Die Schlagermafia: Musik und Mafia!

Schutzgeld statt Gagen. Was haben Schlager und die Mafia gemeinsam? Wer könnte diese Frage besser beantworten als die Jungs von der Schlagermafia? SchlagerPlanet hat das Duo exklusiv zum Interview geladen.

Schlagermafia Interview
Die Schlagermafia zeichnet sich durch die besondere Mischung aus Musik und Mafia aus.
©JF-Media

Womöglich ist Mafia nicht der erste Begriff, der mit Schlager in Verbindung gebracht wird. Für die Jungs von Schlagermafia ist diese Verbindung jedoch sehr naheliegend. Warum das so ist und warum eben diese Kombination aus Schlager und Mafia so unverzichtbar für die deutsche Musik ist, sagten sie uns im Gespräch.

Die Schlagermafia, das sind Joost Montännar und Torben Sälliwenn. Auch wenn die beiden ausgebildete Musiker sind, kamen sie vorerst nur über Umwege auf ihr Musikprojekt, das die Massen das Tanzen und die Schlagerbranche das Fürchten lehren sollte. Ich habe geklingelt und gesagt: ‚Joost, lass uns feingeistige Musik machen‘“. Jedoch entschieden sie sich gegen „sozialkritische Boygrouptexte“ und damit für bestechend tanzbare Hits.

„Wir haben uns überlegt wie wir viel Geld verdienen können. Und haben uns überlegt: Ja, werden wir Mafiosi. Und wo kann man viele Frauen haben? Als Musiker auf der Bühne. Also die Kombination Musik und Mafiosi.“ Dementsprechend fahren die Musiker natürlich mit der S-Klasse zu ihren Konzerten vor. Auch ihr Frauen-Revier haben die Anzugsträger sich klar aufgeteilt. „Wir haben auch eine ganz klare Regelung: Torben nimmt alle Frauen Ü40, ich nehme alle ab 75B.“Ist das der richtige Grundstein für eine harmonische Zusammenarbeit?

Revolte gegen den Schlager

Die Schlagermafia versteht sich als Aufklärer der Schlagerbranche, der dort den Schleier hebt, wo andere ihre Welt in fast zu idyllischen Farben und Formen schmücken. „Wir erzählen den Leuten quasi, was wirklich im Kornfeld passiert ist, mit Jürgen Drews.“ Doch das ist nicht der einzige Aspekt der Mafia-Mission: „Es ist ein ganz einfaches Konzept: Für die Leute Partymusik machen, mit den Leuten feiern und sich mit den Leuten auf eine Stufe stellen.“ Auf rund 150 Auftritten jährlich auf Volksfesten, Aprés Ski-Parties, Karnevalsfeten und Schlagerparties hat dies die Schlagermafia bereits umgesetzt.

Musik und Mafiosi: Ein Konzept, das den Entertainern Spaß bereitet. Allerdings bereitet den Entertainern die deutsche Musik momentan nicht ganz so viel Freude: „Also dieses ganze Format-Gedudel von den Radiosendern ist ganz furchtbar.“ Die deutsche Musik leite momentan nicht zum Feiern ein und es fehle der Spaß. „Im Radio gibt es keine deutsche Spaßmusik mehr.“

Doch auch mit deutschen Schlagermusikern hat die Schlagermafia noch ein Hühnchen zu rupfen. „Es gibt diese Attitüden, die Sänger haben, wenn sie ernste Schlager singen. Das ist für uns immer sehr befremdlich. So wollen wir niemals sein!“ Für das Exklusiv-Ergebnis halb Schlager, halb Mafia und der Vermeidung der „Schlagerattitüde“ gibt es ein ganz einfaches Rezept. „Es gibt den Schwiegersohn Popschlager-Sänger, es gibt den Partyschlager-Sänger, es gibt den Ballermann-Sänger, es gibt, keine Ahnung, schon eher den volkstümlichen Schlager und wir sehen uns eigentlich als den Underdog, der das Feld von hinten aufrollt.“

Dementsprechend gräbt, der immer schnuppernde und suchende Underdog, gerne Schlager-Relikte aus, die er zu neuen eigenen Songs verarbeitet. Vor allem auf Evergreens fokussiert die Band, greift aber auch gerne aktuelle Musiker in ihren Shows auf. „Ich liebe mich, zum Beispiel. Das ist eine Hommage an Michael Wendler, der ja morgens, wenn er in den Spiegel guckt immer zu seiner Frau sagt: Schatz. Ich will dir mal was sagen. Ich liebe mich. Und da haben wir, zum Beispiel, ein Lied drüber gemacht.“

Insgesamt versteht sich die Schlagermafia als einen Coveract „mit eigener Note“. „Nur ein Lied singen, wäre ja langweilig. Wir verpacken das schon auch in Geschichten und sind frei in der Interpretation.“ Demnach macht sich die Schlagermafia jeden Coversong zu Eigen. „Wir wollen natürlich schon, dass die Songs mit uns verbunden werden.“ Vielleicht auch aus diesem Grund kommen dem Duo so manche Schlagerhits nicht in die mit Manschettenknöpfen geschmückten Hände. „Wir wollen weder die Ballermann-Schiene, noch wollen wir diese Trittbrett-Schiene, dass wir hier auf Kraft alle Lieder im Programm haben müssen, die draußen gut funktionieren.“ Helene Fischer wollen sie zum Beispiel niemals covern.

Der Weg nach Hollywood

Doch vielleicht ist die Schlagermafia auch einfach zu Höherem berufen. Jedenfalls erhielten sie bereits Anrufe aus der Party-Metropole der Vereinigten Staaten. „Wir haben einen Anruf aus Las Vegas gekriegt, dass unsere Nummer da gerade lief.“ Der Song „Very Good for Hollywood“ hat also, dem Titel entsprechend, immerhin bereits den Weg über die Weltmeere geschafft. Zudem war der Song einer der Oktoberfest-Hits 2014. „Diese Single wurde erstmals auf hochdeutsch genehmigt. Die lag jetzt 22 Jahre in österreichischer Mundart.“

Einen Aspekt von Hollywoodstars haben die Jungs bereits sehr stark verinnerlicht. Wenn man ihren Erzählungen glauben darf, sind sie sogar zu Mode-Ikonen aufgestiegen: Die Anzüge, die sie bei ihren mafiösen Auftritten jedes Mal tragen, haben eine bemerkenswerte Wertsteigerung durchgemacht. „Die sind jetzt aber dreimal so teuer wie früher, das heißt wir haben den Marktwert dieser Anzüge gesteigert.“ Die Schlagermafia ist vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Dort fungieren sie für jegliche Parties auch gerne als partycrashende musikalische Instanz.


Autor(in) SchlagerPlanet:



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