„Wir haben keine Angst“

Am 05.03. treten Mrs. Greenbird beim deutschen Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“ 2015. Mit „Singer-Songwriter-Country-Folk-Pop“ wollen sie sich durchsetzen – und in Wien das Publikum mit ihrer Musik verzaubern.

Mrs. Greenbird Interview SchlagerPlanet
Mrs. Greenbird wollen die Menschen mit Singer-Songwriter-Country-Folk-Pop erreichen.
©Sony Music/Markus Schulze

Im November 2012 gingen Mrs. Greenbird als Gewinner der Castingshow „X Factor“ hervor. In mehreren Live-Shows sangen sich Sarah Nücken und Steffen Brückner in Herz und Ohren ihrer Fans. Nun steht der nächste Gesangswettbewerb auf dem Plan – der deutsche Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“ 2015. Warum das Duo beim „ESC“ teilnimmt, was die beiden über ihre Konkurrenten denken und was sie manchmal so richtig aneinander nervt, das erzählten Mrs. Greenbird SchlagerPlanet im Interview.

Der Vorentscheid zum „ESC“ – ein wahrgewordener Traum

Die beiden Musiker, die auch privat ein Paar sind, sind große Fans des „Eurovision Song Contests“. Bereits 2013 wollten sie am internationalen Musikwettbewerb teilnehmen, wie Steffen SchlagerPlanet verriet: Wir hatten vor zwei Jahren mit dem Management und unserer Plattenfirma schon einmal drüber gesprochen, ob das nicht vielleicht etwas wäre. Damals hat das leider nicht geklappt, aber das Thema lief uns öfters unverbindlich über den Weg. Mitte letzten Jahres sagte unsere Managerin, dass sie uns da angemeldet habe. Und dann haben wir uns darüber erst einmal keine Gedanken mehr gemacht, bis plötzlich das ‚Go‘ kam, dass wir in der Vorentscheidung antreten dürfen.“

Was die beiden vor allem reizt, ist die Erfahrung: „Wir spielen ja sonst eigentlich immer in mittelgroßen Clubs. In einer so großen Halle, vor so vielen Menschen und bei einer so großen Show mit dem ganzen Brimborium spielen zu dürfen, das ist schon etwas Tolles. Und es ist auch immer etwas Schönes, neue Kollegen kennenzulernen. Ich glaube, dass das eine schöne Veranstaltung wird.“

Die Konkurrenz

Neben Mrs. Greenbird kämpfen am 05. März Alexa Feser, Fahrenhaidt, Faun, Andreas Kümmert, Laing, Noize Generation und Ann Sophie um genug Zuschaueranrufe und das Ticket nach Wien. Angst vor der Konkurrenz hat Mrs. Greenbird nicht – ganz im Gegenteil: „Es ist auf jeden Fall so, dass viele ganz tolle Künstler dabei sind, die alle ganz verschiedene Musik machen. Und gerade, dass man das nicht so vergleichen kann finde ich super. Da ist wirklich alles querbeet dabei: Von Mittelaltermusik über eine Mädels-Combo bis hin zu dem, was wir machen. Und dann auch was Souliges – ich finde das toll.“

Angst vor zu wenig Anrufen hat das Duo nicht, immerhin bedeuten zu wenig Anrufe nicht, dass der Auftritt schlecht gewesen ist, weiß Sarah: „Da muss man eben gucken, wer Lust hat anzurufen. Ich bin so ein Mensch, ich freue mich und finde die Musik toll, rufe aber nicht an. Deshalb heißt es keinesfalls, wenn man nicht gewinnt, dass man nicht gut ist, sondern es gibt auch Menschen, die gucken, ob die Band international Chancen hat. Ich finde es einfach generell schon toll, dabei zu sein und mich überraschen zu lassen.“

Laut Steffen ist es unmöglich, die auftretenden Bands miteinander zu vergleichen: „Wir haben darüber schon öfter gesprochen und Angst haben wir eigentlich vor keinem Künstler. Wir haben zuerst einmal Respekt vor allen Menschen, die dort ihre Leistung bringen und ihr ganz eigenes Ding machen. Dort ist die Bandbreite einfach unheimlich groß. Deshalb haben wir vor den Leuten keine Angst, denn da ist niemand dabei, der mit dem Anderen eins zu eins vergleichbar wäre. Das ist so, als würde man acht verschiedene Sportarten miteinander vergleichen.“

Persönlich kennen Sarah und Steffen die Künstler vom Vorentscheid nicht, doch Steffen fände es schön, wenn sich noch etwas ergäbe: „Dort Verbündete zu haben, dem bin ich nicht abgeneigt.“

Gewinner von „X Factor“ – Vorteil gegenüber den anderen Kandidaten?

