Bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises in Berlin hat Sänger Herbert Grönemeyer am 23. Juni 2026 deutliche Worte an die Politik gerichtet. In seiner Dankesrede kritisierte er die Sprachlosigkeit der vergangenen Regierungen – und rief die Zivilgesellschaft zur Eigenverantwortung auf.
Scharfe Kritik an Merkel, Scholz und der aktuellen Koalition
Herbert Grönemeyer ließ bei seiner Dankesrede kein gutes Haar an der politischen Kommunikation der letzten zwei Jahrzehnte. In den vergangenen 20 Jahren sei mit der Bevölkerung „nicht und über nichts gesprochen worden“, sagte der Musiker. Er nannte dabei konkrete Namen:
„Frau Merkel schwieg, außer dem: ‚Wir schaffen das‘, dann wieder Schweigen. Herr Scholz kopierte den Stil, setzte noch einen darauf, sprach kurz von der ‚Zeitenwende‘ und verfiel dann wieder ins Stumme.“
Herbert Grönemeyer, Dankesrede beim Deutschen Nationalpreis 2026
Auch die aktuelle Bundesregierung blieb nicht verschont. Laut Grönemeyer ahme die Koalition „eher die Ampel in ihrem öffentlichen Gezerre und Gezeter nach, anstatt als Regierung zu Kompromissen und klaren weiterführenden Ergebnissen und Entschlüssen zu kommen und zu regieren.“
Der Fußball-Vergleich: Gemeinsam zum Tor statt Streit im Mittelkreis
Um zu zeigen, wie es besser gehen kann, griff Grönemeyer zu einem Bild aus dem Fußball. In der deutschen Nationalmannschaft spielten im Mittelfeld Felix Nmecha von Borussia Dortmund und Aleksandar Pavlović vom FC Bayern München – zwei Spieler, die in der Bundesliga hart miteinander konkurrieren. Im Nationaltrikot jedoch zögen sie an einem Strang:
„Aber sie kebbeln sich nicht im Mittelkreis, sondern suchen gemeinsam den direkten Weg zum Tor. So geht das. Wir wollen Taten und kein Getratsche.“
Herbert Grönemeyer
Aufruf zur Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger
Grönemeyer nutzte die Bühne auch für einen Appell an die Zivilgesellschaft. Die Menschen bräuchten keine Bevormundung von oben:
„Wir brauchen nicht unbedingt eine Mutti oder einen Vati. Wir haben uns selbst.“
Herbert Grönemeyer
Jetzt seien die Bürgerinnen und Bürger gefragt, in Aktion zu kommen – als Bewegung für- und untereinander. Als positives Beispiel nannte er das Jahr 2015, als Menschen in ganz Deutschland Geflüchteten entgegengegangen seien und ihnen geholfen hätten.
Und trotz aller Kritik: Angst vor der Zukunft wolle er sich nicht machen lassen. „Ich bin ein knackiger, mittelalter, weißhaariger, 70-jähriger Mann aus der Boomer-Generation. Ich trage eine große Verantwortung für die mir folgenden Generationen, und die trage ich gern.“
Der Deutsche Nationalpreis – und wer ihn noch erhielt
| Detail | Info |
|---|---|
| Vergeben seit | 1997 |
| Vergeben durch | Deutsche Nationalstiftung |
| Dotierung | 50.000 Euro (gesamt) |
| Zweck | Engagement für demokratische Gesellschaft |
| Förderpreis 2026 | Rhapsody in School |
Die Deutsche Nationalstiftung verleiht den Deutschen Nationalpreis seit 1997 jedes Jahr an Personen und Organisationen, die sich für eine demokratische Gesellschaft einsetzen. Der parallel verliehene Förderpreis zeichnet bevorzugt Projekte aus, die sich für den Zusammenhalt junger Menschen starkmachen. 2026 ging er an das Projekt Rhapsody in School.
Quelle: dpa / t-online.de