Phoenix-West: Crossover aus Dortmund

Die vier Jungs von Phoenix West besingen auf ihrem Debütalbum „Ohne uns“ die Seele des Ruhrgebiets. Mit fulminanter Orchestrierung erzählen sie von Region, Menschen und dem Alltäglichen.

Phoenix West Band
Die vier Jungs von Phoenix West.
©TELAMO

Die Band hat zwei Jahre lang an dem Album gearbeitet und gab im Oktober letzten Jahres „ihr erstes musikalisches Lebenszeichen“ von sich. Was das Quartett über ihr Debütalbum, musikalische Sozialisation und Heimat zu berichten hat, das erzählten Phoenix West SchlagerPlanet im Interview.

Steckbrief

Für Euch haben wir die biographischen Eckdaten der Band-Mitglieder zusammengetragen.

  • Chris Dunkler, 34, der einzig „waschechte Dortmunder“ der Band hat sich beruflich ganz der Musik verschrieben: „Ich sitze gerne stundenlang vor dem Klavier, wenn ich die Zeit dazu habe, träume vor mich hin“.

  • Steffen Eckert, 34, aus Ludwigshafen, arbeitet eben dort in einem großem Chemieunternehmen.

  • Martin Krieger, 37, Wien, tätig im Marketing bei Firma aus der Autobranche, hat daher „Bezug zu Stahl und dem Kernigen“.

  • Phil Ohleyer, 29, vom Niederrhein, Ruhrgebietsgrenze Wesel, jobbt als Barkeeper, hat als jahrelanger BVB-Fan Bezug zur Stadt

Nostalgieffekt: Das Debütalbum „Ohne uns“

„Ohne uns“, so lautet der Title-Track des gleichnamigen Debütalbums der Band. Wie es dazu kam, erklärt Martin: „Der Titel bezieht auf den Inhalt des Textes. Der Inhalt sagt aus, dass ohne die ganze Kohle- und Stahlindustrie, was die ganzen Gebäude rundherum auf den Tisch gebracht hat, würde heute vieles nicht mehr stehen. Diesen Nostalgieffekt und Kultschlag, der aus dieser Arbeiterschicht herrührt, wollten wir noch einmal aufs Tapet bringen. Ohne verklärend zu wirken, geht es dabei um Romantik, die regional nicht beschränkt, egal, ob deutschlandweit oder aus Österreich. Obwohl auch mit einem „lächelnden Auge zu sehen“, ist „die Aussage zu beleuchten, was Stahl für die Region und für ganz Deutschland erschaffen und möglich gemacht hat“, so Steffen weiter.

Die Wurzeln des Albums

Alle 13 Titel des Albums, so die Band, unterscheiden sich. Gemeinsam haben sie das „Bühnliche-Orchestral-Brachialische“, erklärt Steffen: „In den Texten geht es um alltägliche Dinge. Wir haben natürlich Songs, die sich ausschließlich mit dem Ruhrgebiet befassen. Wir haben auch Lieder wie du und ich. Da geht es um Liebe, Kneipensterben, Freundschaft und Zusammenhalt. Themen, die die Leute auf der Straße beschäftigen, volksnah erzählt. Wir sind nicht die Band, die sagt, wir haben den Ruhrpott erfunden, sondern wir sind die Geschichtenerzähler. Arbeiter gibt es überall, doch sie haben den Ruhrpott als ihre „Homebase“ gewählt. Für sie ist die Region faszinierend, was sie auch in dem Video zu ihrer ersten Single „Rhein und Ruhr“ zeigen. „Unser Zuhaus, unser Revier“, heißt es in dem Lied und ist so eine „hymnische Liebeserklärung an die Heimat“.

Das erste offizielle Musikvideo von Phoenix West - Rhein und Ruhr.
©Youtube/Telamo – Wir lieben Schlager

Bedeutung des Ruhrpotts

Martin hat als Wiener eine ganz besondere Sicht auf das Ruhrgebiet: „Als Wiener kann ich das ganz anders beleuchten, als diejenigen, die hier aufgewachsen sind. Mich erinnert der Pott auch sehr an meine Kindheit. Mein Opa hat in der Nähe von Wien einen Kohlehandel gehabt. Von der Wuchtigkeit, vom brachialen Stahlgebäude, dazu die Landschaft vom Ruhrpott. Es ist beeindruckend, bodenständig, nahe und ehrlich. Das macht es für mich so interessant, hier zu sein.“

Erfahrungen in Bands

„Ich habe 2011 am Popkurs teilgenommen, hatte nebenbei eine Band, die ist mittlerweile aber Hobby, da ich seit zwei Jahren voll in diesem Projekt drinstecke“, erzählt Phil. Auch Steffen machte bereits in der Vergangenheit Band-Erfahrung, jedoch eher im Bereich YouTube. Sprachlich gab er Deutsch den Vorzug, da ihm das besser liege.

Martin ist auch schon seit Schulzeiten der Musik aktiv verbunden: „Ich habe damals in der Schulband angefangen, hatte Bands und Projekte. Zuletzt war ich als Singer/Songwriter unterwegs.“ Chris ist im Gala-Geschäft tätig: „Dort auch immer noch als Sänger und mache Cover-Programme, die auch die breite Masse begeistern. Gala-Programme, natürlich auch Schlager. Kult-Schlager gehören natürlich auch dazu.

Musikalische Vorbilder

Der Frage nach „leidigen musikalischen Vorbildern“ begegnet die Band mit höchster Souveränität und geben bereitwillig Auskunft: „Ich habe große musikalische Vorbilder, zum einen Grönemeyer, der auch Mann des Ruhrpotts ist. Ebenso Swing. Rammstein ist auch ganz geil. Ich bin da breit gefächert und kann mich da nicht festlegen“, erzählt Chris. In Grönemeyer sieht die gesamte Band einen großartigen Künstler. Sie selbst bezeichnen ihre eigene Musik als „Crossover“, da sie „verschiedene Musikstile kombiniert haben“.

Der Band-Name

Kenner der Stadt Dortmund verbinden eine große-Autotuner-Szene mit dem Namen, die auf dem Gelände des ehemaligen Hochofenwerks Phoenix-West vorhanden ist: „Der Name Phoenix West ist entstanden bei einem Fotoshooting. Einen Namen für eine Band zu finden ist nie einfach. Wir hatten zig Namen. Phoenix West ist es geworden, weil Phoenix West die Heimat des Ruhrgebiets ist., erinnert sich Chris.

Enger Fan-Kontakt

Besonders am Herzen liegt der Band der Kontakt zu den Fans. Am 3. Februar teilten sie via Facebook mit, dass sich die Veröffentlichung ihres Albums auf den 8. April verschiebt. Weiter läuft aktuell auch die Aktion, dass Ihr mitbestimmen könnt, wo die Band ihre Gigs spielen wird.

Phoenix West Band
Phoenix West beim Interview mit SchlagerPlanet.
©Denis Zielke


Autor(in) SchlagerPlanet:



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