Bereits 2012 gewannen Mrs. Greenbird eine Gesangsshow und setzten sich gegen tausende Konkurrenten durch. Trotzdem sieht Steffen in ihrem Sieg keinen Vorteil gegenüber den anderen Musikacts: „Ich glaube, das kann uns ganz unterschiedlich ausgelegt werden. Die einen sagen, es ist ein Vorteil, die anderen, dass es ein Nachteil ist. Was wir vorher gemacht haben, ist zwar unsere Geschichte, aber nicht das Zentrum der Welt, also nicht der Punkt, um den sich bei uns alles dreht. Dieser Gewinn liegt für uns schon wieder so weit zurück. Die Karten sind hier völlig neu gemischt und die Show ist ganz anders, auch inhaltlich, es geht auch um etwas ganz anderes. Deshalb glaube ich nicht, dass wir da irgendjemandem etwas voraus haben.“

Eine kleine Angelegenheit sehen Sarah und Steffen dennoch als vorteilhaft: „Was wir als wirklich positiv empfinden, ist, dass wir das Privileg hatten, im Fernsehen auftreten zu dürfen. Dass wir schon einmal live in einem größeren Studio gespielt haben und ungefähr wissen, wie es sich anfühlt auf so einer Bühne zu stehen. Das empfinde ich als Vorteil, sonst eigentlich nichts.“

Die Songauswahl

Beim deutschen Vorentscheid in der nächsten Woche singen Mrs. Greenbird die Songs „Shine Shine Shine“ und „Take my Hand“ – wohl überlegt und aus gutem Grund, wie uns Steffen verriet: „‚Shine Shine Shine‘ ist eine positive Nummer, ein Song, der die Menschen ermutigen soll. Es geht darum, dass man sich selbst und seine Qualitäten nicht verstecken, sondern das mutig vor sich hertragen soll, um damit die Welt zu bereichern. Das ist auch ein Thema, das derzeit viele Menschen beschäftigt und bei dem auch immer viele Unsicherheiten da sind, sich selbst zu entfalten. Wir wollen einfach die Menschen dazu ermutigen, zu sich selbst zu stehen und es nicht irgendjemandem recht machen zu wollen. ‚Take my Hand‘ ist ein Song, der uns persönlich sehr am Herzen liegt, weil wir in sehr gerne mögen. Das ist auch eher der leise Träger auf dem Album. Wir dachten, wir loten einfach einmal die Bandbreite ein wenig aus – wir machen eine Nummer, die schnell ist, die nach vorne geht und danach den ein bisschen intimeren Moment, der auch einfach für uns ist. Wir haben auf den letzten Konzerten auch gemerkt, dass ‚Take my Hand‘ immer ein Konzertliebling war und da auch immer das ein oder andere Tränchen geflossen ist. Deshalb dachten wir, dass das vielleicht ganz gut passt.“

Die beiden nennen ihre Musik „Singer-Songwriter-Country-Folk-Pop. Das heißt stimmhafte, organische, meist akustische Musik, selbstgeschrieben und mit Einflüssen aus Country, Folk und Pop.“ Warum die Zuschauer am 05.03. beim deutschen Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“ anrufen sollten? Ganz einfach: Die Leute sollen dann für uns anrufen, wenn sie uns super und sympathisch finden und unsere Musik mögen. Wenn das ihr Ding ist und wenn sie Bock haben, uns in Wien zu sehen. Wenn sie denken, dass wir Deutschland gut in Wien vertreten könnten, dann sollten sie für uns anrufen.“

