#Fremdschämen#Lifting#Quotenkönig

Verjüngungskur im TV

Es ist ein Kreuz mit diesen „Häschtägs“: #Fremdschämen#Lifting#Quotenkönig. Zeichensprache 2.0 ist angesagt. Das Coolness-Konzept im TV wird in Musikshows umgesetzt – oder zumindest versucht. Sendungen werden verjüngt, doch wo führt das hin?

Cool ist angesagt. Auch im Fernsehen werden Formate verjüngt. Wo soll das hinführen?

Fremdschämen. Gäbe es so etwas wie das mediale Unwort des Jahres würde fremdschämen perfekt passen. Wer es heutzutage zu „Deutschland sucht den Superstar“ schafft, der trifft entweder alle Töne oder gar keinen. Letzteres bedeutet Aufmerksamkeit, zwar negative, aber immerhin. Was dann getwittert würde? #Fremdschämen.

Nostalgie ade

Früher gab es sie noch, die Musiksendungen, die wirklich welche waren: „Super Drumming“ zum Beispiel oder „Straße der Lieder“. Beide Shows wurden abgesetzt. „Super Drumming“ war eine Fernsehshow, die die ARD bis 1990 ausstrahlte. Es wurde viel live Musik gespielt, wobei der Fokus auf die Instrumente gelegt wurde, im Speziellen auf das Schlagzeug und die Percussions. Und in „Straße der Lieder“ standen Chöre im Mittelpunkt, die mit einem Oldtimer-Bus von Ort zu Ort fuhren. An besonders sehenswerten Plätzen machten sie Halt, sangen und erzählten Geschichten. Das war nostalgisch. Doch nun ist Schluss damit.

2008 wurde „Straße der Lieder“ eingestellt. Zum Glück gibt es heute noch den „Musikantenstadl“, zumindest an Silvester. Doch auch der wurde kürzlich verjüngt. Der authentische Schlagermann, Andy Borg, moderierte 2015 ein letztes Mal – nun stehen Alexander Mazza und Francine Jordi vor der TV-Kamera. Warum? Weil das junge Publikum verstärkt angesprochen werden soll. Warum? Weil sich auch diese Musiksendung dem medialen Lifting beugt. Warum? Weil jung hipp ist! Und hipp ist angesagt. Jünger, hipper, angesagter – heutzutage muss alles cool sein. Was hilft? #Lifting.

Zahlen lügen nicht

Wer cool ist, kommt an. Das zumindest glauben viele. Wohl auch all diejenigen, die sich vor die „Deutschland sucht den Superstar“-Jury trauen und singen – oder so tun. Doch wer glaubt, cool zu sein, ist es nicht automatisch. Die Zahlen belegen das. Und Zahlen lügen nicht: Die Einschaltquoten des „Musikantenstadls“ rutschten in ein tiefes Loch, nachdem Andy Borg 2015 auf Wiedersehen sagte. So ganz geht das TV-Lifting der Unterhaltungsshow-Macher anscheinend nicht auf. Nach 34 Sendejahren mit Schlagergästen wie Roland Kaiser oder Hansi Hinterseer werden heute DJ Ötzi oder Jürgen Drews begrüßt. Doch nun die Überraschung: Das coole Konzept floppt. Während Andy Borg knapp vier Millionen Zuschauer vor die Heim-TVs lockte, schaffen es Jordi und Mazza gerade mal etwas über die Hälfte davon. Die Verjüngungskur schlägt also nicht an. Denn das Original, Andy Borg, ist weg. #Quotenkönig.

Wenn das Image der Musikshow durch die Verjüngung nicht aufgepeppt werden kann, was soll dann passieren? Möglich wäre, alles beim Alten zu belassen und die Fans begrüßen, die wirklich gerne Volksmusiksendungen sehen. Und wer nicht auf Schlager steht, der kann sich an den geschätzt 90 Prozent des restlichen TV-Programms bedienen. #Fremdschämen.