Peter Kraus: Abschied in München?

Rock’n‘Roll in Motorradkluft – und das mit 75. Peter Kraus rockte im Rahmen seiner Abschiedstournee die Münchner Philharmonie. Dabei blieb er dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ treu.

Peter Kraus Abschiedstournee München Gasteig
Peter Kraus rockt seit 60 Jahren die Bühne. Nun möchte er kürzer treten.
©

Alles wartet auf Peter Kraus in der voll besetzten Münchner Philharmonie. Ab acht Uhr betreten seine Musiker die Bühne, um mit einem kleinem Intro, das sich nach und nach aufbaut, die Gemüter zum Schnipsen zu erheitern. Als vorerst Letzter betritt Peter Kraus in cooler Motorradkluft die Bühne – unter tosendem Applaus und einer selbstironischen Ankündigung aus dem Off. Er trägt unter der dicken Lederjacke und einem Retro-Motorradhelm das obligatorische Jeanshemd mit zwei offenen Knöpfen – der Lausbubencharme umgibt ihn auch noch nach unglaublichen 60 Jahren im Musikbusiness. Er lässt das Publikum keine Sekunde warten und zündet sofort ein fulminantes Feuerwerk in Rock’n‘Roll Manier.

Ein Streifzug durch seine Karriere

Während des Konzerts ließ der Alt-Rock’n‘Roller einen an einem lebendigen Streifzug durch seine Karriere teilhaben. Von den klassischen Rock’n‘Roll Nummern von Elvis über seine deutschen Gassenhauer bis hin zu Neuauslegungen der Hits von heute, die in seiner Version beschwingter und jugendlicher klangen als bei Marteria und Co. Diese verschiedenen Stationen seiner Karriere wurden durch die Bühnenshow bezeichnend aber keineswegs penetrant unterstrichen. So zeigten sich seine Sängerinnen im Rockabilly Look der 50er, in schicker Abendgarderobe und zuletzt im coolen Leder-Look. Auch Peter Kraus ließ sich nicht lumpen und verwandelte sich nach der Pause in einen schlipstragenden Rosenkavalier. Durch die gesamte Show zogen sich jedoch seine Stimmgewalt und sein stimmungsvoller Hüftschwung, der auch dieses Mal die Damenblicke auf sich zog.

Peter Kraus stieß mit allen Songs auf ein begeistertes Publikum jedoch rissen vor allem die Rock’n‘Roll Klassiker à la „Blue Suede Shoes“ das Publikum von den bequemen Sitzen in der Philharmonie. Im Laufe des Konzerts entwickelte sich das Publikum von einer besinnlich-gesetzten Zuhörerschaft zu einer dynamischen Meute, die von den Rängen vor die Bühne stürmte. Die positive Stimmung auf der Bühne war aber nicht zuletzt dem rührenden Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Musikern zu verdanken: Obgleich Peter Kraus seit 60 Jahren präsent ist, wirkte er zu keiner Sekunde wie ein Platzhirsch.

Ganz der Entertainer

Die Entwicklung dieser besonderen Präsenz ist mit Sicherheit auch auf die Entertainer-Fähigkeiten von Peter Kraus zurückzuführen. Zwischen seinen Songs belustigte er das Publikum mit kleinen Anekdoten des Alltags und einer gesunden Prise Selbstironie. Den Tanz-Hit „Tiger“ stimmte Peter Kraus in einer behäbigen Senioren-Version an – Gehprobleme inklusive. Die Buh-Rufe des Publikums und die Ausschreitungen seiner sonst so treuen Band rissen ihn aber letztendlich doch zu der temporeichen „Rotzbuben-Version“ hin. „Bei diesem Song fliegen immer die Schlüpfer – das war auch noch letztes Jahr so. Versprochen! Sie wurden halt einfach etwas größer“, witzelte er. Der Schlüpfer-Regen blieb dieses Mal aus. Statt auf Grund dieses Defizits zu verzagen, dichtete er seinen Hit „Sugarbaby“ zu „Sugardaddy“ um – so viel Situationskomik sorgte vor allem bei den jüngeren Zuhörern für Wellen des Gelächters, auf die so mancher Komödiant nur neidisch blicken kann.

Niemals müde vom Bühnenleben

Es schien, dass Peter Kraus seinem Publikum, das mit ihm gealtert ist, einen gehörigen Senioren-Teller seiner Energie abgeben wollte. So prahlte er mit seinem Wissen über die heutige SMS-Sprache und brachte einem interessierten Publikum die Texte von Culcha Candela näher. Hätte er sein eigenes Alter nicht so charmant auf die Schippe genommen, hätte man ihm unterstellen können der Peter Pan des Musik-Business zu sein. Doch vor allem zum Ende hin wird es klar: Peter Kraus möchte nun tatsächlich etwas kürzer treten und nicht nochmals auf rund 50 Terminen seinen berühmten Hüftschwung präsentieren. Ist das das Ende von 60 Jahren Bühnenpräsenz? „Ich weiß nicht, ob ich aufhören kann. Es macht einfach zu viel Spaß. Wenn ich gesund bin und mich fit fühle, wird diese Tournee eben noch sehr lang“, lacht er.

Nach dem Konzert bleibt jede Menge Bewunderung, fast schon Ehrfurcht zurück. Und der bescheidene Wunsch mit 75 Jahren auch noch so gut drauf zu sein.


Autor(in) SchlagerPlanet:



Dein Kommentar: