Der Tech-Milliardär Elon Musk hat seinen Anwalt Joachim Steinhöfel beauftragt, das ZDF abzumahnen. Auslöser ist eine Formulierung aus der Nachrichtensendung „ZDFheute live“ vom 12. Juni 2026, in der Musk vorgeworfen wurde, zu einer „Jagd auf Migranten“ aufgerufen zu haben. Das ZDF hat daraufhin die Anmoderation des Beitrags bereits gekürzt — aus rechtlichen Gründen, wie der Sender selbst auf seiner Website angibt.
Der Auslöser: Ausschreitungen nach Messerangriff in Belfast
In der nordirischen Hauptstadt Belfast hatte sich vergangene Woche ein brutaler Messerangriff auf offener Straße ereignet. Ein sudanesischer Migrant soll einen 44-Jährigen attackiert haben; ein Video des Vorfalls verbreitete sich rasend schnell im Netz. In der Folge kam es in der Umgebung von Belfast über mehrere Nächte zu gewalttätigen ausländerfeindlichen Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, Fahrzeuge und Häuser wurden in Brand gesteckt. Rechtsextreme Aktivisten hatten zu den Demonstrationen aufgerufen.
Die umstrittene ZDF-Anmoderation
In der Sendung „ZDFheute live“ vom 12. Juni 2026 leitete eine Moderatorin die Berichterstattung über die Ereignisse mit folgenden Worten ein:
„Ein brutaler Mordversuch auf offener Straße in Belfast. Jemand filmt. Das Video geht viral. Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten. Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist – und Tech-Milliardär Elon Musk.“
ZDFheute live, 12. Juni 2026 (Originalfassung)
Diese Formulierung löste umgehend Kritik aus. Musks Anwalt Joachim Steinhöfel übermittelte dem ZDF daraufhin eine Abmahnung und forderte die Abgabe einer Unterlassungserklärung. Das Schreiben bezeichnet die Behauptung als „offensichtlich unwahr“ und spricht von einer „ehrabschneidenden und verleumderischen Unterstellung“ sowie einem „drastischen Verstoß gegen journalistische Grundsätze“.
ZDF kürzt Anmoderation aus rechtlichen Gründen
Noch vor Ablauf der gesetzten Frist hat das ZDF reagiert: Auf der offiziellen ZDF-Seite des Beitrags ist inzwischen ein Hinweis zu lesen: „Die Anmoderation wurde aus rechtlichen Gründen gekürzt.“ Der Sender hat die ursprüngliche Formulierung damit bereits nachträglich bearbeitet. Eine vollständige Unterlassungserklärung, wie von Steinhöfel gefordert, ist damit allerdings noch nicht abgegeben.
Was Musk tatsächlich gepostet hatte
Was Musk tatsächlich auf seiner Plattform X veröffentlicht hatte, war differenzierter: Der X-Eigentümer hatte Beiträge des britischen rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson sowie des Vorsitzenden der Partei Restore UK, Rupert Lowe, weiterverbreitet und sich deren Protestaufrufen angeschlossen. An seine rund 240 Millionen Follower schrieb Musk sinngemäß: „Nur wenn wir wiederholt und laut protestieren, wird sich etwas ändern.“
Ein direkter Aufruf zur „Jagd auf Migranten“ findet sich in seinen Beiträgen nicht. Forscher der Internet-Überwachungsorganisation Center for Countering Digital Hate (CCDH) berichteten allerdings, dass die Beiträge von Robinson, Lowe und Musk zusammen über 115 Millionen Aufrufe erzielten — rund 55 Prozent davon entfielen auf Musk. Die Organisation attestierte ihm eine „Schlüsselrolle“ bei der Eskalation.

Die Reaktionen
Musk selbst kommentierte die Angelegenheit auf X mit den Worten: „Gegen das ZDF wird wegen seiner ungeheuerlichen Lügen rechtlich vorgegangen.“ Der Publizist und Nius-Chefredakteur Julian Reichelt bezeichnete das ZDF als „Festung der Lügen“.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| ca. 8. Juni 2026 | Messerangriff in Belfast geht als Video viral |
| 8.–12. Juni 2026 | Ausländerfeindliche Ausschreitungen in Nordirland |
| 12. Juni 2026 | Musk teilt Beiträge von Tommy Robinson und Rupert Lowe auf X |
| 12. Juni 2026 | ZDFheute live: Moderatorin nennt Musk als Aufrufer zur „Jagd auf Migranten“ |
| 13. Juni 2026 | Musk kündigt auf X rechtliche Schritte gegen ZDF an |
| 16. Juni 2026 | Anwalt Steinhöfel mahnt ZDF ab, Frist bis 18. Juni 16 Uhr |
| 16. Juni 2026 | ZDF kürzt Anmoderation des Beitrags aus rechtlichen Gründen |
Wie stehen Musks rechtliche Chancen?
Presserechtler Carsten Brennecke schätzt Musks Aussichten als gut ein: Die Behauptung, jemand habe zu einer „Jagd auf Migranten“ aufgerufen, ohne dass sich dies eindeutig aus seinen Äußerungen ergibt, könne als falsche Tatsachenbehauptung gewertet werden — das eröffne gute Möglichkeiten, eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Dass das ZDF die Anmoderation bereits aus rechtlichen Gründen gekürzt hat, dürfte dabei als indirektes Eingeständnis gewertet werden, dass die ursprüngliche Formulierung problematisch war. Das ZDF hat nun bis Donnerstag, den 18. Juni 2026, um 16 Uhr Zeit, die geforderte Unterlassungserklärung abzugeben. Kommt es dazu nicht, will Anwalt Steinhöfel umgehend weitere rechtliche Schritte einleiten.