Bläck Fööss: Karneval ist ein Seelenaustausch

Mehr als Party

Kaum zu glauben: Die Bläck Fööss waren nicht immer eine Ikone der kölschen Mundart. Heute sind sie jedoch eine Combo, die unweigerlich mit der Domstadt am Rhein verbunden ist – mit den Menschen und dem Kölner Karneval.

„Ne echte kölsche Band“: Kaum eine Band ist so unweigerlich mit Köln verbunden wie die Bläck Fööss.

Im Kölner Karneval sind die Bläck Fööss eine der gefragtesten Bands. Bereits seit fast 45 Jahren begeistern sie ihr Publikum mit kölschen Klängen über die Heimatliebe, die Sehnsucht und stimmungsvolle Feste - und das nicht nur zur närrischen Zeit. Wie keine andere Band stehen sie für das kölsche Lebensgefühl nach dem Motto „Et kütt wie et kütt“ und „Et bliev nix‚ wie et wor.“. Bereits in den 1970er streuten sie Lieder unter die Massen, die noch heute zum Karneval gehören wie der Rosenmontagszuch oder das Dreigestirn. SchlagerPlanet hat mit den Bläck Fööss über ihre Liebe zum Karneval und zu Köln gesprochen.

So richtig Karneval feiern?

Die Band liebt den Karneval in seinen farbenfrohen Facetten. „Karneval ist ja auch sehr wichtig, als Ausgleich für den normalen Alltag und um sich mit Leuten darüber zu reflektieren.“ In einer Kneipe ein Bierchen trinken gehört zu diesem Lebensgefühl selbstverständlich dazu. „In der Kneipe feiern wir alle gerne, und das machen wir Rosenmontag, da steht man mit Freunden, Nachbarn, Kumpels zusammen und kann über alles reden.“

Der Rosenmontag ist der einzige Tag zur Karnevalshochzeit den die Musiker nicht auf großen Bühnen verbringen. „Ansonsten müssen wir dafür sorgen, dass die Leute eben Karneval feiern.“ Da kommt das eigene Feiern vielleicht auch etwas kurz. So richtig Karneval feiern… Ich weiß gar nicht, ob wir das können. Als dienstälteste Kölner Band können sich die Bläck Fööss gar nicht mehr vorstellen in einer Karnevalssitzung zu sein anstatt auf der Bühne zu stehen.

Auf der Bühne lassen die Bläck Fööss die Verkleidung eher am Haken hängen. Sie gehen als „ganz normale Menschen“ auf die Bühne. Im Publikum wird aber immer wieder ein kreatives Kostüm erspäht: „Traditionell ist es ja schon fast, dass sich Männer als Baby verkleiden.“ Wer bei der Combo punkten möchte, sollte beim Outfit selbst die Schere anlegen. „Kein Kostüm von der Stange kaufen!“

Ein neuer Ton für den Karneval

Früher performten die Bläck Fööss ganz wie ihr Name vorgibt barfuß. Da beim Karneval aber ab und zu auch mal eine Flasche fliegt, rückten sie von diesem Konzept ab. Andere Aspekte ziehen sich aber wie ein roter Faden durch ihre Karriere: Wir freuen uns immer auf die sogenannte ‚Lachende Kölnarena‘. Da kommen 8000 oder 9000 Leute, immer ausverkauft, die sich ihr Bier und ihre Verpflegung mitbringen und mit ihren Familien aufschlagen.“ Früher fand das Großereignis in der Kölner Sporthalle statt, die 1999 abgerissen wurde, die besonderen Erinnerungen der Band bestehen jedoch weiter. Die Auftritte des Kölner-Kult Schauspielers Willy Millowitsch werden sie nie vergessen. „Da flippten die Leute restlos aus.“

„Mer losse d`r Dom en Kölle“, „Drink doch ene met“, „Bickendorfer Büdchen“ oder „Du bess die Stadt“ werden auch dieses Jahr ohne Zweifel über die Festmeilen erschallen. Die Melodien sind fester Bestandteil der Großereignisse in und um die Domstadt: In Festsälen, auf Open-Air-Bühnen oder bei den Sitzungen möchte kaum noch jemand sie missen. Einen ganz neuen Ton brachten sie dem Karneval, der ihn neu aufblühen ließ. „Durch das Lied ‚Drink doch ene met‘ haben wir gerade im Karneval mal einen Ton reingebracht, der sich mal nicht nur mit Wein, Weiber und Gesang, sondern auch mit Menschen befasst.“

Die Bläck Fööss sind stolz auf ihre Hits, die jeder Kölner mitsingen kann: „Das ist ein schönes Gefühl und das bestärkt uns einfach in unserer Arbeit, die wir die langen Jahrzehnte gemacht haben.“ Die Inspiration für ihre Lieder holen sie sich aus den Menschen. Die Mentalität der Kölner findet sich in den Liedern wieder, was sie erst so richtig authentisch macht. Das Lied „Stammbaum“ erlebt beispielsweise eine Art Revival auf Grund der aktuellen Flüchtlingsthematik.

Zukunft des Kölner Karnevals

Schon 45 Jahre sind die Bläck Fööss auf der Bühne, doch um den Kölner Nachwuchs machen sie sich keine Sorgen. „Also es gibt bei uns in Köln auch seit ein paar Jahren Gott sei Dank neue Bands, die auf einem guten Wege sind, uns mal abzulösen.“ Auch für den Karnevals-Hit 2015 gibt es einen heißen Anwärter: „Alle Jläser huh“ (Alle Gläser hoch) von der Nachwuchsband Kasalla, die schon mit „Pirate“ 2012 ihre Marke hinterließen. „Das ist ein sehr schönes Lied, in dem sich Kasalla wirklich mit dem Leben und dem Tod befasst, diese Kontraste, die einen im Leben beschäftigen.“

Und eben diese Nachdenklichkeit, man möchte vielleicht sagen Melancholie, ist den Bläck Fööss zu Karneval wichtig. „Vom Charakter her ist der Karneval immer mehr in den Partybereich abgedriftet und da läuft man bisschen in die Gefahr der Oberflächlichkeit.“ Der Karneval mutiert zu einer großen Party: Für so manchen ist der Karneval die perfekte Gelegenheit sich „volllaufen“ zu lassen. Karneval ist ja nicht nur gnadenloses oder besinnungsloses Saufen, sondern Karneval soll ja auch so ein Seelenaustausch sein.

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