Unterscheiden sich die Schlagerstars der letzten Jahrzehnte?

Wusstet Ihr schon?

Schlager ist allgegenwärtig, Schlager ist „IN“ – doch wie entwickelte sich die Schlagermusik eigentlich in all den Jahren? Hört man heutzutage den gleichen Schlager wie vor 80 Jahren?

Die französische Sängerin Mireille Mathieu wurde in Deutschland als „Spatz von Avignon“ bekannt.

Man kann sich dem Schlager nicht entziehen: Während der Schlager noch vor ein paar Jahren vor allem reiferen Personen zugeordnet wurde, sind es besonders Schlagerstars wie Helene Fischer und Linda Hesse, die die Musik „modern“ machen und den Schlager auch jungen Menschen näher bringen.

Als Schlager bezeichnet man ein leicht verständliches Musikstück mit meist deutschen, gefühlvollen Texten. Schlager ist ein Synonym für das englische Wort „Hit“, was so viel wie „Treffer“ bedeutet. Ein Schlager ist also ein Musikstück, das großen Erfolg erzielt, einschlägt wie ein Blitz. Die ersten deutschsprachigen Schlager finden sich in den Operetten vor 1900. Damals komponierte man für die höheren Stände Operettenmelodien. Zwischen 1920 und den frühen 1930ern erfand und verbreitete man den Tonfilm. Dadurch wurden die früheren Schlager und Operettenmelodien einem breiten Publikum bekannt. Die Texte waren meist schlicht und teilweise anstößig, was mit der Aufklärung und Emanzipation einherging. Bekannte Vertreter dieser Musik waren Marlene Dietrich und die Comedian Harmonists.

In den 30er und 40er Jahren musste der Schlager für Propagandazwecke herhalten und die zweideutigen Texte der Jahre zuvor verschwanden. Jüdische Musiker wie die Comedian Harmonists durften nicht mehr auftreten. In der Nachkriegszeit begannen die Plattenindustrien wieder, Musik zu produzieren, oft als Faschingslieder für die närrische Zeit. Der Musikgeschmack der Menschen war vielseitig. In dieser Zeit startete Peter Alexander seine Karriere und Caterina Valente hatte mit ihrem Schlager-Evergreen „Ganz Paris träumt von der Liebe“ ihren großen Durchbruch in Deutschland.

Anfang der 60er begannen viele Deutsche, ihren Urlaub im Süden zu verbringen, weshalb viele Schlager entstanden, die die Sehnsucht nach Italien weckten, so z.B. das Lied „Caprifischer“ oder „Heißer Sand“. Auch Seemannslieder waren in dieser Zeit sehr beliebt. Besonders der Schlagersänger Freddy Quinn war wochenlang mit seinen Dauerbrennern „Junge, komm bald wieder“ und „Die Gitarre und das Meer“ in den Charts und zählt zu den erfolgreichsten Schlagersängern aller Zeiten. Auch trat er 1956 beim ersten „Grand Prix Eurovision“, den wir heute unter dem Namen „Eurovision Song Contest“ kennen, an.

In den 60ern spalteten sich Schlager und Popmusik – während der Schlager deutschlastig blieb und bestehende und etablierte Rhythmen und Melodien festigte, suchte die Popmusik Neuerungen in Sprache und Musik. Im Jahr 1962 waren die meisten Nr. 1-Hits noch deutschsprachige Titel, 1966 waren es nur noch etwa 50% und um 1969 nur noch 5-10%. Grund dafür war, dass die Popmusik die aufständische Jugend ansprach und sich mit politischen Themen auseinandersetzte. Der Schlager problematisierte in seinen Liedern jedoch keine politischen Themen und wurde für die Jugendlichen mehr und mehr bedeutungslos. Um den Schlager wieder beliebter zu machen, suchte man sich fremdsprachige, im eigenen Land erfolgreiche Künstler und gab ihnen deutsche Songs. Diese Künstler waren unter anderem Siw Malmkvist, Mireille Mathieu und Nana Mouskouri.

Durch die zunehmende Verbreitung von Fernsehgeräten in den 70er Jahren erlebte die Schlagermusik eine erneute Blütezeit. Es war die Zeit der Musiksendungen, es war die Zeit der „ZDF-Hitparade“ und der deutschen Schlagerstars. Zehn Jahre begeisterte die „Neue Deutsche Welle“ die Massen und verdrängte den Schlager aus der Hitparade und dem Radio. Musikindustrie und Sänger versuchten, die Schlagermusik zu retten und setzten den Begriff „Neuer Deutscher Schlager“ um.

1990 feierte man die Wiederbelebung des Schlagers, seit 1997 erschienen mit Unterstützung von Uwe Hübner „Die Deutschen Schlager Charts“. Auch heutzutage gibt es Veranstaltungen und Musiksendungen nur für Schlagerfans, z.B. den Schlagermove in Hamburg. Beim Schlagermove feierten im vergangenen Jahr rund 500.000 Besucher, mehr als bei anderen Festivals wie bspw. „Rock am Ring“ oder „Rock im Park“. Fernsehsendungen und Shows von Schlagerstars, allen voran von Publikumsliebling Florian Silbereisen haben unglaublich hohe Einschaltquoten. Kürzlich hatte sein „Frühlingsfest der 100.000 Blüten“ sogar mehr Zuschauer als die Unterhaltungsshows von Dieter Bohlen und Stefan Raab. Auch dem Münster-Tatort „Summ, Summ, Summ“, der am Sonntag in der ARD lief, bescherte Schlagerstar Roland Kaiser Top-Quoten.

Die Schlagermusik hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt und erlebte ein stetiges Auf und Ab. Doch dass der Schlager aktuell und beliebt wie nie ist, zeigen auch die Albumcharts immer wieder: Andrea Berg und Helene Fischer bestehen regelmäßig auf die vorderen Plätze!