Inspiration von überall

Mrs. Greenbird schreiben all ihre Songs selbst – ihre Inspiration nehmen sie „aus dem Leben, aus Begegnungen mit anderen Menschen, aus Dingen, die uns bewegen. Manchmal aus den Nachrichten, manchmal aus dem eigenen Garten, sie kann überall herkommen.“ Doch wie darf man sich Musiker vorstellen, die all ihre Songs selber schreiben? Mit einem Notizzettel, den sie 24 Stunden in der Hand halten? Oder einem abendlichen Meeting am Küchentisch, um über neue Ideen zu sprechen? Sarah verrät es: „Das wäre der optimale Fall. Ich muss mich immer zwingen, alles aufzuschreiben, was mir so einfällt. Ich wache oft auf oder habe vor dem Einschlafen plötzlich eine Textzeile oder Melodie im Kopf, bin dann aber so müde und denke mir, dass ich das dann am Morgen aufschreibe. Eigentlich bräuchte ich ein Notizbuch neben dem Bett, damit ich das dann sofort aufschreibe. Meistens vergesse ich es natürlich, was wirklich blöd ist, und versuche mich dann zurückzuerinnern. Genauso ist es, wenn man unterwegs ist. Man ist als Künstler permanent inspiriert, das ist zumindest bei mir so – man sieht andauernd Sachen, die einen beschäftigen, die einen in irgendeiner Sache berühren, aber es gelingt einfach nicht immer, das auch festzuhalten. Man hat nicht immer einen Stift und Papier oder auch das Handy parat. Aber das ist eben so, man muss sich extra Zeit nehmen und sich hinsetzen und sich sagen ‚So, ich bewege mich jetzt nicht vom Fleck, bis ich alles runter geschrieben habe‘. Es ist wirklich selten, dass einem ein Lied so locker flockig einfällt. Meistens dauert das sehr lange und bedeutet sehr viel Arbeit. Das ist zwar schöne Arbeit, aber man muss sich schon sehr reinhängen.“ Steffen ergänzt: Man kann sich nicht darauf verlassen, dass einen die Inspiration von alleine erschlägt.“

Das aktuelle Album „Postcards“

Am 7. November 2014 erschien das zweite Album des Duos mit dem Titel „Postcards“, das sie als „verträumt“, „ermutigend“, „verspielt“ und „weit“ beschreiben. Einen entscheidenden Unterschied zu ihrer ersten Platte sehen die beiden darin: „Wir hatten beim zweiten Album viel mehr Zeit. Der ganze Produktionsprozess dauerte zweieinhalb Monate, im Gegensatz zu den zehn Tagen, die wir beim ersten Mal hatten. Wir konnten da also alles machen, was wir beim ersten Mal nicht machen konnten. Unser größter Wunsch war natürlich, dass die CD schön und organisch klingt. Wir haben zusammen mit einer großen Liveband im Studio. Unser Ziel war es, richtig zufrieden sein zu können mit dem Album keine Kompromisse machen zu müssen – genau das haben wir erreicht. Wir sind immer noch total happy. Es ist genau so, wie wir es uns gewünscht haben.“

Mrs. Greenbird Eurovision Song Contest
Mrs. Greenbird sind auch privat ein Paar.
©Sony Music/Markus Schulze

Trotzdem können sich die beiden nicht darauf festlegen, welches ihrer Alben das Bessere ist: So ein Album ist ja auch immer eine Momentaufnahme. Ein Album spiegelt ja nicht die gesamte Bandbreite oder Geschichte der Welt wieder. Es ist ja immer nur ein kurzer Moment. Es ist eine relativ kurze Zeit, in der man Songs schreibt und eine relativ kurze Zeit, in der man Songs aufnimmt. Das ist dann abgeschlossen und dann fängt der nächste Schaffenszyklus an. Beim nächsten Mal wird's dann wieder etwas anders. Spannend wird's dann, wenn man auf vier bis fünf Alben zurückblicken, eine Werkschau machen kann und sieht, wie man sich entwickelt hat.“

Am 12.03.2015 starten Mrs. Greenbird ihre „Postcards“-Tour. Wer eine ihrer Konzerte bereits besucht hat, dem ist mit Sicherheit die dekorierte Bühne aufgefallen, denn für ihr Bühnenprogramm lassen sich die zwei stets besondere Highlights einfallen: Wir planen gerade schon, toben uns kreativ aus. Unsere Fans erwartet wie immer ein großes buntes Bühnenprogramm. Wir haben eine tolle Liveband mit neuen Musikern. Wir sind zu fünft, wie spielen mal im Duo und mal in kompletter Band-Besetzung. Wir spielen neu arrangierte Songs, wir spielen die vom neuen Album und lassen uns natürlich auch ganz neues Kniffe einfallen. Wir wollen nicht, dass jemand nach Hause geht und meint, dass er das schon einmal erlebt hat, sondern wir haben den Anspruch, jeden einzelnen Menschen abzuholen und jedem einmal dieses Erlebnis zu bescheren. Wir wollen es nicht genauso machen wir beim letzten Mal, sondern ein neues ‚Geschmäckle‘ reinbringen.“

