Hape Kerkeling überrascht mit seinem Outing. Damit ist nicht seine Sexualität gemeint.
Eine klare Abrechnung mit dem Abendprogramm

Deutlicher könnte die Kritik kaum ausfallen. Hape Kerkeling nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um das heutige Fernsehangebot geht. „Man kann heute kein Fernsehen mehr gucken“, stellt er trocken fest – zumindest nicht das, „was Samstagabend im ZDF oder in der ARD oder sonst wo läuft“. Für den Entertainer scheint klassisches lineares Fernsehen seinen Reiz weitgehend verloren zu haben. „Eigentlich gucken wir kein Fernsehen“, legt er nach. Worte, die überraschen – schließlich gehört Kerkeling selbst seit Jahrzehnten zu den prägendsten Gesichtern der deutschen TV-Landschaft. Ganz vom Bildschirm verabschiedet hat er sich allerdings nicht. Vielmehr hat sich sein Blick darauf grundlegend verändert.
Kein Abschied vom Fernsehen – nur ein Perspektivwechsel

TV-Verweigerer ist Hape Kerkeling nämlich keineswegs. Aktuell ist der 61-Jährige sogar im Kinofilm Extrawurst zu sehen und kehrt bald in einer seiner legendären Kultrollen zurück. Statt öffentlich-rechtlicher Samstagabendshows setzt er privat jedoch auf ganz andere Formate. Im Podcast Und was machst du am Wochenende? spricht Kerkeling offen darüber, was bei ihm wirklich läuft, wenn der Fernseher eingeschaltet wird. Seine Wahl fällt dabei nicht auf anspruchsvolle Doku-Reihen oder Polit-Talks – sondern auf ein Genre, das viele eher belächeln.
Reality-TV statt Hochglanz-Unterhaltung

Besonders angetan hat es ihm ein Format von RTL: Temptation Island. Ohne Scheu bekennt Kerkeling: „Das ist Unterhaltung, die ich mir gefallen lasse. Ich gucke es gerne, weil es einfach Trash ist.“ Für ihn ist genau das der Reiz. Auch das Sommerhaus der Stars gehört zu seinen heimlichen Favoriten. Aussagen, die überraschen – und gleichzeitig zeigen, wie entspannt der Entertainer mit seinem eigenen Medienkonsum umgeht. Anspruch und Unterhaltung müssen für ihn offenbar nicht immer Hand in Hand gehen.
Warum ihn Trash-TV fasziniert

Was Kerkeling an Reality-Shows besonders reizt, erklärt er mit entwaffnender Ehrlichkeit. „Weil man manchmal einfach denkt, es ist alles nicht wahr, wozu Leute sich hergeben. Da gibt es ja auch keine Grenze nach oben“, sagt er. Gerade diese Überzeichnung des Menschlichen mache für ihn den Reiz aus. Reality-TV sei wie ein Blick in eine Parallelwelt – extrem, überspitzt und oft schwer zu glauben. Anders als bei vielen klassischen Fernsehformaten wisse man hier genau, was man bekomme: Eskalation, Emotionen und Drama – aber ohne falsche Versprechen.
Entspannung durch Kontrolle

Ein weiterer Punkt ist für Kerkeling entscheidend: der Rahmen. Er lobt ausdrücklich, dass bei Reality-Shows alles „in so einem kontrollierten Rahmen“ stattfinde. Das gebe ihm als Zuschauer Sicherheit. Für ihn sei es „völlig entspannt“, Sendungen wie „Temptation Island“ zu verfolgen, weil klar sei, dass niemand wirklich ungeschützt ausgeliefert werde. Die Dramen seien inszeniert, die Eskapaden begrenzt – und genau das mache den Konsum so angenehm. Keine moralischen Zeigefinger, keine versteckten Botschaften, sondern pures Abschalten.
Ein Satz, der hängen bleibt

Am Ende fasst Hape Kerkeling seine Haltung mit einem Augenzwinkern zusammen – und sorgt damit für Schmunzeln wie Diskussionen zugleich: „Ich brauche tatsächlich diese Assis zum Entspannen!“ Ein Satz, der provokant wirkt, aber viel über seine Gelassenheit verrät. Für Kerkeling ist Fernsehen kein Bildungsauftrag mehr, sondern ein Werkzeug zur Erholung. Ob Hochkultur oder Trash – entscheidend ist allein, was ihm guttut. Und vielleicht liegt genau darin sein Erfolgsgeheimnis: Er nimmt das Leben, das Fernsehen und sich selbst nicht allzu ernst.

