Es sollte ein Zeichen für Toleranz und Zusammenhalt werden – jetzt kommt alles anders. Nach dem Terroranschlag beim Christopher Street Day in Berlin steht fest: Die beliebte Technoparade „Zug der Liebe“ wird es 2026 in ihrer gewohnten Form nicht geben. Die Veranstalter sprechen von einer Lage, die sich „drastisch verändert“ habe.
Was ist beim CSD in Berlin passiert?
Am Samstagabend, den 25. Juli 2026, war ein Van am Rande des Christopher Street Day nahe des Tiergartens in eine Menschenmenge gerast. Eine Frau starb, 31 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprachen von einem islamistisch motivierten Terroranschlag. Der 21 Jahre alte Tatverdächtige wurde einen Tag später bei einem Festnahmeversuch in Spandau von Polizisten erschossen. Ermittlungen zufolge hatte er zuvor versucht, sich der Terrormiliz IS anzuschließen.
Warum wird der Zug der Liebe 2026 abgesagt?
Der „Zug der Liebe“ hätte am 29. August 2026 durch die Berliner Innenstadt ziehen sollen – im Vorjahr waren rund 10.000 Menschen dabei. Wie der Verein Zug der Liebe e.V. in einer Mitteilung vom 29. Juli 2026 erklärt, sei die Absage am Ende die Konsequenz aus drei Problemen gewesen, die sich gegenseitig verschärft hätten:
- Logistischer Engpass: Erstmals in der zehnjährigen Vereinsgeschichte fehlten rund 70 Prozent der bestellten Lastwagen für die Musik-Trucks.
- Behördliche Blockaden: Trotz monatelanger Vorbereitung gab es keine abschließende Einigung mit der Versammlungsbehörde über die erlaubte Lautstärke von 90 Dezibel.
- Die veränderte Sicherheitslage: Nach dem Anschlag beim CSD wäre eine Parade nur noch unter massiven Auflagen möglich gewesen – von Wegfahrsperren über Personenkontrollen bis zu stark aufgerüsteter Polizeipräsenz.
Vor allem der letzte Punkt habe den Ausschlag gegeben, so die Veranstalter:
„Der Zug der Liebe stand immer für einen unbeschwerten, angstfreien Raum des Protestes. Eine Demonstration unter dem aktuellen, allgemeinen Angstgefühl und derart restriktiven Rahmenbedingungen widerspricht der Grundidee der Veranstaltung fundamental.“
Zug der Liebe e.V., Pressemitteilung vom 29.07.2026
Was ist mit anderen Berliner Paraden?
Nicht betroffen ist die Technoparade „Rave the Planet“, die am 15. August 2026 zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule stattfinden soll – also ebenfalls durch den Tiergarten, an dessen Rand sich der Anschlag ereignete. Laut den Organisatoren gegenüber der RBB-„Abendschau“ wird an dem Termin festgehalten.
| Event | Geplanter Termin 2026 | Status |
|---|---|---|
| Zug der Liebe | 29. August | Findet nicht wie geplant statt |
| Rave the Planet | 15. August | Findet wie geplant statt |
„Zug der Liebe goes RAW“ – so geht es jetzt weiter
Ganz von der Bildfläche verschwinden wollen die Organisatoren aber nicht. Unter dem Motto „Zug der Liebe goes RAW“ schließen sie sich mit ihren verbliebenen, selbst finanzierten Trucks einer zeitgleich geplanten Kundgebung zum Erhalt des RAW-Geländes an – organisiert von Maria Bischof. Statt einer rollenden Demo soll es eher eine Kundgebung mit Musik werden. Den Abschluss bildet eine Afterparty im Berliner Club Ritter Butzke, bei der unter anderem die Kollektive Sachsentrance, Polyamor, Basstronauten/Ostfunk und Techobst auflegen.
„Der Zug der Liebe sagt nicht ab. Er geht dorthin, wo er in diesem Jahr am wichtigsten ist.“
Zug der Liebe e.V.
Für die Fans der Parade bedeutet das: Der bunte Umzug durch die Innenstadt fällt 2026 aus – die Botschaft von Zusammenhalt und Toleranz, für die der Zug der Liebe seit zehn Jahren steht, soll aber an anderer Stelle weiterleben.
Von: Julian Weber bearbeitet mit KI