Was sie aneinander stört – und was sie aneinander lieben

Seit mehr als acht Jahren kennen sich Sarah und Steffen, seit vielen Jahren sind sie auch privat ein Paar. Durch ihre zahlreichen Termine sind sie täglich fast 24 Stunden zusammen. Klar, dass man sich irgendwann einmal auf die Nerven geht. Doch was nervt die beiden am meisten aneinander? Sarah nervt dies an ihrem Freund: „Mich nervt, wenn ich total übermüdet mit nur zwei Stunden Schlaf um 5:00 Uhr morgens Soundcheck habe, weil wir in der Morning Show sitzen. Ich bin nämlich eher introvertiert und ruhig, brauche vor Auftritten sehr viel Zeit. Steffen braucht immer Action und Rummel und wenn ich dann um 5:00 Uhr morgens so müde bin und Steffen ohne Punkt und Komma quatscht, dann geht er mir tierisch auf die Nerven. Ich frage mich da immer nur, wie man so früh schon so wach sein und so einen Rededrang haben kann.“

Steffen hält sich bei seinen Äußerungen eher zurück: Sarah ist immer zu gut und zu nett. Ich erlebe oft, wie sie immer auch aus meinen negativen Seiten das Beste herausholen kann. Dafür mag ich sie ganz besonders gerne. Wir sind ja teilweise sehr unterschiedlich. Manchmal, wenn ich meine fünf Minuten kriege und mich austoben muss und Sarah da ganz entspannt sitzt, da denke ich auch ‚Komm schon, jetzt interagier doch bitte mal mit mir‘. Das sind eben Dinge, die passieren, wenn man gegensätzliche Persönlichkeiten hat. Wir kennen uns aber schon so lange und kommen schon so lange miteinander klar – da werden die Sachen, die einen normalerweise stören könnten, zur sympathischen Macke, die man einfach kennt und die man gelernt hat, so zu nehmen.“

Doch die beiden wären nicht bereits seit vielen Jahren ein Paar, wenn sie nicht auch positive Eigenschaften am jeweils anderen finden würden: Ich schätze an Sarah sehr, dass sie meine Schwächen ausgleicht. Ich bin organisatorisch unglaublich schlecht und Sarah kann das sehr gut. Ich versuche ja immer Kalender zu führen, aber bei mir haut das einfach nicht hin. Mein Kalender scheint kaputt zu sein. Und ich freue mich jedes Mal wieder, dass ich Sarah einfach nur anzuschauen brauche – mit diesem fragenden Kalender-Blick und Sarah mir sofort sagen kann, welchen Termin ich gerade verpasst habe. Das weiß ich sehr zu schätzen.“

Auch Sarah findet positive Eigenschaften an ihrem Freund: „Ich finde es gut, dass Steffen mir ab und an in den Hintern tritt, denn ich bin ein sehr sanfter und friedliebender Mensch, aber in unserem Business muss man ab und an einfach auf den Tisch hauen und sagen ‚Bis hierhin und nicht weiter‘. Das kann der Steffen sehr gut und er zwingt mich dann manchmal, das auch zu tun. Das muss manchmal einfach sein.“

Liebe geht durch den Magen?

Nicht bei Mrs. Greenbird! Sarah sieht sich selbst als „die geborene Schwarzbräterin“: „Ich vergesse immer, dass ich gerade koche. Und das findet er natürlich nicht so lecker.“ Steffen sieht das genauso, findet dennoch die richtigen Worte, auch hierin das Positive zu sehen: Sarah ist prädestiniert für diesen Spruch: ‚Die Liebe geht eher durch den Magen, als das Auge isst mit‘. Ihr Essen schmeckt eigentlich immer vorzüglich, es sieht bloß manchmal ein wenig traurig aus. Bei mir ist es andersherum. Ich bin mehr Handwerker beim Essen. Ich habe einen großen Anspruch an die Optik und es passiert dann schon einmal, dass der Geschmack dabei auf der Strecke bleibt.“

Mrs. Greenbird – ein sympathisches Duo, das am 05. März in Hannover um die Teilnahme am „Eurovision Song Contest“ 2015 in Wien singt. SchlagerPlanet bedankt sich für das Interview und drückt die Daumen!

Mrs. Greenbird im Video zu ihrer Single „Shooting Stars & Fairy Tales“.
©Youtube/mrsgreenbirdVEVO


Autor(in) SchlagerPlanet:



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