bei den Senioren, aber da traut ihr euch nicht😥